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Mit Volldampf gegen das Tabakgesetz

Stefan Meile kämpft gegen die Regulierung von E-Zigaretten im Tabakgesetz. Der Geschäftsführer des Branchenführers Insmoke AG aus Aadorf sieht nur Gutes in seinem Produkt. Ärzte und der Bund sind anderer Meinung.

Stefan Meile lächelt nachsichtig, wenn man fälschlicherweise vom «Rauchen» einer E-Zigarette spricht. E-Zigaretten werden nämlich nicht geraucht, sondern gedampft. Der leidenschaftliche Dampfer Meile weiss, dass seine Produkte noch viel Aufklärungsarbeit nötig haben. Für umso verheerender hält er die Pläne des Bundesrats, der E-Zigaretten mit herkömmlichen Tabakzigaretten gleichstellen will. Dies geht aus dem Entwurf zum Tabakproduktegesetz hervor. «Ein Produkt ­ohne Tabak soll ins Tabakgesetz – das ist eine Frechheit.» Der 28-Jährige ist Geschäftsführer der Aadorfer Insmoke AG, dem grössten Anbieter von E-Zigaretten in der Schweiz. Das Mutterunternehmen Hemag Nova AG, ein Grosshandelsbetrieb für Tabakzubehör, beschäftigt 13 Mitarbeiter. Vor wenigen Jahren konnte man den Bestand noch an einer Hand abzählen; man sei nicht zuletzt dank des E-Zigaretten-Trends gewachsen, so Meile. In diesem noch jungen Segment erreicht Insmoke heute nach eigenen Angaben einen Marktanteil von circa 40 Prozent. 20 Millionen Umsatz Die Elektrobauteile stammen aus China, während Insmoke die Liquids, also den Inhalt zum Dampfen, selbst produziert. Verkauft wird über Tabakläden und bald auch Kiosks. Der monatliche Absatz des Bestsellers «Reevo Mini-S» liege im «tiefen vierstelligen Bereich», sagt Meile. Umsatzzahlen möchte er keine nennen. Nur so viel: Für 2014 erwartet er einen Schweizer Branchenumsatz von 20 Millionen Franken. Das Marktpotenzial für Firmen wie Insmoke, Doktor Dampf oder Dampfzauber ist riesig. Auch wenn es steigende Tabakpreise und Rauchverbote nicht vermuten liessen: Mehr als ein Viertel der Schweizer Bevölkerung raucht gemäss Suchtmonitoring mindestens gelegentlich und gehört damit zum Zielpublikum der E-Zigaretten-Branche. 19 Prozent der über 15-Jährigen rauchen täglich.Was die Verbreitung von E-Zigaretten bisher hemmte, war nicht zuletzt das Gesetz: In der Schweiz dürfen die Dampfstängel zwar verkauft werden, aber nur mit nikotinfreien Liquids. Den echten Stoff müssen sich Dampfer im Ausland besorgen. Lebensmittel oder Tabak? Das könnte sich mit dem neuen Tabakgesetz zwar ändern, indem der Handel mit Nikotinliquids zugelassen wird. Gleichzeitig würden damit künftig aber Gesetze wie das Rauchverbot in Gaststätten auch für E-Zigaretten gelten. Dagegen wehren sich Meili und die Dampfervereinigung Helvetic Vape. Sie fordern, dass E-Zigaretten weiterhin unter das Lebensmittelgesetz fallen.Für erfahrene «Dampfer» liegen die Vorteile auf der Hand: Seit dem Umstieg von Tabak auf E-Zigaretten wenden sie noch einen Viertel der Ausgaben für ihr Laster auf und leben dabei erst noch gesünder. Denn Sets für Einsteiger sind für weniger als 100 Franken erhältlich. Insmoke verkauft (nikotinfreie) Liquids für 6.90 Franken. Ein Liquid entspricht vier Packungen Zigaretten. Bund rät zur Vorsicht Weniger schädlich sei der Konsum, weil Dampf und kein verbrannter Tabak inhaliert wird. «Eine Zigarette enthält über 3000 Verbrennungsstoffe, mehr als 200 davon sind krebserregend», sagt Meile. «Beim Verdampfen hingegen entstehen gemäss des Labortests von ‹Kassensturz› des SRF lediglich ein paar wenige chemische Verbindungen, wie sie auch beim Teekochen vorkommen können.» Entgegen der Behauptungen der Lungenliga seien alle Inhaltsstoffe klar deklariert. Hauptbestandteile sind Glycerin und Propylenglykol, Zusatzstoffe also, die auch in Lebensmitteln verwendet werden. Hinzu kommen Aromastoffe für diverse Geschmacksrichtungen von Apfel bis Zimt, für Kaffee oder Kuchen.Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt zwar: «Nach heutigem Wissensstand sind E-Zigaretten deutlich weniger schädlich als Tabakzigaretten.» Dennoch rät das BAG zur Vorsicht: «Die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen sind noch weitgehend unbekannt.» Primäres Ziel solle darum der Rauchstopp und nicht das Umsteigen aufs Dampfen sein. Langzeitstudien fehlen Die Lungenliga rät indes ganz vom Konsum ab, weil die gesundheitlichen Auswirkungen bisher nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht seien. Auch die Vereinigung der Schweizer Lungenfachärzte stellt sich klar gegen eine Legalisierung, weil die aktuelle Datenlage ungenügend sei. Für Insmoke-Geschäftsführer Meile ist das unverständlich. Aus wissenschaftlicher Sicht seien E-Zigaretten ausreichend erforscht, einzig Langzeitstudien über mehrere Dekaden würden aufgrund der kurzen Produktgeschichte noch fehlen. «E-Zigaretten enthalten 1000-mal weniger Schadstoffe als Zigaretten und werden trotzdem bekämpft», sagt Meile. Er könne sich das nur mit dem Einfluss der Pharma- und Tabaklobby erklären. «Denn E-Zigaretten wären eigentlich ein echter Mehrwert für die Bevölkerung. Der Staat müsste sie subventionieren, wenn er an der Gesundheit interessiert wäre.» Darum macht Meile nun mobil: Er hat den Branchenverband Swiss Vape Trade Association gegründet. Zehn Mitbewerber von Insmoke sind bisher beigetreten. Bis im Herbst ist der Entwurf zum Tabakproduktegesetz in Vernehmlassung, dann soll er im Parlament behandelt werden. Meile macht sich auf einen langen politischen Kampf gefasst: Mit einer Zulassung nikotinhaltiger Liquids rechnen Fachleute frühestens in drei Jahren. Wenn es so weit ist, ist er in den Startlöchern: Die Insmoke AG hat bereits eine Tochterfirma in England, die schon Nikotinliquids verkauft – auch in die Schweiz.

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