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Mit der Stretchlimousine raus aus der Halbgefangenschaft

Eine Glosse von Jigme Garne.

Carl Hirschmann, 38, verbüsst seine Strafe wegen sexueller Nötigung und weiterer Delikte seit Anfang Februar in Halbgefangenschaft – in Winterthur. Das ist seit einem Bericht der «SonntagsZeitung» bekannt. Unklar ist bislang, welche Strahlwirkung der Aufenthalt des Jetsetters und Milliardärssprosses auf die kleinste aller Schweizer Grossstädte hat. Hält jetzt der Glamour Einzug? Gestern früh jedenfalls sah es ganz danach aus. Wie auf dem Leserbild zu sehen ist, hielt eine Stretchlimousine an der Palmstrasse vor der Vollzugseinrichtung, die im Volksmund viel schöner heisst: «Villa Rosa». In dieser sitzen Verurteilte wie Hirschmann Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr ab. Dies aber nur nachts und am Wochenende, wohingegen sie werktags ihrer geregelten Arbeit nachgehen dürfen (und müssen). Ob die Limousine des Modells Lincoln Town Car (acht Sitze, meistens mit Bar, Fernseher und Neonsternenhimmel) Hirschmann zur Arbeit chauffierte, konnte gestern nicht geklärt werden. Das zuständige Amt für Justizvollzug äussert sich nicht zur Causa Hirschmann. Womöglich tut diese Vermutung dem Ex-Clubbetreiber Unrecht, der zuletzt in London wohnte und vor Gericht als Beruf «Unternehmer» angab, wobei er in seiner Firma nur sein Vermögen verwaltete. So wäre ebenso denkbar, dass ein Leidensgenosse Hirschmanns freikam: Vielleicht ein verurteilter Raser, dessen autoverrückten Freunde ihn empfingen? Oder ein Kleindealer, der, kaum in Freiheit, seine erste Party feiern wollte? Ziel der Halbgefangenschaft ist es jedenfalls, den Verurteilten trotz Strafe «den Verbleib in ihrem beruflichen und sozialen Umfeld zu ermöglichen». Für manch einen gehört zum Umfeld eben auch eine Limousine.

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