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«Man soll gehen, wenns am schönsten ist»

Bernhard Egg hat Anfang Woche das Amt des höchsten Zürchers abgegeben – mit guten Gefühlen, wie er sagt. Jetzt kündigt der Elgger SP-Politiker seinen Rücktritt aus dem Kantonsrat an.

Am Montag haben Sie Ihr Amt als Kantonsratspräsident abgegeben. Was nehmen Sie aus Ihrem Amtsjahr mit?

Bernhard Egg: Viele gute Erinnerungen. Es hat Spass gemacht, den Rat zu leiten. Ausserdem habe ich durch die vielen Einladungen Einblick in viele unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft erhalten. Am Sonntag war ich zu Gast an der Glarner Landsgemeinde – dort wird sachlich und tolerant politisiert. Obwohl es Tausende sind, geht es gesitteter zu als im Kantonsrat.

Und wen wiederum haben Sie besonders gerne empfangen?

Den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann. So ein Besuch kommt nicht alle Tage. Kretschmann ist ein ausserordentlicher und gebildeter Politiker. Zu den Themen Fluglärm und Steuerabkommen wurde er sehr konkret.

Würden Sie das Ratshaus vor solch hohen Besuchen gerne aufmöbeln?

Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre das eine Einrichtung mit Stühlen für alle Ratsmitglieder. Diese Klappsitze sind unmöglich – geht einer raus, müssen die Nachbarn aufstehen. Ich könnte mir auch ein anderes, neues Rathaus vorstellen, aber davon wagt ja niemand mehr zu träumen.

Und der Tiefpunkt war der Moment, als Sie SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein das Wort entziehen mussten, weil er sich in Rage geredet hatte?

Nein, das war kein Tiefpunkt, sondern eine Herausforderung. Und ich glaube, dass ich sie gut bewältigt habe. Einen eigentlichen Tiefpunkt hatte ich nicht.

Der Präsident muss sich neutral verhalten. Wann brannte es unter den Nägeln?

Bei meinen Kernthemen wie Justiz und Polizei hätte ich mich gerne eingebracht. Zum Beispiel beim HooliganKonkordat, das ich unterstütze. Aber oft kam das nicht vor.

Und jetzt widmen Sie sich all den Anliegen, die sich angesammelt haben?

Nein. Ich werde im Sommer abtreten. Das steht zu 95 Prozent fest. Bis dahin werde ich mich mit Vorstössen zurückhalten. Und wenn Bedarf besteht, stecke ich sie meinen Ratskollegen.

War­um ausgerechnet im Sommer?

Man sagt ja, man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Das will ich befolgen. Ich bin jetzt seit über 15 Jahren im Kantonsrat. Das ist genug. Und im Sommer deshalb, weil meine Nachfolge so genügend Zeit haben wird, sich bis zu den nächsten Wahlen 2015 einzuarbeiten.

Bleiben Sie der Politik treu?

Ich bleibe im Zürcher Kirchenrat, für den ich mehr Zeit haben werde. Aber sonst möchte ich wieder in meinem angestammten Beruf als Jurist tätig werden. Das kam zuletzt zu kurz.

Ihre Frau verstarb vor zwei Jahren an Krebs. Haben Sie die Amtsannahme in dieser schwierigen Zeit nie bereut?

Nein, im Gegenteil. Meine Frau hatte mich damals ermutigt, mich für das Zweite Vizepräsidium zu stellen. Sie hätte wahnsinnig Freude, wenn sie wüsste, dass es geklappt hat.

Bei Ihrem Antritt sagten Sie den Ratsmitgliedern: «Ich habe euch alle gern. Bitte sorgt dafür, dass es auch in einem Jahr noch so ist.» Und, ist es noch so?

Ich würde sogar sagen: Heute habe ich sie noch lieber.

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