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Mordanklagen gegen Kumpel in Südafrika vorerst zurückgezogen

Nach dem tödlichen Polizeieinsatz in der südafrikanischen Platinmine Marikana sind die ersten festgenommenen Minenarbeiter wieder auf freien Fuss gesetzt worden. Ein Gericht nahe Pretoria entschied am Montag, 47 von 270 inhaftierten Bergarbeitern freizulassen.

Richter Esau Bodigelo bestätigte zugleich Angaben der Staatsanwaltschaft vom Vortag, wonach die Mordanklagen gegen die Arbeiter vorerst zurückgezogen werden.

Allerdings bleiben nach den Worten von Staatsanwalt Nigel Carpenter einige Anklagepunkte wie öffentliche Gewalt und illegaler Besitz von Feuerwaffen bestehen.

Bodigelo hatte mit der Mordanklage gegen die 270 Bergleute vergangene Woche für Empörung gesorgt, nachdem 34 ihrer Kollegen bei dem blutigen Einsatz im Zuge eines Streiks Mitte August in Marikana von der Polizei erschossen worden waren.

Der Richter hatte die Anklage nicht begründet. Juristen gehen jedoch davon aus, dass er sich dabei auf ein Gesetz aus der Zeit der Apartheid berief, wonach bei einer Schiesserei unter Beteiligung der Polizei alle Menschen angeklagt werden, die vor Ort festgenommen wurden.

Angesichts der öffentlichen Empörung hatte die Staatsanwaltschaft am Sonntag die Aussetzung der Mordanklagen verkündet. Die inhaftierten Arbeiter können aber nur auf freien Fuss gesetzt werden, wenn sie eine gültige Adresse vorweisen.

Für viele ist das unmöglich, da es sich bei ihnen oftmals um Wanderarbeiter handelt, die in Baracken bei den Minen hausen. Die Bergleute erschienen am Montag in Gruppen vor Gericht.

Die freigelassenen Kumpel verliessen das Gericht tanzend und singend. Sie wurden von jubelnden Angehörigen empfangen und mit bereitstehenden Minibussen zu einem Fest nach Marikana gefahren.

Viele Fälle mussten noch geklärt werden, bis die Leute dann freigelassen werden können. Rund 110 Bergmänner bleiben aber in Haft, weil die Angaben ihrer Wohnorte gar nicht überprüft werden konnten.

Während des wilden Streiks in der Lonmin-Mine westlich von Pretoria waren 34 Bergleute bei den Ausschreitungen am 16. August von der Polizei getötet worden. Die Ordnungskräfte hatten angegeben, in Notwehr gehandelt zu haben. Diese Darstellung wurde aber zusehends angezweifelt.

Zehn Menschen waren bereits in den vorangegangenen Tagen bei Zusammenstössen gestorben, darunter vier Sicherheitskräfte. Die Ausschreitungen gelten als die schlimmste Gewaltwelle dieser Art seit dem Ende des Apartheid-Regimes 1994. Die Arbeiter hatten eine deutliche Lohnerhöhung verlangt.

(sda)

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