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Milde Strafe dank altem Gesetz

Weil er seine Tat noch im letzten Jahr begangen hat, erhält ein 21-jähriger Raser aus dem Raum Winterthur eine Geldstrafe statt Gefängnis.

Er könne von Glück reden, dass er die Tat im vergangenen Jahr begangen habe, als noch das alte Strassenverkehrsgesetz in Kraft war, sagte die Einzelrichterin am Mittwoch am Bezirksgericht Winterthur. Wäre der Beschuldigte, ein 21-jähriger Anlagen- und Apparatebauer aus der Region Winterthur, nach heutigem Recht noch etwas schneller gefahren, hätte er mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft werden können.

Im vergangenen August war der junge Mann kurz vor zwei Uhr morgens auf der Autobahn in Richtung St. Gallen unterwegs. Auf dem Gemeindegebiet Wiesendangen fuhr er in eine Radarfalle. Der Tacho zeigte knapp 200 Stundenkilometer an (192 Stundenkilometer nach Abzug der Toleranz von 7 Stundenkilometern). Er sei derart geschockt gewesen, dass er die Autobahn über die nächste Ausfahrt verliess, erzählte er vor Gericht.

Ob ihm die allgemein gültige Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen bekannt sei, wollte die Richterin wissen. «Ja», sagte er. Doch das Auto seines Kollegen, das er lenkte, habe sehr viele PS, «sodass ich nicht realisierte, wie schnell die Geschwindigkeit auf dem Tacho anstieg», sagte er.

Der Grund, weshalb es pressierte, war seine Tante. «Es ging ihr sehr schlecht», sagte der 21-Jährige. Er habe deshalb so rasch wie möglich zu ihr fahren wollen. Er hätte ja auch die Sanität anrufen können, bemerkte die Richterin. «Meine Tante spricht kaum Deutsch», sagte der Beschuldigte. Und er habe sich selbst um sie kümmern wollen. Dies vor allem auch wegen der kleinen Cousine, die bei der Tante lebte und um die er sich sorgte.

Stutzig machte das Gericht die Tatsache, dass der Beschuldigte erst eineinhalb Stunden später bei der Tante eintraf. Obwohl er für den Weg weniger lang gebraucht hätte. Nachdem er geblitzt worden sei, «war ich verwirrt», sagte er. Er habe deshalb nochmals bei der Tante angerufen und ihr geschildert, was vorgefallen war. Erst dann habe er sich definitiv auf den Weg gemacht.

Neun Monate ohne Ausweis

Für neun Monate musste der Beschuldigte seinen Führerausweis abgeben. Vor Gericht räumte er seine Verfehlungen ein. Er könne seine Tat jedoch nicht rückgängig machen. «Doch zum Glück war auf der Autobahn niemand in der Nähe.»

Trotzdem wertete des Gericht sein Vergehen als erheblich. Es machte beim Täter zudem eine «gewisse Uneinsichtigkeit» aus: «Sie geben die Schuld den vielen PS und nicht Ihrem eigenen Verhalten.» Zudem sei die Erkrankung der Tante nicht lebensbedrohlich gewesen. «Es gab also keinen nachvollziehbaren Anlass, so schnell zu fahren.»

Das Bezirksgericht sprach den nicht vorbestraften Mann der groben Verletzung der Verkehrsregeln für schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Geldstrafe von 95 Tagessätzen à 70 Franken und einer Busse von 2000 Franken. Zudem auferlegte es ihm die Gerichtskosten von insgesamt 2700 Franken. Der Staatsanwalt hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten und eine Busse von 2000 Franken gefordert. (neh)

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