Zum Hauptinhalt springen

«Meine Kaninchen sind Sieger»

Für mich ist ein Kaninchen ein Haustier, ein Nutztier und ein Fleischlieferant. Da ich nicht nur Pfannen-Kaninchen züchte, sondern im Winter an Ausstellungen fahren, muss ich eine grosse Auswahl an Kaninchen haben. Aus meiner Zucht stammen schon mehrere Champions. Ich habe bereits 19 Schweizer-Meister-Titel mit meinen weissen und roten Neuseeländern gewonnen. An die Ausstellung gehe ich immer mit den Jungtieren. Letztes Jahr holte ich überraschend den Kollektions- und den Stammsieg bei den nationalen Rassenschauen. Bei einer Kollektion zeigt man eine Auswahl von sechs Tieren, davon müssen mindestens zwei männlich und zwei weiblich sein. Alle Kaninchen werden bewertet, wobei die schlechteste Bewertung gestrichen wird. Bei den Stämmen treten zwei Zippen und ein Bock an. Die Gruppe mit dem höchsten Punktedurchschnitt siegt. Ein Kaninchen sollte grundsätzlich so gebaut sein, dass man keinen Boden mehr sieht, wenn man es in eine Schuhschachtel legt. Der Richter schaut sich die Merkmale der Tiere genau an. Je nach Rasse gibt es spezifische Eigenschaften, die erfüllt sein müssen. Die weissen Neuseeländer sollten eine Ohrlänge von 11,5 bis 12,5 Zentimetern und einen grossen, markanten Kopf haben. Sie müssen breite Schultern und eine gute Brustmuskulatur aufweisen. Deshalb übe ich mit den Tieren, aufrecht zu sitzen. Das sieht schön aus und fördert den Muskelaufbau. Ein Kaninchen kann maximal 100 Punkte erhalten. Das beste Ergebnis, welches meine Tiere erreicht haben, waren 97,5 Punkte. Erhalten meine Kaninchen eine hohe Punktzahl, kann ich sie an der Ausstellung gut verkaufen. Davon werde ich aber nicht reich. Ein Siegertier kostet nur 100 bis 120 Franken. Das ist immer noch gleich viel wie vor über 30 Jahren. Kaninchenmist als Dünger Als Züchter gehört es dazu, Tiere zu schlachten. Sonst dürfte ich in den nächsten zehn Jahren keine Jungtiere mehr haben, weil zu wenig Platz vorhanden ist. Die meisten Kaninchenbraten verkaufe ich an Spaziergänger, die mich beim Vorbeigehen danach fragen. Mit den Schlachttieren finanziere ich einen Teil des Futters. Davon brauche ich ungefähr 150 Kilo im Monat. Dazu kommt noch das Heu, Gras und das Frischfutter. Deshalb gehört mir auch ein Stück Wiese, welches ich selbst bewirtschafte. Zudem besitze ich einen Misthaufen hier auf dem Areal. Der Mist wird gerne von den Schrebergärtnern als Dünger verwendet. Im Gegenzug bekomme ich ein Trinkgeld und kaufe mir wieder einen Strohballen. Obwohl ich 20 bis 30 Stunden in der Woche für die Versorgung der Tiere aufwenden muss und täglich im Stall bin, möchte ich noch so lange wie möglich Kaninchen züchten. Dafür brauche ich den nötigen Platz. Ich weiss nicht, wie lange es die Kleintieranlage hier bei den Pünten noch geben wird. Es gibt immer wieder Gerüchte über neue Projekte, die das Areal betreffen. Einmal wollte man hier sogar einen künstlichen See anlegen. Vorerst bleibe ich mit meinen Tieren in der Kleintieranlagen Mattenbach. Am 26. August kann man mich hier besuchen. Gerne zeige ich meine preisgekrönten Kaninchen. Ich bin Mitglied bei der Ornithologischen Gesellschaft Winterthur. Der Verein existiert bereits seit 141 Jahren und ist der älteste Kleintierzuchtverein der Schweiz. Andere Gemeinde stellen den Kleintierzüchtern für ihre Ausstellungen alle zwei bis drei Jahre die Infrastruktur gratis zur Verfügung. In Winterthur müssen wir immer den vollen Mietpreis für die Reithalle bezahlen. Das zeigt, dass sich nur noch wenig Leute für unser Hobby interessieren und es ausser Mode gekommen ist. Ein Kaninchen kann man eben nicht einfach ein- und ausschalten wie einen Computer. AUFGEZEICHNET VON NADINE KLOPFENSTEIN

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch