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Monfils verspricht Spektakel

Roger Federers Viertelfinalgegner beim US Open, Gaël Monfils, gilt zwar als «Verrückter», aber (fast) jeder liebt ihn.

Wenn sich in der Nacht auf Freitag Roger Federer und Gaël Monfils im Arthur Ashe Stadium duellieren, wird die Atmosphäre knistern. Beim Franzosen ist jeder Auftritt ein Spektakel. Vielleicht kann er genau deshalb sein athletisches Potenzial nicht voll abrufen. Gaël Monfils gehört zu Roger Federers besten Kollegen auf der ATP Tour, hat mit ihm schon viel Zeit verbracht. Trotzdem sagt der 33-jährige Schweizer: «Gaël kann man nicht wirklich verstehen.» Federer erzählt eine Anekdote aus dem vergangenen Jahr in Halle. Monfils, der ohne Coach und deshalb meist alleine reist, schloss sich dem Federer-Clan zum Nachtessen an. «Da sagte er zu mir: ‹Du, ich glaube, ich gehe nicht nach Wimbledon.› Ich fragte zurück: ‹Machst du Witze?›. Und er antwortete: ‹Nein, es geht irgendwie nicht.›» So ticke Monfils eben. «Wenn er an einem Turnier ist, dann hängt er sich rein, ist immer aufgestellt», erklärt Federer. «Wenn er nicht gut drauf ist, bleibt er lieber daheim.» Der 27-jährige Pariser mit Wohnsitz im Kanton Waadt widerspricht dieser Einschätzung nicht: «Für mich ist Tennis ein Sport, nicht ein Job. Manchmal habe ich die Nase voll, dann interessiert mich das Ganze, Entschuldigung für die Ausdrucksweise, einen Dreck.» Dann nehme er eben eine Auszeit. Die Kehrseite ist, dass Monfils sein immenses Potenzial nie ganz ausschöpfen konnte. Obwohl er 2011 bis auf Platz 7 des Rankings vorstiess, hat er sich noch nie für einen Grand-Slam-Final oder die Tour-Finals am Ende des Jahres qualifiziert. In New York ist er aber hoch motiviert. Als einziger Spieler neben Weltranglisten-Leader Novak Djokovic hat sich Monfils ohne Satzverlust in die Viertelfinals gespielt, zuletzt mit einem hart umkämpften Dreisatzsieg gegen den als Nummer 7 gesetzten Wimbledon-Halbfinalisten Grigor Dimitrov. «Ich hatte auch Glück», wiegelt er ab. «Beim Satzball für Dimitrov spielte ich einen der schlechtesten Stoppbälle meines Lebens, und er traf den Ball mit dem Rahmen. Bei 1:1 Sätzen wäre es eine ganz andere Partie geworden.» Freunde in der Bronx Tatsache ist aber auch, dass er sich am US Open stark fühlt. «Ich fühle mich sehr solide, als ob ich keine Fehler machen könnte», stellt er fest. «Es kommt selten vor, dass ich mich so gut fühle. Und es ist ein Glück, dass dies gerade in der Schlussphase eines Grand-Slam-Turniers passiert.» Er spürt mit den New Yorkern eine spezielle Verbindung. «Meine erste grosse Auslandsreise führte hierhin», erzählt er. «Mein Vater brachte mich zu Freunden in der Bronx, ich lernte die Gesellschaft der Schwarzen von hier kennen.» Dann seien sie zu seinen Spielen gekommen, deshalb habe er am US Open immer viele Fans. Den Support hat er allerdings dank seines spektakulären Spiels und wegen der Showeinlagen überall auf der Welt. Einer dieser Fans ist Roger Federer. «Er macht dem Publikum Freude, es macht riesigen Spass, gegen ihn zu spielen», schwärmt der fünffache US-Open-Champion. «Er ist aber immer fair. Seine Spässe sind nie gegen den Gegner gerichtet.» Monfils habe dank seiner Grösse (1,93 m) und seiner Schnelligkeit ein unglaubliches Potenzial, Bälle auszugraben und könne so für lange und spektakuläre Ballwechsel sorgen. Kein Wunder: Monfils war im Alter von 13 und 14 Jahren französischer Meister im 100-m-Sprint. Wenn Monfils den Schweizer kurz und prä­gnant beschreiben müsste, wäre dies «Monsieur Tennis». Er erklärt: «Wenn man das Wort Tennis sagt, denkt man an Federer.» Er sei eine Legende, seiner Meinung nach der Beste, den es bis jetzt gegeben habe. «Ich habe das Glück, Roger auch neben dem Platz zu kennen», betont er. «Er ist nicht nur eine Legende, sondern auch lustig und generös. Ganz einfach ein aussergewöhnlicher Typ.» Von den Spielen gegen Federer werde er einst seinen Kindern erzählen, sagte Monfils. Federer lacht, als er dies hört. «Dann spielen wir für seine noch ungeborenen Kinder. Hoffentlich kann er ihnen von einem guten Spiel erzählen.» Daran bestehen kaum Zweifel.

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