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«Man muss schwindelfrei sein»

Sie Begegnen Mir ... in der Baumkrone: Stefan Rütten (36): «Wenn ich einen Baum sehe, der schön und kräftig gewachsen ist, löst das bei mir ein Glücksgefühl aus.»

Ich bin ausgebildeter Forstwart mit einer Zusatzausbildung als Baumpfleger mit eidgenössischem Fachausweis und seit 2008 bei der Stadtgärtnerei angestellt. Als Gruppenleiter Baumpflege führe ich ein vierköpfiges Team. Unsere Aufgabe ist es, die städtischen Bäume zu pflegen und zu erhalten. Gerade in einer Stadt ist das besonders wichtig, weil die Bäume gezwungenermassen häufig an unnatürlichen Standorten stehen, wo ihre artspezifischen Ansprüche selten erfüllt werden können. Auch im öffentlichen Raum sollen aber alle Bäume gut gedeihen und kräftig wachsen. Gleichzeitig dürfen sie die Umgebung nicht übermässig beschatten. Beim Zurückschneiden geht es auch darum, dass sie die Sicht der Verkehrsteilnehmer nicht behindern und die Umgebung nicht durch einen Bruch des Stamms oder von Ästen gefährden. Mit einer fachgerechten Baumpflege versuchen wir, all diese Ansprüche zu erfüllen und die Bäume möglichst artgerecht und natürlich zu erhalten. Dann haben die Leute Freude an den Bäumen und dem Baum selber geht es gut. Wir leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt. Gerade in grossstädtischen Gebieten, wo der Kohlendioxidausstoss besonders hoch ist, zählt jeder Baum: Er konserviert in seinem Holz Kohlenstoffverbindungen über Jahrzehnte. Wir betreuen die Bäume von der Pflanzung bis zum Zeitpunkt, wo sie gefällt werden. Wer in diesem Job arbeiten möchte, braucht deshalb vielfältige Kenntnisse und Fähigkeiten, die man in der Weiterbildung zum Baumpflegespezialisten lernt. Bereits der angehende Baumpfleger lernt, Jungbäume in die gewünschte Kronenform zu ziehen, sodass später keine massiven und unverträglichen Eingriffe, etwa aus Sicherheitsgründen oder wegen Platzmangels und Schattenwurf, nötig sind. Er beschäftigt sich auch mit Aspekten wie Lichtdurchlass, Blütentracht und Herbstfärbung. Die Pflegearbeiten in der Baumkrone werden von uns praktisch immer mit Hilfe der Seilklettertechnik ausgeführt. Damit erreichen wir auch Randbereiche der Baumkrone. Mit dem Körpergewicht im Seil und ohne Steigeisen an den Schuhen werden dabei weder die Rinde noch das Holz verletzt. Bei dieser Arbeit hoch über dem Boden muss man schwindelfrei sein. Bei gross gewachsenen Baumkronen entfernen wir sorgfältig und gezielt totes oder absterbendes Holz und schlecht verankerte Äste. Das dient der öffentlichen Sicherheit. Regelmässig kontrollieren wir auch den Gesundheitszustand der Bäume und treffen bei Bedarf geeignete Massnahmen. Kranke und bruchgefährdete Bäume, die nicht mehr erhalten werden können, werden von uns rasch und sicher gefällt. Allerdings ist es oft nicht ganz einfach, den Leuten zu erklären, weshalb ein Baum gefällt werden muss. Und dass das eben auch zum Kreislauf der Natur gehört. Als Ausgleich zur harten und anstrengenden Arbeit im Freien spiele ich in meiner Freizeit Squash. Wegen eines Tennisarms, den ich zurzeit auskurieren muss, kommt der Sport allerdings etwas zu kurz. Mein grösster Wunsch hat übrigens ganz konkret mit meinem Beruf zu tun: Ich hoffe, dass wir den Asiatischen Laubholzbockkäfer tilgen und uns wieder der Baumpflege widmen können. Die Bekämpfung des Käfers ist zeit- und nervenaufreibend.

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