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Mobilfunkantennen strahlen hierzulande weniger als im Ausland

Soll in der Nachbarschaft eine neue Antenne errichtet werden, sehen viele rot. Doch Elektrosmog ist zu einem grossen Teil hausgemacht. Zudem deuten Studien dar­auf hin, dass Beschwerden oft durch Angst ausgelöst werden.

Wo immer die Mobiltelefonie-Anbieter eine neue Antenne errichten wollten, stiessen sie bis vor kurzem zuverlässig auf erbitterten Widerstand. So wehren sich zum Beispiel in Neftenbach über 100 Anwohner gegen eine Sunrise-Antenne im Dorfzentrum. Auch in Wiesendangen wurde die gemeinsame Anlage von Swisscom, Orange und Sunrise im Kirchturm verhindert. Vor allem in städtischen Gebieten sind die Einsprachen in letzter Zeit aber seltener geworden. Zu sehr hat man sich an die praktischen Kommunikationsmittel gewöhnt, als dass man die Technik noch stark hinterfragen möchte. Dennoch machen immer noch einzelne Menschen elektromagnetische Felder in ihrer Umgebung für diverse Beschwerden verantwortlich. Dies bestätigt Josef Peter aus Illnau. «50 Prozent unserer Kosten im Gesundheitswesen sind auf Elektrosmog zurückzuführen», ist der gelernte Elektroinstallateur überzeugt. Diesem Thema widmet der früher erfolgreiche Unternehmer mittlerweile seine gesamte Zeit und Ener­gie­. Mit seinem In­sti­tut für biologische Elektrotechnik Schweiz (Ibes) erteilt er per Telefon Auskunft an Ratsuchende. Zusammen mit drei Mitarbeitern berät er zudem Bauunternehmen und begleitet Gebäudesanierungen. So wurde er etwa kürzlich von der Immobiliengesellschaft Mobimo beigezogen, um die elektromagnetischen Felder im neuen Mobimo-Tower in Zürich-West möglichst tief zu halten. Einfache Massnahmen Peter besitzt selber ein Mobiltelefon und schätzt die modernen technischen Errungenschaften durchaus. Die Belastungen könnten mittels relativ einfacher Massnahmen stark reduziert werden, macht der Fachmann deutlich: Gebäude erden, Kabel abschirmen und speziell beschichtete Fensterscheiben einsetzen. Er selber hat vor rund 30 Jahren in seinem Haus in Illnau elektrische Installationen wie zum Beispiel Netzwerkverbindungen angebracht, wie sie damals noch wenig verbreitet waren. Danach sei er von Tag zu Tag unbeweglicher geworden, bis er nicht mehr alleine aufstehen konnte, erzählt der 69-Jährige. Dazu kamen Kopfschmerzen. Auch seine Frau habe plötzlich an einem Tennisarm gelitten. Als er die Emissionsquellen bereinigt hatte, wurde das Paar innert sechs Wochen wieder vollständig gesund. Die Angst vor Mobilfunkantennen hält Peter jedoch für unverhältnismässig: «Das ist Polemik.» Ein grosser Teil der Belastung stamme von anderen Geräten.In diesem Punkt stimmt ihm Roger Schaller, Mediensprecher von Sunrise, zu: «In der Schweiz sind die Grenzwerte vergleichsweise tief.» Wo sich über längere Zeit Leute aufhalten, vor allem im Inneren von Gebäuden, dürfen 4 bis 6 Volt pro Meter nie überschritten werden. In den umliegenden Ländern sei die Limite zehnmal höher, sagt Schaller. Ausserdem werde die maximale Strahlung in der Realität nie erreicht. Nachts, wenn kaum jemand telefoniert oder surft, gehe von den Sendeanlagen kaum ein elektromagnetisches Feld aus, erklärt Schaller. Grenzwerte wie in den Nachbarländern gelten in der Schweiz nur im Freien, nicht aber auf öffentlichen Spiel- und Pausenplätzen, wo strengere Werte eingehalten werden müssen. Datenverkehr nimmt zu Mit den Smartphones und den immer stärker verbreiteten drahtlosen Internetverbindungen nimmt der Datenverkehr rasant zu. Das Volumen verdoppelt sich von Jahr zu Jahr. «Die Kunden erwarten schnelle, zuverlässige Verbindungen», stellt Schaller fest. Grundsätzlich müssten Basisstationen dort gebaut werden, wo viele Personen telefonieren oder Datendienste nutzen. Werde eine Antenne ausserhalb von Siedlungsgebieten gebaut, müsse ihre Leistung entsprechend höher sein. Durch die engmaschigeren Netze und die modernere Technik sei die Sendeleistung in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Mobilfunkanlagen sind nicht die einzigen Quellen für elektromagnetische Strahlung. Auch entlang von Bahnlinien entstehen starke Felder. Und in Privatwohnungen würden eigene Handys, Schnurlos-Telefone oder Drahtlosnetzwerke (WLAN) häufig mehr zu Belastungen beitragen, schreibt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einem Bericht. Es sei weiterhin unklar, ob ein Zusammenhang zwischen der Strahlenexposition und dem Krebsrisiko bei Erwachsenen bestehe. Untersuchungen zum Leukämierisiko bei Kindern hatten die Hinweise auf einen Zusammenhang sogar abgeschwächt. Einige neuere Studien würden jedoch gravierende methodische Probleme aufweisen, hält das Amt fest. Keine Beeinträchtigung der Schlafqualität Studien, welche die Schlafqualität im Einflussbereich von Mobilfunkantennen untersuchten, stellten keine Beeinträchtigungen fest. Zu diesem Ergebnis kam zum Beispiel die sogenannte Qualifex-Studie des Nationalfonds. In Doppelblindversuchen, bei denen weder Studienteilnehmer noch Untersuchende wussten, in welchen Nächten eine Strahlenbelastung bestand, konnte keine schlechtere Schlafqualität erkannt werden. Dies auch nicht bei Personen, die sich als hypersensibel bezeichnen. Mindestens teilweise spiele für das Entstehen der Beschwerden der Nocebo-Effekt eine Rolle, hält das Bafu fest. Das heisst, dass die Beschwerden durch die Erwartung ausgelöst oder dann verstärkt werden. Abschliessend beantworten lasse sich die Frage nach Auswirkungen sogenannter nicht ionisierender Strahlung auf die Gesundheit jedoch noch nicht. Sie seien weder nachgewiesen, noch liessen sie sich mit Sicherheit ausschliessen, kommt das Amt zum Schluss. Zudem seien die Resultate der Studien stark von der Finanzierung abhängig. Forschungen, die alleine von der Mobilfunkindustrie bezahlt werden, berichten deutlich weniger häufig über biologische Effekte als solche, die durch die öffentliche Hand oder von beiden finanziert wurden.

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