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Mord an Mädchen wegen Klatsch auf Facebook

Arnheim. Ein 15-Jähriger soll in Holland eine Gleich­altrige umgebracht haben, weil diese auf Facebook Gerüchte verbreitet habe. Angeheuert haben ihn demnach zwei weitere Jugendliche. Heute fällt das erste Urteil.

Der Angeklagte hat die Tat gestanden. Er soll nicht nur die 15-jährige Winsie getötet haben, sondern auch deren Vater verletzt haben. Für den Auftragsmord bekam der mutmassliche Täter laut Staatsanwaltschaft zwischen 20 und 100 Euro.

Alles hatte mit bösem Klatsch auf Facebook begonnen, wie die Staatsanwältin Josan Schram schilderte. Winsie hatte demnach verbreitet, dass ihre beste Freundin Polly Sex mit mehreren Jungen hatte.

Dafür wollte Polly sich angeblich rächen. Wochenlang habe sie mit ihrem 17-jährigen Freund ein Mordkomplott geschmiedet, sagte die Anklägerin. «Winsie musste getötet werden.» Dann hätten die beiden Anstifter den Angeklagten bezahlt. Als dieser kalte Füsse kriegte, habe ihm das Pärchen gedroht: Sie gaben vor, Kontakte zur chinesischen Mafia zu haben. Alle vier Beteiligten stammen aus der chinesischen Gemeinschaft.

Am 14. Januar soll der Täter auf Winsie im Eingang ihres Elternhauses in Arnheim eingestochen haben. Ihr Vater wurde beim Versuch, ihr zu helfen, verletzt. Das Mädchen starb fünf Tage später im Spital.

Der bereits vorbestrafte Angeklagte ist Gutachten zufolge nur vermindert zurechnungsfähig und psychisch gestört. Er habe unter Druck der beiden Anstifter gehandelt, führte die Verteidigung an.

Das aber wies die Anklage zurück. Er habe die beiden Älteren bewundert. «Er wollte dazugehören», sagte Staatsanwältin Schram. Da die Gefahr einer Wiederholungstat gross sei, forderte die Anklägerin auch Zwangstherapie.

Höhere Strafe gefordert

Der in Holland als «Facebook-Mord» bekannt gewordene Fall hat das Land erschüttert. Im Internet zeigten viele Holländer ihre Empörung und forderten eine höhere Strafe. Da der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat erst 14 Jahre alt war, ist das nach Aussagen der Staatsanwältin aber nicht möglich.

Der Vater des ermordeten Mädchens machte vor allem das Internet verantwortlich. «Die Gefahren für Jugendliche durch Chatten und Soziale Medien werden unterschätzt», sagte er in seinem Schlusswort vor Gericht unter Tränen.

Vor einer einseitigen Schuldzuweisung warnte dagegen Remco Pijpers, Direktor der Stiftung «Mein Kind online» («Mijn kind online»), die Eltern bei der Internetnutzung ihrer Kinder berät. «Im direkten Kontakt wird viel mehr gemobbt als im Internet.» Allerdings werde das online als schlimmer erfahren. «Dann ist man plötzlich vor Hunderten Facebook-Freunden blamiert», sagte Pijpers.

Dem mutmasslichen Täter droht nun die Höchststrafe für vorsätzlichen Mord und versuchten Totschlag: ein Jahr Jugendgefängnis und mindestens zwei Jahre Zwangstherapie in einer Klinik für Straftäter. Das Verfahren gegen die beiden möglichen Anstifter wird im Oktober fortgesetzt.

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