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Münz ab ins Kabinett!

Die Sportler ärgern sich, dass sie für ihre Park­plätze bei den städtischen Turnhallen neuerdings zahlen müssen – und zwar nicht an einem Münzautomaten, sondern per Telefon oder übers Internet. Das sorgt für einige Verwirrung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass den Schweizern das Bargeld noch immer das natürlichste Zahlungsmittel ist. Wenn wir schon zahlen, dann am liebsten in Cash, mit Münzen, die wir ­einzeln in einen Schlitz werfen. Das Fehlen eines Automaten wird als Zumutung empfunden.

In Skandinavien würde man über so viel Technikmuffeligkeit nur den Kopf schütteln. Dort ­bezahlt man auch im Café und am Kiosk mit Kreditkarte oder gleich per Handy. «Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität», sagt die schwedische ­Regierung ganz offiziell. Es ­werde vornehmlich für Schwarzarbeit, Prostitution und andere krumme Dinger benutzt. Ehr­liche Bürger zahlen bargeldlos.

Stadtrat Stefan Fritschi sollte sich also nicht ärgern über die Kritik aus Sportler- und Schulkreisen. Das ist eben der Preis dafür, wenn man seine Wähler unerschrocken in die bargeldlose Zukunft führt. Wenn sie künftig ganz ohne Münz aus dem Haus gehen, kommen sie auch sicher nicht in schlechte Gesellschaft. Parteikollegin Barbara Günthard-Maier könnte sich im Nationalratswahlkampf einer noch sichereren «sichersten Grossstadt» rühmen. Ist das Klimpergeld erst aus dem Alltag verschwunden, gewinnt auch eine Winterthurer In­sti­tu­tion wieder an Relevanz: das Münzkabinett. Neben Numismatikern und Historikerinnen pilgert plötzlich tout Winterthur hin, um nostalgisch wieder einmal einen Fünf­liber zu streicheln.

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