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Mit van Persie zurück auf den Thron?

In der heute beginnenden Premier League sind die Augen in erster Linie auf die Stadt Manchester gerichtet.

Das Ende der letzten Meisterschaft wird zumindest punkto Dramaturgie definitiv nicht zu überbieten sein. Manchester United war mit acht Punkten Vorsprung auf Manchester City in die Schlusswochen gestiegen und hatte buchstäblich bis zuletzt wie der sichere Champion ausgesehen. Doch während sich die Fans der «Red Devils» nach dem 1:0 bei Sunderland schon in den Armen lagen, gab Manchester City gegen Queens Park Rangers nicht auf. Edin Dzekos Ausgleich in der ersten Minute der Nachspielzeit brachte die Hoffnung zurück, und als der Argentinier Sergio Aguero in allerletzter, sprich in der dreiundneunzigsten Minute, den Siegtreffer erzielte, war die nicht mehr für möglich gehaltene Wende aufgrund der Tordifferenz doch noch Tatsache geworden. Einer, dem dieses Scheitern gegen den Lokal- und Erzrivalen besonders an die Nieren ging, war Sir Alex Ferguson, die Trainerlegende der United. Der 70-jährige Schotte hasst nichts mehr, als zu verlieren, und war nach dem verpassten 20. Meistertitel für längere Zeit «ungeniessbar». Fergusons Luxusprobleme Seit Langem hat sich Ferguson aber wieder gefasst und richtet den Blick nach vorne. Dieser geht nur in eine Richtung, nämlich in jene des Titelgewinns und der Revanche. Untrügliches Zeichen dafür ist die Verpflichtung von Liga-Topskorer Robin van Persie von Arsenal unmittelbar vor Meisterschaftsstart – für die Summe von 29 Millionen Euro. In einem Jahr wäre der Holländer nach dem Auslaufen des Vertrags bei den «Gunners» ablösefrei zu haben gewesen. Van Persie bringt nicht nur die Visitenkarte von 30 Treffern ins Old Trafford mit, sondern sorgt auch für Luxusprobleme bei Ferguson. Falls van Persie bereits beim Saisonauftakt bei Everton am Montag dabei sein kann, stellt sich die Frage, wer sein Sturmpartner sein wird. Ferguson muss sich hiefür wohl für einen Spieler aus dem Quartett Wayne Rooney, Danny Welbeck, Javier Hernandez und Dimitar Berbatov entscheiden. Denkbar ist auch, dass Rooney wie in der letzten Saison wiederholt ins Mittelfeld ausweicht. Schlechte Karten hat Hernandez, während Berbatov seinen Abschied aus Manchester bereits angekündigt hat. Die beiden Equipen aus Manchester brachten es zusammen auf 182 Treffer – ligaweit war die offensive Durchschlagskraft nirgendwo auch nur ansatzweise so gross. Heuer dürfte sich dies kaum ändern: ManU verfügt auch aus dem Mittelfeld mit den unverwüstlichen Ryan Giggs und Paul Scholes, mit Nani, Michael Carrick und der Neuverpflichtung aus Dortmund, dem Japaner Shinji Kagawa, über viel Drang nach vorne. Der letztjährige Meistertrainer Roberto Mancini kann sich auch nicht über mangelnde Offensivstärke beklagen, muss aber «Wahnsinnspotenzial» der anderen Art bändigen. Italiens EM-Halbfinal-Held, der exzentrische Mario Balotelli, möchte auch auf Klubebene Höchstleistungen bringen, neigt aber ebenso zu Aussetzern auf und neben dem Rasen wie Carlos Tevez. Viel erwartet wird erneut von Kun Aguero. Für Manchester City spricht der Heimvorteil. Die letzten 29 Spiele zu Hause gingen nicht verloren, 27 Spiele davon konnten am Stück gewonnen werden. Di Matteo unter Beobachtung Nur die Rolle der ersten Herausforderer bleibt den Londoner Klubs. Chelsea versucht, nach dem Double der Vorsaison (Champions League und FA-Cup) nun auch in der Meisterschaft Fuss zu fassen. Platz 6 aus dem Vorjahr ist diesmal keine Option mehr, zumal mit den offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern Oscar, Eden Hazard und Marko Marin drei neue Kräfte verpflichtet worden sind. Unter Druck steht Fernando Torres, der sich nach dem Abgang von Didier Drogba als Nummer 1 im Sturm beweisen muss. Mit Argusaugen beobachtet wird auch die erste «richtige» Saison von Roberto di Matteo als Chefcoach. Der ehemalige Super-League-Spieler aus Schaffhausen erhielt von Roman Abramowitsch nach dem höchst erfolgreichen Saisonfinale zwar einen Kontrakt – auch weil sich die Spieler für ihn einsetzten. Der Russe ist aber nicht für Geduld bekannt. Zudem ist es ein offenes Geheimnis, dass Abramowitsch nach wie vor mit einem Engagement von Pep Guardiola nach dem Ende dessen freiwilliger Auszeit liebäugelt. Di Matteos Vorgänger an der Stamford Bridge wirkt neu ein paar Kilometer weiter nordöstlich an der White Hart Lane. André Villas-Boas muss bei Tottenham aber einen ordentlichen Aderlass verkraften. Mit Niko Kranj-car, Vedran Corluka und Steven Pienaar haben einige Schlüsselspieler den Klub verlassen, der im letzten Jahr noch unter Harry Redknapp mit attraktivem Spiel auf Platz 4 gestürmt war. Zudem steht Luka Modric vor einem Wechsel zu Real Madrid. Liverpool möchte nach der verpatzten letzten Saison (8.) wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Ob der neue Trainer Brent Rodgers, gekommen vom walisischen Klub Swansea, die «Reds» wieder nach vorne bringt, ist fraglich. Prominente Neuzuzüge blieben aus. Schweizer nur mit Nebenrollen Arsenal, im Vorjahr Dritter, geniesst nach dem Abgang von van Persie gar keinen Kredit mehr, die Durststrecke von sieben titellosen Jahren zu beenden. Daran ändern auch die Verpflichtungen von Olivier Giroud, Santi Cazorla und Lukas Podolski wenig. Auch Arsène Wenger, seit 16 Jahren im Amt und zuletzt als Fernseh-Analyst erfolgreicher denn als Coach, steht vermehrt im Zen­trum der Kritik. Keine grossen Rollen dürften die Schweizer spielen. Johan Djourou war bei Arsenal letzte Saison meist Ersatz und nur noch die Nummer 4 der Innenverteidiger. Der verletzte Philippe Senderos und Pajtim Kasami streben mit Fulham erneut einen Europa-League-Platz an. Für Nachwuchsgoalie Raphael Spiegel (ehemals GC) wäre jeder Einsatz im Fanionteam von Aufsteiger West Ham United ein Erfolg. (si/red)

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