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Mit Leidenschaft für die Johannes-Passion

Zwei Chormitglieder aus der Region erzählen, wie sie in der Kantorei Töss die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach einstudiert haben und welche Tücken das Werk hat.

«Als ich 16 Jahre alt war, bin ich mit meiner Schwester in den Jugendchor von Ernst Sigg gegangen. Ich weiss noch genau, wie wir damals ‹Hello Mary-Lou› gesungen haben. Ich fand das toll», sagt Heidi Ruef mit einem Lachen in Richtung Sigg.

Heute stehen die beiden zusammen im Chor der Kantorei Töss und die Werke sind anspruchsvoller geworden. Zurzeit arbeiten die rund 50 Sänger und Sängerinnen zusammen mit dem Schaffhauser Barock-Ensemble und fünf Solisten an der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. «Diese Zusammenarbeit ist eine einmalige Gelegenheit und motiviert mich als Sänger, ein gewisses Niveau zu erreichen», sagt der pensionierte Lehrer aus Dorf, der in Form einer Projektmitgliedschaft zum Chor gestossen ist. Durchschmuggeln könne man sich bei so einem Werk nicht mehr, meint Sigg und auch Ruef bestätigt: «Ich musste mich mit den Stücken immer wieder zu Hause ans Klavier setzen.»

Zugang zu Bach verändert

Die Johannes-Passion wird in der seltenen Fassung von 1749 aufgeführt. «Es ist die letzte Version, die sich wieder stark auf die erste Fassung bezieht», erklärt Sigg. «Als ich Bach noch am Klavier spielen musste, hatte ich immer wieder Schwierigkeiten mit Bachs konstruiertem Stil», meint der 65-Jährige. Durch die Arbeit an der Johannes-Passion habe sich sein Zugang zu dem Komponisten stark gewandelt. «Heute empfinde ich ihn als wesentlich lebendiger, was vielleicht auch daran liegt, dass der Text und die Musik unglaublich miteinander harmonieren.»

Ruef, Mitglied im Vorstand des Musikvereins Andelfingen, berühren die Stücke. «Die Johannes-Passion ist ein Werk, dass mir als Chorsängerin sehr tief ins Herz geht, es rührt mich teilweise schier zu Tränen.» Die Vielseitigkeit und die tragenden Choräle bergen aber auch einige Tücken. «Die Anfangsmusik fährt mir absolut ein, sie ist richtiggehend schmerzvoll. Dann beginnt der Chor freudig mit ‹Herr, Herr, Herr, unser Herrscher›. Die synkopische Wiederholung dieses Anrufs ist bereits die erste Falle, in welche der Chor hineinrasseln kann», sagt Sigg, der in der Bassstimmlage singt. Die heiklen Einsätze, die Tempowechsel und die erforderliche Intensität bringen auch die Altsängerin Ruef ins Schwitzen. «Wir haben zum Glück einige wirklich gute Stimmen in der Kantorei Töss – so kann man sich auch an den anderen Chormitgliedern orientieren», sagt Ruef. Und Sigg fügt hinzu: «Wir sind alle kleine Puzzleteile – wenn eines nicht stimmt, ist auch das Bild nicht vollständig.»

Zu sorgen, dass diese Teile richtig aufeinander abgestimmt sind, ist die Aufgabe des Dirigenten Hans-Jörg Ganz. «Ganz wusste schon von Anfang an genau, wo er mit uns hinwollte, und hat uns dafür genügend Zeit eingeräumt», sagt Sigg. Der Chor hat vergangenen Sommer damit begonnen, das Stück einzustudieren. Doch das Endprodukt kriegen auch Ruef und Sigg erst kurz vor der Aufführung zu hören. Dann werden der Chor, die Solisten und das Barock-Ensemble zum ersten Mal zusammengeführt. «Das ist ein unglaublich spannender und schöner Moment», so Ruef. Sie geniesst diesen Augenblick: «Wenn man nach einer so langen Vorarbeit endlich mit dem Chor auf der Bühne steht, will man, dass es niemals aufhört.»

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