Zum Hauptinhalt springen

«Man darf sich nicht erwischen lassen»

Die ZSC Lions gehen heute mit guten Chancen in die Playoffs, als erstes Team seit 14 Jahren den Titel erfolgreich zu verteidigen. 2001 gelang das den ... Lions. Ungewöhnlich ist beim Favoriten ZSC eines: Zum Playoff-Start gegen den EHC Biel heisst der Captain nicht Mathias Seger.

Seger trainiert zwar schon wieder auf dem Eis mit, aber seine Leibchenfarbe Rot besagt (wie bei Mark Bastl): Dieser Spieler ist noch nicht bereit für Zweikämpfe. Seger fiel am 27. Januar mit einem Armbruch gegen Zug aus. In jenem Match enthalten war die zweite spektakuläre Rückkehr der Lions in dieser Saison gegen die Zuger, sie machten zum zweiten Mal aus einem 0:4 ein 6:4.

Ab heute aber geht es im Playoff nicht gegen den EVZ, sondern gegen den «kleinen» EHC Biel. Die Seeländer gewannen drei der vier Saisonduelle, davon auch das erste im Hallenstadion. Solche Zahlen erinnern ein bisschen an das letzte Jahr, als mit Lausanne ebenfalls ein Aussenseiter Viertelfinalgegner war – und gleich das erste Spiel in Zürich gewann.

Stürmer Patrik Bärtschi hört, dass «alle sagen, wie gut wir sind. Am Ende aber geht das nur gut, wenn wir unser System durchziehen.» Bärtschi steht in seiner sechsten Saison mit den ZSC Lions. Der Klotener, der 2006 aus Spargründen nach Bern «auswandern» musste, war ab der ersten Zürcher Saison eine feste Grösse im Team. Auf dem Weg zum Titel 2012 war der Flügel bester Playoff-Torschütze. Elf Jahre zuvor gehörte er der U18-Nationalmannschaft an, die WM-Silber ­errang. Damals erzielte er fünf Treffer. Zwei Jahre später debütierte er schon an der richtigen WM. Erst Roman Josi löste ihn 2009 als jüngsten Schweizer WM-Spieler der Geschichte ab.

Patrik Bärtschi zum Playoff-Start, über die Captainrolle und den «Reiz» von sieben Spielen einer Serie.

Sie gehen bereits in Ihre 11.?Playoffs, was erwarten Sie dieses Mal?

Patrik Bärtschi: Ich habe schon alles erlebt. Als Qualifikationssieger ist es wichtig, gut zu beginnen und den Tritt zu finden. Man trifft ja auf ein Team, das bis zuletzt hart um einen Playoff-Platz gekämpft hat. Man darf sich nicht erwischen lassen. Es ist gut zu wissen, dass man zu Hause stark spielt, aber auf das alleine soll man sich nicht verlassen.

Mathias Seger fällt wegen seiner Verletzung noch aus. Also führen Sie das Team als Captain in die Viertelfinals?

Ja. Aber das könnte auch ein anderer tun, wir haben so viel Erfahrung in unserem Team. Dazu ist unser Captain Mathias Seger ja nicht weit, er steht an der Bande. Und irgendwann kehrt er ins Team zurück. Bei «Segi» geht es manchmal sehr schnell.

Wie beurteilen Sie Ihre eigene Saison?

Im neuen Jahr habe ich den Tritt gefunden. Anfang Saison war ich immer wieder leicht angeschlagen. Die letzten Partien haben mir gezeigt, dass meine Form stimmt.

Und wie stufen Sie die ­Qualifikation der Lions ein?

Die ersten fünf Teams haben alle rund 30 Siege, inklusive den Erfolgen nach Verlängerung oder Penaltyschiessen, es war sehr eng. Wir gaben viele Punkte gegen vermeintlich schwächere Teams ab. Deshalb holten wir einige Zähler weniger als letztes Jahr. Doch wir zeigten gute Spiele, gute Comebacks – wie die zwei Siege nach 0:4-Rückständen gegen Zug –, und wir bauten viele eigene Spieler ein.

Und die ZSC Lions gewannen Partien mit vier verschiedenen Goalies. Das ist einmalig.

Das zeigt, dass unsere Organisation funktioniert. Junge Spieler einbauen, genügend Breite haben – das ist das Ziel. Es wird vielfach so ausgelegt, als ob wir das einfach hätten. Aber es steckt sehr viel und sehr harte Arbeit dahinter.

Was war für Sie die ­Überraschung der Saison?

Resultatmässig, dass mit Fribourg und Kloten zwei letztjährige Halbfinalisten nicht im Playoff dabei sind. Mit Zug und Bern traf es auch letztes Jahr zwei grosse Teams, normalerweise ist es eines, das nicht das bringt, was erwartet wurde. Ich muss nicht zu weit schauen, wenn ich sagen soll, wer als Spieler überraschte. Unser erst 17-jähriger Verteidiger Jonas Siegenthaler. Als ich in Bern war, spielte ich mit Roman Josi zusammen, der damals ähnlich jung war. Man vergisst ob ihren Leistungen schnell, wie jung die noch sind. Siegenthaler geht nach der Meisterschaft mit dem Nationalteam an die U18-WM.

Vor dem Winter sprachen viele über die vergrösserte Angriffszone. Wie ist das jetzt nach 50 Spielen?

Zu Beginn lief ich noch oft ins Offside. Aber mit der Zeit hat man sich daran gewöhnt, und wenn das Hirn einmal die neuen Verhältnisse abgespeichert hat, ist es wieder wie vorher ein ganz normales Spiel. Auch als das Red-­Line-Offside abgeschafft wurde, haben wir Spieler uns sehr schnell daran gewöhnt. Beide Änderungen wurden mit dem Ziel eingeführt, dass mehr Tore fallen. Ist das auch eingetroffen? Bei uns auf jeden Fall nicht (im Vorjahr erzielten die Lions 167, in der abgelaufenen Saison «nur» 148 Tore, die Red.).

Wie schätzen Sie Biel ein?

Die Bieler zeigten eine sehr kon­stante Saison, in der sie allen Gegnern mindestens einmal ein Bein stellten. Sie zeigten, dass sie mitspielen und mithalten können. Wir haben zwar dreimal gegen sie verloren, aber auf diese Partien gehen wir gar nicht gross ein. Wir müssen unsere Qualitäten aufs Eis bringen. Alle sagen, wie gut wir sind. Am Ende aber geht das nur, wenn wir unser System durchziehen.

Letztes Jahr benötigten Sie im Viertelfinal und Halbfinal ­jeweils sieben Partien. Werden die Nerven dieses Jahr wieder dermassen strapaziert?

Wenn die Partien uns dorthin bringen, wo wir letztes Jahr waren, nehmen wir zwei lange Serien sehr gerne in Kauf. Roland Jauch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch