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Mit Bach das Kirchenjahr beendet

Das Adventskonzert des Oratorienchors war wiederum ein Publikumserfolg.

Der Andrang zur Stadtkirche zum diesjährigen Adventskonzert war wiederum gross. Mit Kantaten und einer Motette von Johann Sebastian Bach brachte der Oratorienchor unter der Leitung seines Dirigenten Beat Fritschi die beiden Geisteswelten von Musik und Religion auf eine ideale Weise zur Übereinstimmung, wie sie kein anderer als Bach zeitlebens immer wieder zum Ausdruck zu bringen gewusst hat. Die Texte enthielten vor allem ernste Inhalte von Tod, Schuld, aber auch zuversichtlichen Anrufungen und der verheissenen Harmonisierung zwischen Gott und Mensch dort (in Kantate «Wachet auf, ruft uns die Stimme»), wo es geradezu zum Liebesduett zwischen Himmel und Erde kommt.

Zum Oratorienchor waren auch das Capriccio-Barockorchester und ein Vokalsolistenquartett gestossen, die zu Klangfülle und wechselvollem Hörerlebnis beitrugen, was gleich zu Beginn zur Darstellung gelangte. Denn aus dem «Actus tragicus» eröffnete der Chor zunächst den Choral «Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit», dann stellten sich in diversen Abschnitten der Tenor Erlend Twinnereim, der Bassist Martin Achrainer, die Sopranistin Miriam Feuersinger und die Mezzosopranistin Susanne Elle Grobholz mit schönen, voluminösen Stimmen und grossem Ausdrucksvermögen vor, worauf mit dem Abschlusschor «Glorie, Lob, Ehr und Herrlichkeit» der gesungene Teil des edlen Werks würdig gerahmt wurde.

Harmonisches Tutti

Den instrumentalen Rahmen trugen jedoch die Musiker des Capriccio- Barockorchesters Basel bei, die den Abend mit einer «Sonatine» eröffnet hatten und dabei als harmonisches Tutti wie auch mit überragenden Solisten für sich eingenommen hatten. Im Verlauf des Konzertes gelangte ihr Können mehrmals zu exquisiter Wirkung.

Es folgte das Motetto BWV 118 «O Jesu Christ, meins Lebens Licht», in welchem eine der hauptsächlichen tonsetzerischen Kapazitäten Bachs bereits zur Auswirkung kam: seine kontrapunktische Kunst, in eine Musik auch einen Cantus firmus einzubauen, was noch mehrmals zu hören und als ergänzende Hauptkraft zu erleben war. Ein sehr schönes und schön gespieltes Nachspiel des Orchesters bestätigte die alte Erfahrung, dass die Musik keiner Worte bedarf, um zu Herzen zu gehen.

Die flehentliche Kantate «Aus der Tiefen rufe ich …» (BWV 131) liess den prachtvollen Bass Martin Achrainers zu ganz besonders bewegender Wirkung gelangen, desgleichen strahlte der helle, jederzeit transparent wirkende Tenor von Erlwend Tvinnereim in seinem Solo «Meine Seele wartet auf den Herrn …», wobei Bach sich hier eine kleine Tonmalerei geleistet hat, indem im Wort «waaartet» der Vokal «a» das «Warten» verdeutlicht – von Tvinnereim natürlich gekonnt ausgenützt.

Unvergessliches Duett

Von Kraft und Hoffnung kündet der Chor «Israel, hoffe auf den Herrn» mit seiner mächtigen Steigerung zum Text «… wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden». Und mit der allbekannten Kantate BWV 140 «Wachet auf, ruft uns die Stimme», von der mehrere Strophen erklingen, die aber auch mit Solo­arien und Rezitativen angereichert ist, was im unvergesslichen Duett (Sopran/Bass) «Mein Freund ist mein, und ich bin dein» gipfelt, erfuhr der Abend eine erlebte Form von Erfüllung im musikalischen wie im geistlichen Bereich. Beat Fritschi hat alle seine Leute inspiriert und gekonnt geführt, mit ihnen gelebt und sein grosses Publikum reich beschenkt.

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