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Mehr als ein Internetstar

Der Baumeister von Mexikos Erfolgen ist Coach Miguel Herrera. Ihn auf sein Herumtollen am Spielfeldrand zu reduzieren, wird seiner Leistung nicht gerecht.

Wenn am Sonntag in Forta­leza Mexiko und Holland aufeinan­der­treffen, dann kommt der «Trai­ner­kamera» erhöhte Bedeutung zu. Denn es wird Mexikos Coach Miguel Herrera im Fokus sein. Spätestens seit seinem Auftritt während der Partie gegen Kroatien (3:1) gilt Herrera als heim­li­cher Star der WM. Fans und Medien weltweit fanden an seinen verrückten Gesten und emotionalen Ausbrüchen riesigen Gefallen. Auf You­tube wird dem Ener­gie­bün­del mit Wohlstandsbauch bereits in zahlreichen «Best of»-Videos gehuldigt. «Herrera hob die Darstellung der Ekstase auf eine neue, völlig unbekannte Ebene», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» jüngst über den Mexikaner treffend.

Vierter Trainer in einem Jahr

Herrera ist jedoch nicht pri­mär ein überdrehtes Rumpelstilzchen, sondern smarter Taktiker, Motivator und Identifikations­figur zugleich. Nachdem Mexiko das WM-Ticket auf direktem Weg verpasst hatte, wurde er als vierter Trainer innerhalb eines Jahres engagiert – zunächst nur interimistisch für die beiden entscheidenden Qualifikationsspiele gegen Neuseeland. Er zahlte das Vertrauen mit zwei deutlichen Siegen zurück und durfte bleiben.

20 Jahre nach der grössten persönlichen Enttäuschung wurde sein WM-Traum somit doch noch wahr. Vor der Endrunde 1994 in den USA war er zwar im Panini-Album verewigt, kurz vor Turnierbeginn wurde der Aussenverteidiger aber aus dem mexikanischen Kader gestrichen. Ein Jahr zuvor hatte er an der für Mexiko erfolgreichen Copa America (2. Platz) noch vier Spiele bestritten.

Vor dem Duell mit Holland wer­den die mexikanische Equipe und ihr Trainer mit Lob überhäuft. Herrera schaffte es, einem im vergangenen Herbst lethargischen Team, das die Qualifikation in Nord- und Mittelamerika nur auf Platz 4 abgeschlossen hatte, neues Leben einzuhauchen und es mit seinem 5-3-2-System auf ein nicht für möglich gehaltenes Leistungsniveau zu coachen. In den bisherigen zehn Partien in diesem Jahr kassierte «El Tri» lediglich sechs Tore. In Brasilien wurde Mexikos Goalie Guillermo Ochoa erst einmal bezwungen – als es bedeutungslos war, kurz vor Schluss gegen Kroatien beim Stand von 3:0.

Entscheidung für Ochoa

Dass Ochoa im Tor steht, wurde in der Heimat zunächst durchaus kritisch gesehen. Doch was Aussenstehende denken, interessiert «El Piojo» (die Laus) nicht. Er entschied sich für Ochoa, weil sich Mexikos Defensivspieler in Einzelgesprächen für den mit Ajaccio aus der Ligue 1 abgestiegenen Goalie starkmachten. Ansonsten vertraut Herrera in Brasilien 15 Spielern, die in der heimischen Liga engagiert sind.

Dies war der 46-Jährige selbst stets – sowohl als Spieler als auch als Trainer. Es erstaunt daher nicht, dass der 14-fache mexikanische Internationale vor der WM in Europa nur Insidern bekannt gewesen ist. Sein Palmarès nach nunmehr zwölf Jahren als Trainer ist schnell auswendig gelernt, umfasst es doch einzig den im vergangenen Herbst errungenen Meistertitel mit dem Club América aus Mexiko City.

Trotz der in der Vorrunde überzeugenden Auftritte Mexikos ist es eher unwahrscheinlich, dass Herrera seine Titelsammlung in Brasilien erweitern wird. Er selbst sieht dies freilich anders: «Wir müssen von Beginn an die Vision haben, in den Final zu kommen. Wir haben ein tolles Team.»si

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