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Lufthansa in Turbulenzen

Köln. Wolfgang Mayrhuber bläst ein scharfer Wind entgegen. Der Österreicher wurde zum neuen Chefaufseher für Lufthansa gewählt. Doch der Widerstand einer Minderheit der Aktionäre war hart. Sie sind frustriert, weil sie für 2012 keine Dividende erhalten.

Christoph Franz stärkt Wolfgang Mayrhuber den Rücken. «Wolfgang Mayrhuber hat Ihre Lufthansa zur Nummer 1 in Europa gemacht», sagte Franz, der vor zwei Jahren Mayrhuber als Vorstandsvorsitzender der Lufthansa nachgefolgt war, am gestrigen Dienstag auf der Hauptversammlung in Köln. Mayrhuber, der den Vorstand in den Jahren 2003 bis 2010 geführt hat, habe in seiner Zeit an der Spitze des Unternehmens Herausragendes geleistet. Nach einer Abkühlphase wird der 66-jährigen Österreicher nun zum Chefaufseher des Konzerns.

Beinahe-Fiasko für Aufsichtsrat

Dabei hätte Mayrhuber den Sprung an die Spitze beinahe verpasst. Er hatte am Montag seine Kandidatur wegen fehlender Unterstützung durch die Anteilseigner überraschend zurückgezogen und sich binnen weniger Stunden dann doch zu einer Bewerbung bereit erklärt. Ein Beinahe-Fiasko für den scheidenden Aufsichtsratschef Jürgen Weber (71). Doch Weber wollte das gestern nicht auf sich sitzen lassen. Die «erhebliche Verwirrung» um Mayrhuber habe der bisherige Aufsichtsrat nicht zu verantworten, sagte er.

Dann ging der bisherige Chefaufseher des Luftverkehrskonzerns zum Gegenangriff über. Es sei bedauerlich, zu beobachten, wie fremde Regeln für gute Unternehmensführung auch hierzulande zugrunde gelegt würden, beklagte Weber. Gemeint war damit offenbar eine Kritik der Anlegerberatung Institutional Shareholder Services (ISS), an deren Empfehlungen sich vor allem institutionelle Investoren aus dem Ausland häufig orientieren. Der ISS war vor allem die Frist von zwei Jahren zu kurz, in der Mayrhuber vor seiner Wahl zum Chefkontrolleur Abstand zu den eigenen unternehmerischen Entscheidungen als Vorstandchef gewinnen sollte.

Anlegervertreter Ingo Speich machte allerdings auch gestern nochmals deutlich, dass er Mayrhuber als Aufsichtsratspräsidenten für fehl am Platz hält. «Wir sind eigentlich fassungslos», sagte der Sprecher der genossenschaftlichen Anlagegesellschaft Union Investment, die nach Angaben ein Prozent der Anteile an Lufthansa hält. «Das wirft bereits jetzt einen Schatten auf Ihr zukünftiges Amt», sagte er an Mayrhuber gerichtet. Bereits am Montag hatte Speich deutlich gemacht, dass es ihm nicht so sehr um die Kriterien der Corporate Governance, sondern um die Vorstandsstrategie geht. «Altlasten der Ära Mayrhuber drücken den Kranich zu Boden», äusserte Speich.

Andere Aktionärsvertreter stellten sich auf Hauptversammlung jedoch hinter Mayrhuber.

Sparen in harten Zeiten

Vorstandchef Franz hatte zuvor die Aktionäre auf ein Jahr ohne Dividendenzahlung eingestimmt. «Die Weltluftfahrt hat sich verändert. Unsere Branche ist unter Druck. Besonders in Europa», sagte Franz. «Das lässt sich auch an unseren Unternehmenszahlen ablesen. Deshalb möchte ich gar nicht erst versuchen, unsere Ergebnisse zu beschönigen: Sie sind nicht ausreichend, um auch in Zukunft nachhaltig zu wirtschaften.» Der Vorstand habe Lufthansa deshalb mit dem Programm Score ein Spar- und Effektivitätskonzept verordnet, mit dem das operative Konzernergebnis bis 2015 auf 2,3 Milliarden Euro (2,8 Milliarden Franken) gesteigert werden soll. Unter anderem sollen 3500 der derzeit 117 000 Stellen gestrichen werden.

Bei einem Umsatz von 30,1 Milliarden Euro und über 103 Millionen Fluggäste hatte Lufthansa Group im vergangenen Jahr immerhin noch einen operativen Gewinn in Höhe von 524 Millionen Euro gemacht. Der Veräusserung von Anteilen am Tochterunternehmen Amadeus IT Holding schraubte das Konzernergebnis auf 990 Millionen Euro. Doch Vorstandschef Franz verlangt nicht nur den murrenden Aktionären mit dem Verzicht auf eine Dividende einen Sanierungsbeitrag ab. Auch der Vorstand verzichtet nach seinen Worten auf fünf Prozent seines Grundgehalts.

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