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Mit Zuckersäcklein und Plakaten

Was die SVP ein Jahrzehnt lang verpasst hatte, packte jetzt Josef Lisibach. Er schaffte die Wahl dank persönlichen Kontakten, cleverem Marketing und viel Werbung entlang der Strasse.

Für Montag hatte sich Josef Lisibach schon lange von der Arbeit auf dem Posten der Kantonspolizei im Hauptbahnhof abgemeldet. Entweder um Wunden zu lecken oder aber, und das passt ihm deutlich besser, um seine Wahl in den Stadtrat zu feiern. Der Tag nach dem Triumph ist vollgepackt. Zu Mittag ass Lisibach zusammen mit der SVP-Kantonsratsfraktion im Zunfthaus zur Schmiden in Zürich. Danach war er mit der abgewählten SP-Stadträtin Pearl Pedergnana Gast bei Tele Top und schliesslich wurde er auch noch von «Schweiz aktuell» interviewt. Lisibachs Wahl ist eine Überraschung, weil es die SVP über zehn Jahre lang nicht geschafft hat, in Winterthur einen Sitz zu erobern. Seit 2001 blieben Jürg Stahl, zweimal Gisela Beutler, Emil Manser, Daniel Oswald und René Isler als Kandidaten allesamt entweder ohne Glück oder ohne Chance. Die Basis für den Erfolg habe er in seinem Jahr als Gemeinderatspräsident gelegt, ist Lisibach überzeugt. Da nahm er von Amtes wegen an 170 Anlässen teil und baute seinen Bekanntheitsgrad markant aus. «Viele Gesprächspartner haben mich damals auf eine Kandidatur hin angesprochen», sagt Lisibach. Diese Kontakte habe er im Wahlkampf reaktivieren können. Geplant hat Lisibach seinen Wahlkampf grösstenteils selbst, unterstützt vom Werber Werner Schneider. Dieser war früher für die Goal AG tätig, die für die SVP schon mehrfach umstrittene Werbekampagnen produziert hat. Ein Pfeiler von Lisibachs Marketingstrategie war das Auflegen von einigen Tausend Zuckersäcklein in über 30 Winterthurer Restaurants und Cafés. Bei vielen Wirten sprach Lisibach persönlich vor, bei anderen übernahmen das Kollegen und Freunde. Zweiter Pfeiler für den Erfolg waren die laut Lisibach «irrsinnig vielen Plakate», die SVP-Parteimitglieder und Sympathisanten entlang von Strassen, in Vorgärten und an Hauswänden platzierten. Insgesamt habe er nicht viel Geld für Werbung ausgeben müssen, sagt Lisibach. Seine Ausgaben beliefen sich auf «einige Zehntausend Franken», über die Ausgaben der bürgerlichen Allianz wisse er nicht Bescheid. «Unbewusster Entscheid» Das SVP-Logo auf den Plakaten wegzulassen, sei kein bewusster Entscheid gewesen, sagt Lisibach. «Wir haben verschiedene Entwürfe verglichen und einen davon ausgewählt.» Über «Sünneli» Ja oder «Sünneli» Nein sei nicht weiter diskutiert worden, auch wenn man ihm das oft nicht glaube. Clever war der Entscheid in jedem Fall, ebenso wie das Weglassen einer Formulierung, die dar­auf hingewiesen hätte, dass der 47-Jährige kein Bisheriger ist und neu für den Stadtrat kandidiert. Auch dieser Entscheid sei nicht bewusst gefällt worden, sagt Lisibach. «Das wurde mir erst bewusst, als ich dar­auf angesprochen wurde.» Er habe die Wahl geschafft, weil er Stimmen weit über seine Partei hinaus geholt habe, sagt Lisibach. Unterstützt worden sei er auch aus Kulturkreisen und der SP, auf die ein SVPler üblicherweise nicht zählen könne. Entscheidend sei wohl sein Auftritt und der persönliche Kontakt gewesen, den er zu vielen Winterthurern habe aufbauen können. «Die Leute schätzen, wenn ihnen ein Kandidat nicht nur auf Werbemitteln begegnet», sagt Lisibach. Diesen Kurs werde er weiter verfolgen und dar­um die vielen Gratulationsmails, SMS und Whatsapp-Nachrichten der Reihe nach, aber allesamt verdanken.

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