Zum Hauptinhalt springen

Militärische Zeitzeugen im Berg

«Zutritt verboten» lautet das Motto der diesjährigen Führungen der Kantonalen Denkmalpflege. Für den Besuch der Artilleriefestung Ebersberg hoch über dem Rhein trifft dies in höchstem Masse zu.

Bevor die rund 40 Interessierten an der Führung Zugang zur einst hochgeheimen Anlagen erhalten, müssen sie einige sportliche Leistungen erbringen. Und das Treppchen, das von der Rüdlinger Brücke unten am Rhein zum Infanteriebunker hoch führt, ist nur der Anfang. Immerhin werden die Besucher dort von angenehm kühler, wenn auch leicht muffiger Luft empfangen. Dabei ist hier drinnen alles blitzblank. Trotz der Enge hat es Platz für das militärisch Nötige: Drei Maschinengewehr-Stellungen, Übermittlungsanlagen, Werkbank sind zu sehen. Die Mannschaftsräume im unteren Stock sind für die grosse Gruppe jedoch nicht zugänglich.

Ein harmloser Holzschopf

Nach dem steilen Aufstieg auf den Ebersberg könnte man ohne Hinweisschild den Eingang zum Artilleriewerk in der idyllischen Landschaft glatt verpassen: Denn da steht ja nur ein harmloses Holzschöpfli in einem Geländeeinschnitt. «Dieser Tarnbau wurde erst 1959 erstellt», erzählt Karl Brandenberger, der 30 Jahre lang im Dienste des Festungswachtkorps stand und 2003 gemeinsam mit «seiner» Anlage pensioniert wurde. Er kennt das Werk wie seinen Hosensack und führt die Gruppe – vorbei an der MG-Stellung im Eingangsbereich, an Wachtlokal und Werkstätten, an Lüftungs- und Ener­gie­­­­zentrale – durch den etwa 300 Meter langen Stollen in den Berg.

Wohnen im Bauch des Berges

Mittendrin befindet sich das Kantonnement, die Unterkunft für die rund 70 Soldaten, die hier jeweils Dienst taten. «Im Aktivdienst wechselten die Mannschaften im Monatsturnus», weiss er. Das Werk war für eine zehntägige Autonomie ausgelegt; dementsprechend gibt es eine unabhängige Ener­gie­­­­-, Wasser- und Luftversorgung sowie einen Operationssaal samt Apotheke. Auch Küche, Ess- und Aufenthaltsräume für Mannschaft und Offiziere sind natürlich vorhanden. «Da sieht es ja aus, wie im Cevi-Lager!», meint ein Jugendlicher zum engen «Massenschlag». Dank der Holzkonstruktion strahlt die Unterkunft wenigstens noch etwas Wärme aus. Ganz im Gegensatz zur betonierten «Einzelzelle», die dem Kommandanten zur Verfügung stand. Gleich nebenan befindet sich das Kompaniebüro, in dem alte Telexgeräte und Schreibmaschinen, Bilder, Uniformteile und alte Zeitungen Erinnerungen wecken.

Volltreffer aufs falsche Ziel

Wo Militär ist, da sind auch Geschichten. Brandenberger kennt sie alle und gibt an der Führung auch einige zum Besten: «Nachdem die Bunkerkanonen 1933 im scharfen Schuss eingeschossen wurden, beklagte sich der Wirt der ‹Ziegelhütte›, durch die Erschütterungen werde der Wein in seinem Keller schlecht», erzählt er lachend. Aber noch besser ist diese Anekdote: «Bei einer Schiessübung am 8. Januar 1944 wurde ein Ziel im Flaacher Feld beschossen. Gleich nach dem Abfeuern wurde es im Bunker dunkel: Man hatte getroffen – aber einen Strommasten!» Während das Licht im Bunker dank der Notstromversorgung gleich wieder anging, musste sich die Flaacher Bevölkerung etwas länger gedulden. Alex Hoster

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch