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Mitten drin im Musikkuchen

Vor 20 Jahren gründeten ein paar Teenager die Loops und fanden auf dem Lagerplatz einen Bandraum und eine Prise Freiheit. Die Jungs von damals sind heute Mitte 30, ihre Band ist ein Netzwerk und ihr Raum ein Soundlabor. Zu Besuch in der Keimzelle der Musikszene.

Den Loops-Raum kennt eigentlich jeder, mindestens vom Vorbeigehen. Er liegt direkt neben der Rampe, die vom Sulzerareal zur Wylandbrücke hinaufführt, in einem ehemaligen Industriegebäude. Fast immer liegt hier Musik in der Luft oder zumindest ein dumpfes Dröhnen. Vor einem der Fenster steht ein Treppchen. Es ist das zweite in der 20-jährigen Geschichte dieses Bandraumes. Das erste haben Nachtbuben vor Kurzem abtransportiert und von der Brücke geworfen. Wer sich zum Winterthurer Musikkuchen zählt, wird darob ein Tränchen verdrücken.

Wenn viel Betrieb ist, klettern über das Treppchen junge und junggebliebene Leute durchs offene Fenster. Dann sieht man von aussen ins Innere: die Instrumente, die überall herumstehen, und die kleine Bar, über die sich manch ein Passant schon gefragt haben dürfte, ob die wohl öffentlich ist. «Bei uns sind Besucher jederzeit willkommen, die Bar ist aber nur für den Eigenbedarf», sagt dazu Robert Ebler. Der 36-Jährige hat vor 20 Jahren die Loops mitgegründet. Sie waren eine Gruppe von Freunden, infiziert vom Virus Musik. 1992 fanden sie auf dem Sulzerareal, was sie suchten: einen Bandraum, der etwas abseits liegt, wo weit herum keine Nachbarn sind, einen Freiraum, in dem etwas entstehen kann. Nach und nach bildete sich um die Band ein Netzwerk, der Loops-Raum wurde zum Laboratorium für Talente und zur Wahlheimat der lokalen Musikszene – zum Ort, wo zum Beispiel für die Winti-Night der Musikfestwochen geprobt wird.

Der Raum unter dem Raum

Heute haben die Bands My Name Is George, Men from S.p.e.c.t.r.e., Phraseland und natürlich die Loops im Indus-triebau ihre Homebase. Vor einem Jahr gründeten sie gemeinsam einen Verein, zu dem auch ein kleines Filmstudio gehört. «MK 193» steht auf einer Tafel am offiziellen Eingang, den kaum einer benutzt. Die Abkürzung steht für «Musikalisches Konglomerat Gebäude 193».

Mit der Vereinsgründung kam auch der Ausbau: Nach langem Warten konnte das untere Stockwerk hinzugemietet und zu einem zweiten Probe- und Aufnahmeraum umgebaut werden. Vollgestopft mit zusammengewürfelten Brocki-Möbeln hat der zweite LoopsRaum im Parterre zwar nicht ganz den Underground-Chic des Originals mit seinen abstrusen Requisiten (Jesusbild, Schaufensterpuppe, Plüsch-Stierkopf). Die Akustik sei aber super, sagt Ebler.

Aufnehmen kann hier jeder, der einen aus dem Netzwerk kennt. «Oder der einen kennt, der einen kennt», sagt Ebler. Für einen kleinen Unkostenbeitrag von 100 Franken pro Tag. Den Techniker liefert der Verein auf Wunsch dazu. «Steff, Brüll, Mike, Harrison – den Tarif kann man mit ihnen direkt abmachen.» Als Konkurrenz zu professionellen Kleinstudios sieht Ebler das Angebot nicht. «Wenn einer etwas Kompliziertes will, wofür wir kein Equipment haben, schicken wir ihn zum Admiral.» Gemeint ist der Musiker David Langhard und sein Dala-Studio.

Das Glück des Mittelwegs

Von den Gründungsmitgliedern der Loops sind heute nicht mehr alle dabei. Einzelne haben sich in ein bürgerliches Leben abgesetzt, tauchen nur noch ab und zu auf, um eine Gitarre in die Hand zu nehmen und etwas zu «jammen». Andere führen immer noch ein Leben ganz für die Musik, mit allen Entbehrungen, die daraus folgen.

Robert Ebler hat den Mittelweg gewählt. Er ist verheiratet, geht einem geregelten Beruf nach, hat einen sechsjährigen Sohn. Der Traum vom Durchbruch sei lange ausgeträumt, sagt er. Aber die Musik und das Bandleben hat er ins Erwachsenendasein gerettet. Ebler spielt mittlerweile selbst nicht mehr bei den Loops, sondern steht als Perkussionist bei Men from S.p.e.c.t.r.e. auf der Bühne. Mitten drin im Musikkuchen ist er geblieben.

Freundinnen, die nicht altern

Wie zu Beginn ist das Loops-Netzwerk auch heute noch eine Männerdomäne. Es gebe nun einmal weniger Musikerinnen als Musiker, sagt Robert Ebler etwas ratlos. Aber es sei eine Freude: Die verschiedenen «Schätze» – gemeint sind die Freundinnen – seien mit dem Herzen dabei, wenn es etwas zu tun gebe. Noch immer steckt etwas Wahrheit in jenem Bonmot einer Szenekennerin, das einst die Runde machte: «Es ist ein Phänomen, dieser Raum, diese Männer werden immer älter, nur die Frauen bleiben gleich jung.»

Weil, was die Jahre überdauert, von Zeit zu Zeit gefeiert werden muss, plant der Verein MK 193 diesen Herbst ein kleines Jubiläums- respektive verspätetes Gründungsfest, natürlich mit Konzerten und – wenn alles glatt läuft – The Poets of Rhythm als Gästen. Ansonsten dreht sich die Welt im Loops-Raum normal weiter, noch mindestens fünf Jahre, denn so lange dauert der Mietvertrag. Und wenn es nach Robert Ebler geht, wird der Status quo ohnehin «geloopt».

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