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Mit Filzstift statt Spraydose

Gabi Masciadri, eine innovative Grafikerin, hat die jetzt überall herumliegenden Siloballen als «Zeichenblock» für ihre Comics entdeckt.

Wer zurzeit auf der Strasse zwischen Gachnang und Stegen unterwegs ist, wird an der Stelle der Autobahnunterführung sich mal kurz wundern: ein Stapel Siloballen (dar­über wundert man sich hier noch nicht) – mit frechen Comics. Ein Pandämonium an drallen Girls und ziemlich zudringlich lechzenden Jungs – alle, wie es scheint, in Partylaune. Was wie gesprayte Street Art aus der Grossstadt aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als launige und gekonnt ausgeführte Grafik. Die Meisterin ist «Supergabi», Gabi Masciadri aus Stegen bei Bertschikon. «Mein Nachbar ist Landwirt und lagert dort seine Siloballen», erklärt sie auf Anfrage. Auf dem Land fallen im Herbst diese weissen Wände, bestehend aus den gestapelten Ballen, besonders auf. Irgendwann sei ihr die Idee gekommen, diese Flächen für Zeichnungen zu nutzen. Die Aktion habe sie mit dem Besitzer der Ballen abgesprochen, beteuert sie. Es sieht also aus wie Street Art – ist aber (schliesslich lebt man auf dem Land) absolut legal. Illegale nächtliche Aktionen liegen auch gar nicht drin denn: «Dafür arbeite ich viel zu langsam», schmunzelt die gelernte Grafikerin auf Anfrage. Da sie mit wasserfesten Filzstiften und nicht mit Spraydosen arbeitet, braucht sie viel Zeit für ihre Werke.

Vergängliche Kunst mit positiven Reaktionen

Meist sind die Comics schwarz-weiss, weil es nur wenige farbige Filzstifte gibt, die auf dem Material der Siloballen halten, wie sie erklärt. Sie hat Spass am Zeichnen da draussen. «Wenn ein Bild weder Sinn noch Zweck hat, hat man die grösste Freiheit», sagt sie dazu. Die Freiheit nimmt sich die Berufsfrau in ihrer Freizeit. Ihre Arbeiten und Skizzenbücher hat sie auf einer Internetseite unter www.supergabi.ch veröffentlicht. Dass die Zeichnungen auf den Ballen nur temporär sind und verschwinden, wenn ihr Nachbar den Inhalt an seine Tiere verfüttert, stört sie nicht. «An den Mauern in der Stadt werden Graffiti ja auch früher oder später entfernt», sagt sie dazu. Und trotz der kessen Sujets – «die Reaktionen sind positiv», betont sie. Sowohl von jungen wie auch älteren Passanten. Wem es nicht gefällt, der kann so weit draussen auf dem Land auch woanders hingucken.

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