Zum Hauptinhalt springen

Mit der Chance des Aussenseiters

BERN. Der FC Basel gewann zuletzt Titel in Serie, GC seit zehn Jahren keinen mehr. Am Pfingstmontag treffen sich die beiden Meisterschaftsersten in Bern zum Cupfinal.

Die Grasshoppers mögen in der Super League nominell noch immer Herausforderer des Champions aus Basel sein. Aber eigentlich kann sich niemand vorstellen, sie könnten mit ihren sechs Punkten und 18 Toren Rückstand in den letzten vier Runden vom Verfolger noch zum Meister werden. Zu offensichtlich ist die grundsätzliche Überlegenheit des FCB, wie sie sich in einer Meisterschaft als Dauerwettbewerb in aller Regel auszahlt.

Anders aber ist die Si­tua­tion in einem Cupfinal. An einem Tag können die Grasshoppers den FCB schlagen, daran glauben sie auch. Wenn ihr Trainer Uli Forte am Donnerstag in Sion Spieler wie Vero Salatic und Izet Hajrovic mit Rücksicht aufs Endspiel schonte, dann zeigt das deutlich, wie sie bei den Grasshoppers die Prioritäten setzen, wie realistischer ihnen erscheint, im Cup einen Titel zu gewinnen. Schon vor dem Halbfinal gegen den FCZ hatte Forte mit Rücksicht auf den Cup rotiert und gegen Sion Meisterschaftspunkte riskiert. Sie wurden dann mit einem 1:1 auch verloren. Forte wiederholte sich auch immer wieder, als er sagte: «Für uns intern war der Titel nie ein Thema» – obwohl sie ihn gerne genommen hätten (oder noch immer nähmen).

Natürlich sind die Grasshoppers auch am Pfingstmontag Aussenseiter, wie heutzutage jede Mannschaft, die – ob in Liga oder Cup – gegen den FCB antritt. Aber sie haben doch in den Direktbegegnungen in der Meisterschaft auch sich selbst gezeigt, dass sie in einem Match nicht chancenlos zu sein brauchen. Zwar verloren sie im Spätherbst in Basel 0:4. Aber jenes Ergebnis entsprach keinesfalls den Leistungen, und in den andern beiden Spielen trotzte GC dem Meister daheim ein 2:2 und zu St. Jakob ein 0:0 ab.

Der FCB wie einst GC

Für den FCB wäre ein weiterer Cupsieg der Normalfall, es wäre – im siebten Final notabene – der siebte seit 2002. Vorher hatten die Basler 20 Jahre lang nicht mal einen Final erreicht, gar seit 1975 – und dem 2:1 gegen den FCW – keinen gewonnen. Doch mittlerweile spielen sie im Schweizer Fussball eine Rolle, wie sie einst über Jahrzehnte die Grasshoppers innehatten, die mit ihren 18 Cupsiegen noch immer mit Abstand am erfolgreichsten sind. Aber so klar die Tendenz des letzten Jahrzehnts für den FCB spricht, so klar spricht sie gegen GC: Die Zürcher haben seit ihrem 4:0 gegen den Aussenseiter FC Schaffhausen 1994 noch viermal den Cupfinal erreicht, aber stets verloren – 2004 selbst gegen den FC Wil. Seither waren sie nie mehr auch nur Finalist.

GC könnte am Montag also eine titellose Zeit beenden, die für seine Verhältnisse sehr lang ist – mit den zehn Jahren seit dem letzten Erfolg in der Meisterschaft. Anstreben kann dies Trainer Uli Forte mit einem Aufgebot, in dem einzig der gesperrte Taulant Xhaka fehlt, die Leihgabe des … FCB. Das 4:0 in Sion war insofern wichtig, als es die Entscheidung im Titelkampf nochmals um wenigstens eine Runde hinausschob. Vor allem aber, weil das Ergebnis einer Mannschaft helfen kann, die zuletzt auch vom eigenen Trainer immer wieder dies hören musste: «Wir schiessen einfach keine Tore, dieses Manko zieht sich schon durch die ganze Saison.» In den 90 Minuten im Tourbillon traf GC nun so oft wie in den vorangegangenen sechs Spielen zusammen – seit dem 4:2 gegen den FCZ.

«Noch nichts gewonnen»

Derlei Probleme hat der FCB nicht. Wo die Differenz zwischen den beiden Teams vor allem liegt, zeigen die Torzahlen ja unmissverständlich: An Gegentoren kassierten beide 30, die Basler aber schossen 18 Treffer mehr. Für die Vorbereitung des Cupfinals war natürlich günstig, dass sich die Beanspruchung der Mannschaft seit dem Aus gegen Chelsea in der Europa League wieder auf ein normales nationales Mass reduzierte. Dazu hatten die Basler in der Meisterschaft auch noch ein vorteilhaftes Programm mit den Heimspielen gegen die Tabellenletzten Servette und Lausanne. Die wurden so problemlos 2:0 gewonnen, dass Trainer Murat Yakin feststellen konnte: «Wir konnten im Hinblick auf den Cupfinal Kräfte sparen.» Auch Yakin verfügt mit einer Ausnahme über sein gesamtes Kader. Der Ägypter Mohamed Salah ist gesperrt.

Blickt man auf die letzten Jahre zurück, müssten die Grasshoppers an diesem Montag «hungriger» sein auf einen Titel. Anderseits hat Yakin immer wieder zu Recht dar­auf hingewiesen, sein Team zeichne «der Hunger» aus; noch hätten sie, bei all den guten Resultaten und dem vielen Lob, ja auch «noch nichts gewonnen». Gegenspieler Forte wiederum kann seine Aussenseiter dar­auf hinweisen, was in einem Cupfinal möglich ist – wie in England der Coup des Absteigers Wigan gegen Manchester City. (hjs)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch