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Luchs Aaron wird nicht Vater

Seit Jahren wird über den Ausbau des Luchsgeheges im Wildpark Bruderhaus geredet. Das Geld war bereits bewilligt, gebaut wurde nie. Jetzt ist es weggespart und das reservierte Luchsweibchen kastriert.

Wer im Bruderhaus einen Luchs erspähen will, braucht selbst Luchsaugen. Die einzige Katze im Gehege, Aaron, versteckt sich meist auf der den Besuchern abgewandten Seite des Bachtobels. Vor vier Jahren starb sein an Menschen gewöhnter Mitbewohner Luv, der gerne am Zaun patrouilliert hatte und die Besucher aus nächste Nähe zu mustern pflegte. Rasch nach Luvs Tod entstand der Plan, Aaron wieder Gesellschaft zu schenken. Im Basler Tierpark Lange Erlen wurde ein junges Luchsweibchen reserviert. Auch mit der Aussicht auf künftigen Luchsnachwuchs im Bruderhaus. Im Laufe der Jahre 2010 und 2011 wurde eine Modernisierung des Geheges geprüft. Eine Unterteilung wäre Bedingung für die Zusammenführung gewesen, damit sich die zwei Tiere langsam hätten aneinander gewöhnen können. Verzögerung um Verzögerung Die Zeichen standen gut: Im Budget 2012 gab der Stadtrat dafür 120'000 Franken frei. Am 31. Mai 2012 erwähnte Stadtförster und Wildparkchef Beat Kunz das Projekt ge­gen­über dem «Landboten» zum ersten Mal und gab sich zuversichtlich, dass das Weibchen noch im gleichen Jahr einziehen werde.Allmählich kam nämlich auch Ungeduld auf. Dies einerseits beim Basler Tierparkleiter Bruno Ris, der damit gerechnet hatte, dass die Winterthurer ihr reserviertes Tier innert nützlicher Frist abholten. Kaum erwarten konnte die Katzenzusammenbringung auch das Ehepaar Ruf. Gattin Brigitte hatte 2009 die Patenschaft für Luchs Luv übernehmen können. Nach dessen Tod schlug Beat Kunz den Rufs vor, die Patenschaft mit dem neuen Weibchen zu verlängern. Sie waren einverstanden. «Wir haben die Luchsin fast jedes Wochenende in Basel besucht und freuten uns unheimlich auf das schöne Tier», sagt Brigitte Ruf. Unzählige Bilder und Videos hat das Ehepaar von der namenlosen Luchsdame gemacht. «Sie ist sehr zutraulich und verspielt und wäre eine Attraktion für den Wildpark», findet auch Peter Ruf. «Erst recht, wenn es Nachwuchs gäbe.» Die Rufs warten immer noch. Mehrmals wurde die Zusammenbringung angekündigt, mehrmals wurde der Termin verschoben. Hauptgrund ist, dass die Arbeiten am fast fertigen Wildpferdgehege seit anderthalb Jahren nur schleppend voran kommen. Erst hielt ein feuchter Frühling den Bautrupp auf, dann verzögerte eine missglückte Einfangaktion für ein Wildpferd-Zuchtprogramm den Einzug und immer wieder herrschte Zeitmangel bei den Stadtförstern, welche die meisten der Arbeiten selbst ausführen. «Und mehr als eine Baustelle wollten wir nicht eröffnen», sagt Wildparkchef Beat Kunz. Ein Opfer der Spardebatte «Mit der Unterteilung der Luchsanlage wurde begonnen», steht in der Einladung zur Jahresversammlung 2014 des Wildparkvereins, dessen Engagement schon die Wolfsanlage und das Wildpferde-Mufflon-Gehege ermöglicht hatte. Präsidentin Ruth Werren schrieb diesen Brief im November, vor der Budgetdebatte. Seither hat sich das Blatt gewendet: Die bürgerliche Sparallianz strich das Forst-Budget, das bereits im Sanierungsprogramm Effort14+ um 180'000 Franken gekürzt wurde, um weitere 241'000 Franken zusammen. Betroffen sind jetzt auch geplante Investitionen. Das Geld fürs Luchsgehege, dessen man sich noch vor Kurzem noch sicher war, ist weg. «Wir werden versuchen müssen, die Gehegeunterteilung mit Drittmitteln zu finanzieren», sagt Kunz. Ob der Wildparkverein bei der Sponsoren- und Gönnersuche mitmacht, ist allerdings unklar. Er sammelt bereits für das neue Gehege für die Wisents und Sikahirsche und hatte in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er das Luchsgehege als Sache der Stadt betrachtet. «Jetzt eilt es auch nicht mehr» Ob der alte Bruderhausluchs je Gesellschaft erhält, ist inzwischen also fraglich. Mit seinen bald 15 Jahren nähert sich Aaron dem Ende seiner Lebenserwartung. Luchse werden in Gefangenschaft etwa 20 Jahre alt. Späte Vaterfreuden sind sogar noch unwahrscheinlicher. Wie der Basler Tierparkdirektor Ris sagt, hat man das reservierte Weibchen inzwischen chemisch kastrieren lassen. Seine Wut auf Winterthur scheint inzwischen verflogen. «Wir haben genug Platz für das Tier. Jetzt eilt es auch nicht mehr.» Auch im Bruderhaus pressiert es offenbar nicht mehr. Luchse seien in der Natur Einzelgänger und könnten auch in Parks problemlos alleine gehalten werden, sagt Kunz. «Das Bruderhaus ist aber der einzige Wildpark weit und breit, der Einzelhaltung praktiziert», erwidert Peter Ruf. Er hoffe, dass sich Sponsoren und Gönner fürs Luchsgehege finden. «Herr Kunz hat mich angefragt, ob ich das nicht organisieren möchte, aber als Einzelperson habe ich dafür nicht die nötigen Kontakte.»

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