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Mozart und Salieri zum Saisonstart – ohne Gift

Mit Arien, Duetten und Ouvertüren von Mozart und Salieri startet das Musikkollegium heute Abend in die Saison. Das Extrakonzert wird auch live auf die Aussenwand des Stadthauses übertragen.Public Viewing im PArk

Die Kombination «Mozart und Salieri» weckt bekanntlich kriminelle Fantasien. Das Gerücht ist zwar schon lange vom Tisch, aber die Legende offenbar zu faszinierend. Dass Mozart vergiftet worden sei, las man schon bald nach seinem Tod in einer Prager Zeitungsnotiz. Die Vermutung allerdings, Salieri sei der Täter gewesen, wurde erst viel später laut, und noch vor seinem Tod 1825 verwahrte sich dieser gegen das «absurde Gerücht». Es half wenig: Alexander Puschkin entdeckte schon wenige Jahre später das ­literarische Potenzial des Themas mit Mozart und Salieri als Prot­ago­nis­ten eines Künstlerdramas. Genie und Talent In diesem Drama ging es um den wenige Jahre älteren, als Hofkomponist eta­blier­ten und gefeierten Salieri und den jüngeren Konkurrenten, es ging um das Talent, das sich an der Kunst abarbeitet und das Genie, das allen Mühen spottet, um Neid, Scham, Hass – und Gift. Populär und durch filmischen Realismus erst recht aufgebauscht wurde die Legende durch Milos Formans Kinofilm «Amadeus» in jüngerer Zeit noch einmal zum scheinbar wirklichen Fall. Die Realität war differenzierter. Zwar sprach Mozart seinem Vater ge­gen­über von Salieris «erstaunlichen Cabalen», aber die Beziehung der beiden war auch eine der vielfältigen kollegialen Zusammenarbeit und der Wertschätzung, über die Mozart noch 1791 anlässlich des gemeinsamen Besuchs der «Zauberflöte» mit Freude berichtete. Die beiden waren schlicht zentrale Exponenten der vielfältigen Wiener Musikszene. Die italienische Oper spielte da eine dominante Rolle, aber es setzte sich auch einer durch, der die italienische Schule zwar mit Erfolg durchlaufen hatte, aber mit Singspiel und deutscher Oper neue Wege ging. Mozart, der Italiener Allerdings: Noch in seinem Todesjahr komponierte Mozart ein Werk in der Tradition der Opera seria, «La clemenza di Tito», und mit der Ouvertüre dazu eröffnen Douglas Boyd und das Orchester sinnigerweise auch das Konzert. In Arien und Duetten wirken mit der amerikanische Tenor Kenneth Tarver und die chinesische Sopranistin Sen Guo, En­sem­ble­mitglied des Opernhauses, mit klingendem Namen auch in Winterthur. Sen Guo war der Star der Silvestergala 2012, und im Theater hatte man sie als ebenso pfif­fige wie anmutige Giulia in Ros­sinis «La scala di seta» (2011) erlebt. Aber schon 2005 wirkte sie in einer jener Raritäten mit – «Lucio Silla» von Johann Christian Bach –, die das Opernhaus im Theater Winterthur zu inszenieren pflegte. Zu diesen Raritäten gehörten zweimal auch Werke von Anto- nio Salieri: «Axur, re d’Ormus» (2003) und «La grotta di Trofonio» (2009). Angesiedelt zwischen heroischem Drama, Komödie und gleichnishaftem Lehrstück liessen diese Opern das Spektrum eines in seiner Zeit europaweit erfolgreichen und keineswegs einförmigen Theatermannes und Musikers erkennen. Das war einmal Die Ouvertüre, Arien und Duett aus «Axur» stehen unter anderem auch heute auf dem Programm. Was Mozart betrifft, kann man sich auf «Idomeneo» sowie Konzertarien freuen, insgesamt auf einen Abend, der es nicht auf eine «giftige», sondern im Nebeneinander beider Komponisten gewiss anregende Hörerfahrung anlegt. Der «giftige Wettstreit» hatte in Winterthur im Übrigen seine eigene Pointe. Als die Zürcher Oper ihre Raritätenpflege ins Theater Winterthur verlegte, fühlte man sich hier auch beleidigt. «In Zürich machen sie den Mozart, in Wintethur den Salieri», hiess es. Nun, das war einmal. Gerade in der anlaufenden Saison zum Beispiel wird das Musikkollegium mit Konzert Theater Bern zusammen hier die «Zauberflöte» aufführen. «Mozart und Salieri» als Knatschthema ist out, heute Abend heisst es Mozart und Salieri ohne Anführungszeichen. Herbert Büttiker Nicht nur im Stadthaus, auch draussen im Park zum Hotel Bloom hin kann das Extrakonzert des Musikkollegiums live mitverfolgt werden. Spätestens ab 20.30 Uhr wird es genügend dunkel sein, um den Auftritt von Orchester, Dirigent und Solisten auch optisch mitzuverfolgen, verspricht das Musikkollegium. Grafisch aufbereitet werden die Bilder vom Videokünstler Georg Lendorff. Zudem hat es dort eine Bar. Mozart und Salieri: Heute, 19.30 Uhr, Stadthaus Winterthur. Extrakonzert mit Videoprojektion.

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