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Meist ist es Liebe auf den ersten Blick

Ein Schulthek ist das klassische Ostergeschenk. Ganze Familien sind jetzt in Warenhäusern und Papeterien unterwegs, um für den Nachwuchs das passende Modell zu finden. Ein Augenschein bei Büro Schoch .

Kira hat ihn sofort ins Herz geschlossen, der blaue Thek mit den Tigerbabys auf der Klappe soll es sein. «Sollen wir den probieren?», fragt Sabine Kindhauser, die bei Büro Schoch für die Schultheks verantwortlich ist. Kira lächelt verschämt und steckt willig ihre Arme durch die Träger. Zufrieden stolziert sie mit dem Thek auf dem Rücken durch den Laden. Ihre Mutter versucht die Aufmerksamkeit des Mädchens noch auf andere Modelle zu lenken, aber sie hat keine Chance. «Ich bin ja froh. Ergonomisch gut sind die Theks hier ja wohl alle», sagt ihre Mutter Nicole Thoma. Deshalb komme es gar nicht so sehr auf das Modell an. Mit Kiras älterem Bruder habe die Prozedur zwei Stunden gedauert. «Er konnte sich überhaupt nicht entscheiden.» Schliesslich habe sie ihren Sohn zu einem Modell mit zeitlosem Fussballmotiv überreden können. Jetzt fordert sie Kira auf, vor dem Spiegel auf und ab zu hopsen. Und siehe da, der Thek sitzt bombenfest. Schweren Herzens zieht ihn Kira wieder aus. Die Verkäuferin zeigt der Mutter noch, wie die Verschlüsse funktionieren und wo überall Reflektoren angebracht sind. Turnbeutel und Etui gebe es auch noch mit demselben Motiv. «Das soll ihr der Götti im Mai zum Geburtstag schenken», sagt sie und macht sich mit ihrer fröhlich hüpfenden Tochter an der Hand auf den Weg zur Kasse. Zwischen 180 und 280 Franken kostet ein guter Schulsack heute. Häufig kämen ganze Familien mit, Mutter, Grossmutter und Gotten oder Göttis stünden vor den Theks und berieten sich darüber, ob die Elfe oder der Schmetterling das schönere Sujet sei, sagt Sabine Kindhauser. «Aber meistens wird das gekauft, für das sich die Kinder am Anfang entschieden haben.» «Ein Thek ist ein traditionelles Göttigeschenk», sagt Seniorchef Urs Schoch. Schulsäcke seien zwar das ganze Jahr im Angebot, aber jetzt kurz vor Ostern herrsche Hochsaison. Erst zu Weihnachten würde der Absatz wieder ansteigen. Keiner will mehr Felltheks Unzählige Modelle sind hier in einem Extraraum ausgestellt. Für Kinder muss es wirklich schwer sein. Auf den ersten Blick unterscheiden sich vor allem Buben- und Mädchenmodelle. Der Unterschied liegt aber nur in Farbe und Motiv. Welcher Bub würde schon freiwillig mit rosafarbenen Feen auf dem Rücken herumlaufen und die Mädchen, die sich für einen Monstertruck entscheiden, sind wohl auch eher rar. Geschlechtsspezifische Schultaschen sind aber keine neue Erfindung. Bevor die modernen, rucksackähnlichen Modelle aus Kunststoff auf den Markt kamen, gab es für Mädchen Theks aus farbigem Leder. «Buben haben solche getragen», sagt Urs Schoch und zeigt auf zwei traditionelle Tornister mit Kuhfell. Bis vor zehn Jahren seien Felltheks noch verkauft worden, im Moment will sie niemand. «Im letzten Jahr haben wir einen einzigen davon verkauft.» Man kann es verstehen, zu praktisch scheinen die neuen Modelle. Sie sind viel weniger schwer als solche aus Leder – der leichteste wiegt 850 Gramm – und lassen sich viel bequemer tragen. Der Rücken ist gepolstert wie bei einem guten Bergsteigerrucksack, die Träger sind ergonomisch durchdacht und schneiden nicht ein. Dazu gibt es Aussenfächer für Trinkflasche und Znünibox, diverse gepolsterte Innenfächer, Karabinerhaken und passende Kuscheltiere. Ein Modell hat sogar ein isoliertes Kühlfach, damit das Pausenbrot schön appetitlich bleibt. Das Problem mit allzu modischen Motiven ist, dass die Kinder sie irgendwann nicht mehr schön finden. So sind die jeweils neuesten Disneyfiguren schnell verleidet. Ein Hersteller setzt deshalb auf Motive, die sich mit Klettverschluss auswechseln lassen. Der erste Thek sollte bis zum Ende der Primarschule halten, aber schon nach der vierten Klasse hätten viele genug vom «kindlichen» Thek und stiegen auf einen neutraleren Schulrucksack um.

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