Zum Hauptinhalt springen

Mit Zuversicht nach London

bern. 102 Athletinnen und Athleten bilden die Schweizer Olympiadelegation in London. Mit fünf bis sieben Medaillen wäre Missionschef Gian Gilli zufrieden.

Die Werte von Athen 2004 mit 98 Olym­piateilnehmern und Peking 2008 mit 83 werden nicht zuletzt deshalb übertroffen, weil sich die Schweiz für das olympische Fussballturnier qualifizieren konnte. Allein das Kader der Fussballer umfasst 18 Spieler. Die 102 Sportlerinnen und Sportler bedeuten die grösste Schweizer Delegation seit Atlanta 1996 (116), als die Schweizer Handballer ihren letzten Olympiaauftritt erlebten. 2000 in Sydney trat die Schweiz ebenfalls mit 102 Athleten an.

Die Werte aus früheren Jahrzehn- ten – als das Mitmachen eindeutig wichtiger war als das Gewinnen – dürften ohnehin nie mehr erreicht werden. Der Rekord in der Nachkriegszeit datiert von 1948, als die Schweizer Farben – ebenfalls in London – 181-fach vertreten wurden. Weit weg sind auch die Zahlen von München 1972 (163) oder Los Angeles 1984 (137).

Gian Gilli, Chef de Mission von Swiss Olympic, zeigte sich an der vorolympischen Medienkonferenz in Worblaufen erfreut über die Grösse der erstmals von ihm geführten Sommer-Delegation: «Wir haben eine stattliche Mannschaft beisammen, mit viel Potenzial.» Er gab zu bedenken, dass Swiss Olympic restriktive Selektionskriterien angewandt hatte. Im Prinzip hat gegolten: Wer nach London will, muss das Potenzial vorweisen, um in die Top 10 zu kommen. Für die Königssportarten Leichtathletik und Schwimmen liegt die Vorgabe bei den Top 16.

Rinderknecht und Muff

Nachdem der Winterthurer Spitzenschütze Lukas Grunder Ende des letzten Jahres im Alter von 21 Jahren überraschend seinen Rücktritt vom Spitzensport gegeben hatte, ist die Region ­Winterthur noch mit zwei Einzelsportlern in London vertreten: Mit dem Seuzacher Springreiter Werner Muff, der sein Olympiadebüt gibt, und dem Winterthu­rer BMX-Piloten Roger Rinderknecht, der bereits 2008 in Peking den einzigen Schweizer Platz in dieser Bikesparte besetzt hatte. Als Rinderknechts Ersatzfahrer wurde sein Wülflinger Nachbar David Graf selektioniert. Hinzu kommen sechs Fussballer (Amir Abrashi, Innocent Emeghara, Fabian Frei, Pajtim Kasami, Admir Mehmedi und Steven Zuber) mit Vergangenheit beim FC Winterthur.

Die letzten Selektionsentscheide wurden gestern bekannt gegeben. In fünf «Grenzfällen» hat sich die Selektionskommission zugunsten der Athleten entschieden, und zwar jeweils mit der Überlegung, dass es sich um junge Athleten handelt, die im Hinblick auf Rio de Janeiro 2016 aufgebaut werden sollen. So wird die mit der Sprintstaffel selektionierte Ellen Sprunger auch im Siebenkampf starten. Kariem Hussein tritt über 400 m Hürden an. Anja Nyffeler und Pamela Fischer bestreiten das Synchronschwimmen. Der Sportschütze Patrick Scheuber erbte Grunders Quotenplatz. Ein Grenzfall wurde negativ entschieden: Die Tennisspielerin Romina Oprandi kommt nicht zum Einsatz, sie erfüllte zu wenig Bedingungen.

Im Reiten hat Swiss Olympic auf Antrag des Schweizerischen Verbands für Pferdesport kurzfristig einen Abtausch vollzogen: Paul Estermann mit Castlefield Eclipse wurde aufgrund seiner starken Vorstellungen in den letzten Wochen zum Fixstarter befördert, Clarissa Crotta ist neu Ersatzreiterin.

«Ein gutes Zeugnis»

Um die strategische Vorgabe des Exekutivrats von Swiss Olympic erfüllen zu können – gefragt ist eine Rangierung unter den besten 25 Nationen nach ­Anzahl Medaillen –, braucht es gemäss ­Gilli acht bis zehn Medaillen. «Die Diskussion um die Medaillen ist allerdings immer etwas heikel», sagt Gilli. «Für mich ist es fast ebenso wichtig, dass die Sportler an ihrem Tag X ihre beste Leistung abrufen können. Sie sollen sich so vorbereiten, dass sie auf den Punkt bereit sind.» In seinen Augen seien auch fünf bis sieben Medaillen «eine absolut zufriedenstellende Bilanz».

Swiss-Olympic-Präsident Jörg Schild äusserte sich optimistisch – nicht zuletzt wegen der Topleistungen der letzten Wochen: «Ich gehe nach London, wie wenn Weihnachten vor der Tür stehen würde, und freue mich auf viele schöne Überraschungen», liess er verlauten. In 13 Sportarten seien Schweizer in der laufenden Saison an Welt- und Europameisterschaften sowie im Weltcup schon auf dem Podest gestanden, zählte Gilli auf. «In London haben wir sechs Sportarten mit Medaillenchancen.»

Die Schweizer Delegation umfasst 72 Männer und 30 Frauen bei einem Durchschnittsalter von 26,5 Jahren. Sie werden in 22 der 36 Sportarten an den Start gehen. «Die Tatsache, dass wir in so vielen Disziplinen vertreten sind, ist für den Schweizer Sommersport ein gutes Zeugnis», sagte Gilli, der Engadiner. «Wir haben viele Athletinnen und Athleten von Weltklasseniveau. Das ist bemerkenswert für ein ‹Bergvolk› mit acht Millionen Einwohnern. Ich bin schon jetzt grundsätzlich stolz auf diese Mannschaft, sie ist leistungs- und konkurrenzfähig. Mit dem Wissen jedoch, das die Resultate dieser Saison in London nichts zählen. Dort beginnt alles wieder bei null.» (si/ust)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch