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Mit neuer Technik zu Ener­gie­

Erfüllen sich die Pläne der Geo-Ener­gie­ Suisse AG, wird im Jahr 2020 ein Kraftwerk auf dem nicht mehr benötigten Bahnareal mit der Wärme aus 4000 Metern Tiefe Strom für 6000 Haushalte produzieren – und Vorbild für viele weitere Anlagen dieser Art sein.

Das Zauberwort heisst Geothermie. Dabei geht es darum, die Wärme des Erdinnern zu nutzen. Diese Ener­gie­­­quelle ist wesentlich ergiebiger als Wind, Sonne und Wasser, deren Nutzung vom Wetter und der Jahreszeit abhängig ist­. Mittlerweile weit verbreitet ist die Wärmegewinnung mittels rund 150 Meter abgeteufter Erdsonden. Um aus der Erdwärme auch Strom zu produzieren, muss aber viel tiefer gebohrt werden. In 4000 Metern Tiefe ist der Untergrund 200 Grad heiss. In der Tiefengeothermie werden grundsätzlich zwei Verfahren unterschieden: das hydro- und das petrothermale System. In der Schweiz laufen seit Kurzem die beiden ersten Hydrothermalbohrungen, nämlich in St. Gallen und im Kanton Waadt: An diesen Orten befindet sich tief im Boden eine wasserführende Schicht. Mit dem Dampf aus dieser Schicht werden Turbinen angetrieben, die mit einem Stromgenerator verbunden sind. Die petrothermale Technik hingegen (siehe Grafik) wird in der Schweiz noch nirgends umgesetzt. Geologiebedingt hat sie viel mehr Potenzial. Ein erstes Projekt scheiterte 2007 in Basel. Aufgegleist ist jetzt ein neues in Etzwilen. Das Verfahren hier besteht darin, dass im kristallinen Gestein in rund 4000 Metern Tiefe zwischen zwei Bohrungen bestehende Klüfte vergrössert und künstliche Risse geschaffen werden. Das kalte Wasser, das in die erste Bohrung hinuntergepumpt wird, gelangt durch die Ritzen und Klüfte in die zweite, wobei es sich so erhitzt, dass der Dampf, der nun durch diese hochsteigt, zur Stromproduktion genutzt werden kann. Im Unterschied zu Basel (wo die Bildung einer einzigen grossen Kluft Erdbeben ausgelöst hat) sollen im Untergrund von Etzwilen nur kleine, dafür viele Risse erzeugt werden, wobei das Risiko von wahrnehmbaren Erschütterungen minim sein sollte. Federführend in diesem Projekt ist die Geo-Ener­gie­ Suisse AG, hinter der sieben Elektrizitätsunternehmen stehen. Etzwilen bietet viele Vorteile «War­um soll denn dieses Kraftwerk ausgerechnet bei uns entstehen?», fragte eine besorgte Anwohnerin an der Informationsveranstaltung vom Dienstagabend. Peter Meier, Chef der Geo-Ener­gie­ Suisse AG, antwortete, er habe mit seinem Team in der ganzen Schweiz 130 Standorte geprüft. Von diesen biete sich Etzwilen aus mehreren Gründen an: Die Geologie sei ideal; das ins Auge gefasste Areal, das den SBB gehört, sei zurzeit unbenutzt; es befinde sich in der Industriezone; das Stromnetz sei vorhanden; der Kanton Thurgau (der die Bewilligung erteilen müsste) sei zur Geothermie positiv eingestellt. Meier rechnet für die Realisierung des Projektes mit Kosten von 80 bis 100 Millionen Franken. Das Baugesuch (samt Umweltverträglichkeitsbericht) soll Ende 2013 eingereicht werden, Bohrbeginn wäre idealerweise 2016. Verläuft das Pilotprojekt, wie Meier hofft, positiv, dürften im Schweizer Mittelland sofort weitere solche Anlagen entstehen. Der Bund, der die Technik mit einem Förderbeitrag unterstützt, hofft, dass sich im Jahr 2050 eine Million Haushalte mit Ener­gie­ versorgen lässt, die sich mit dem petrothermalen Verfahren produzieren lässt. (lü)

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