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Mit dem Albani begann die Neuzeit

Das Albani feiert seinen 25. Geburtstag und blickt mit einer kleinen Ausstellung zurück auf die legendären Anfänge. Heute setzt der kleine Musikclub verstärkt auf Indie-Pop und -Folk. Ein weiteres Kennzeichen sind die kostenlosen Konzerte am Donnerstag.

Die Vergangenheit ist immer gross. Besonders für das Albani scheint das zu gelten, den kleinen Traditionsclub in der Steinberggasse. Wer hier 1991 die populäre amerikanische Rock-’n’-Roll-Band Pearl Jam erlebt hat, muss den Auftritt für ein Ereignis halten, das höchstens durch einen weiteren Auftritt zu toppen wäre. Das aber ist heute undenkbar. «Wann kommen Pearl Jam wieder?», wird Sam Frey oft gefragt. Diesen Leuten fehle das Verständnis für die veränderte Si­tua­tion, sagt der Geschäftsführer des Albani, die Konkurrenz sei seither stark gewachsen. Der 1981 geborene Frey führt seit 2005 den Musikbereich des Albani; für das Hotel und die Bar ist Roland Mages zuständig. Legendär ist der Beginn im Sommer 1988, das erste Konzert mit Willy DeVille und seiner Band, und zwei Wochen später der Auftritt von Polo Hofer. Eine ruhmreiche Zeit folgte, bevölkert von Namen wie Boubacar Traoré, Sheryl Crow, Taj Mahal, Deus, Eels, James Blood Ulmer und Keziah Jones. Die besten Popmusiker der Schweiz gaben sich die Klinke in die Hand, von Sens Unik über Patent Ochsner und die Lovebugs bis zu Michael von der Heide. Züri West spielten an drei Abenden hintereinander, in einem Lokal notabene, das 250 Besucher aufnehmen kann. Der erste der vier Musikclubs Nach dem Ende des Cafés Africana in der Neustadtgasse, das in den 1970er-Jahren ein beliebter Szenetreffpunkt gewesen war, tat Winterthur 1988 mit dem Albani den ersten Schritt in die Neuzeit der Rockmusik. Acht Jahre später erst folgten die übrigen drei, Gaswerk, Salzhaus und Kraftfeld. Heute teilen sich die vier Clubs, die sich vor einiger Zeit zum Verein On­Thur zusammengeschlossen haben, den Kuchen auf. Das ist wörtlich zu verstehen. 300 000 Franken stellt ihnen die Stadt Winterthur seit 2008 pro Jahr zu Verfügung. Auf 72 000 Franken beläuft sich der Anteil des Albani, etwas mehr als Hälfte des jährlichen Konzertbudgets von 135 000 Franken; der fehlende Rest wird über Eintritte – wozu auch die Partys ihren Teil beitragen – sowie Sponsoren- und Gönnerbeiträge finanziert; aus den Konzerten resultiere pro Jahr ein Defizit zwischen 20 000 und 30 000 Franken, schätzt Frey. Vor der Subventionskürzung von 2005 betrug der städtische Beitrag für das Albani 100 000 Franken. «Das merken wir extrem», sagt Frey. Das Programm musste angepasst werden: Grosse Namen sind jetzt noch seltener geworden. Für 2014 wurden die Subventionen nun noch einmal um 2 Prozent gekürzt. Den widrigen Umständen zum Trotz: Das Albani hat sich gut eingerichtet in seiner Nische. Es setzt heute verstärkt auf Indie-Pop und -Folk, im vergangenen Oktober etwa auf die französische Chanteuse Françoiz Breut und die kanadische Rockband Winter­sleep. Einzige Bedingung: Die Band darf nicht zu gross sein. Die globale Verfügbarkeit von vielversprechenden jungen Bands in diesem Bereich ist allerdings gross und kann höchstens durch einen weltweiten Kerosin-Notstand beendet werden; bis dahin wird man in der Steinberggasse jeden Monat überraschende Entdeckungen machen können. Hypes gehen nach Zürich Schwierig wird es für das Albani erst, wenn die Medien etwas zum Hype emporstilisieren. Dann geben die Konzertagenturen den Zürcher Clubs den Vorzug, weiss Frey – dies sei selbst dann der Fall, wenn das Albani eine höhere Gage anbiete. Dass in einer Woche die Weyermann-Brüder kommen, ist daher nicht selbstverständlich. Sechsmal im Jahr gehört die Bühne einer Bluesband, treue Gäste sind der italienische Bluesgitarrist Rudy Rotta, der Ende November kommt, Bernard Allison und Albert Lee. Damit wird eine lange Tradition weitergeführt. Schon vor dem Start des Musikclubs vor 25 Jahren gab es in der damaligen Beiz hie und da Blueskonzerte. Den Namen «Hotel Albani» trägt das Haus seit Beginn der Fünfzigerjahre. Beim Amtsantritt von Sam Frey vor acht Jahren waren Befürchtungen zu hören, das Albani werde sich einseitig zum Hip-Hop-Lokal entwickeln. Doch mehr als zwei Hip-Hop-Konzerte pro Monat seien es nie gewesen, sagt Frey; zurzeit gebe es höchstens noch eines. Der Dezember bringt die originellen Winterthurer Rapper Phumaso & Smack, die im vergangenen Jahr mit einem neuen Download-Rekord Aufsehen erregten. Eine Besonderheit sind die seit 2012 regelmässig am Donnerstag unter dem Motto «Perlen & Säue» angebotenen Gratiskonzerte. Finanziert über eine Kollekte, laden sie zu unverbindlichen Entdeckungen ein. Nächste Woche tritt hier die Indie-Rock-Band Hej Francis aus Luzern auf, die auf Französisch singt und neben Gitarren und Synthesizer auch das Akkordeon einsetzt. Jeden ersten Donnerstag im Monat teilen sich Bluesmusiker aus der Region die Bühne für eine spontane Jamsession. Wunschkonzert Wen würde Sam Frey ins Albani holen, wenn er einen Wunsch frei hätte? Es sind schon einige Namen, die ihm da einfallen. Sophie Hunger war noch nie hier, genau wie Stephan Eicher. Auch die Basler Popband The Bianca Story, die US-Rockband The Black Keys und der Soulsänger Charles Bradley stehen ganz oben auf seiner Liste.

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