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Musik voller Licht

Das Tonhalle-Orchester Zürich hat am Mittwoch «This Same Light» des jungen Amerikaners Matthew Aucoin zur Europäischen Erstaufführung gebracht.

«Porträt eines Wunders» titelte das «Wall Street Journal» einen Artikel über den 24jährigen US-amerikanischen Komponisten Matthew Aucoin. Nun hat das Tonhalle Orchester Zürich den gefeierten Künstler auch bei uns vorgestellt – mit der Europäischen Erstaufführung seines Orchesterstücks «This Same Light». Der Franzose Alain Altinoglu, ebenfalls am Beginn einer grossen Karriere, dirigierte.

Oper bestellt

Aucoins Werdegang ist in der Tat erstaunlich. Mit vier Jahren hat er zu komponieren begonnen, mit sieben erstmals ein eigenes Werk im Konzert gehört. Inzwischen hat sogar die New Yorker Met eine Oper bei ihm bestellt – es wird seine fünfte werden. Zugleich macht er Karriere als Dirigent und publiziert Essays und Gedichte.Aucoin ist Vertreter einer jungen Komponistengeneration, die sich jenseits der europäischen Neuen Musik und des amerikanischen Minimalismus einen eigenen Weg sucht und dabei keine Berührungsängste kennt. «This Same Light» ist eine beachtliche Visitenkarte, ein sicher gesetztes Stück mit Passagen von purer Schönheit.

Stimmige Balance geschaffen

Aus dem zarten Beginn, einem Solo der Harfe, das von den Streichern mit Glissando-Figuren beantwortet wird, entwickelt sich lichtdurchflutete Musik, die alle Möglichkeiten eines grossen Orchesters einsetzt. Klangballungen mit strahlendem Blech stehen neben kammermusikalischen Passagen, etwa den von leisem Streichertremolo grundierten Gesangslinien des Solo-Cellos.Das ist Musik, die ihr Publikum packt, ohne Scheu vor der Tradition, aber nicht rückwärts gewandt. Das Orchester spielte farbenreich, mit geschliffener Brillanz. Das ausgedehnte Violinsolo interpretierte Konzertmeister Andreas Janke überlegen.Zur jungen Generation gehört auch der französische Pianist David Fray. Mit leichthändiger, sich nie in den Vordergrund drängender Virtuosität spielte er W. A. Mozart Klavierkonzert Nr. 22 KV 482. Das Orchester begleitete mit festlichem Glanz. Der Dirigent sorgte für die stimmige Balance zwischen den Streichern und den beseelt musizierenden Holzbläsern.

«Einfach geil!»

Das Ereignis des Abends aber war Nikolaj Rimskij-Korsakows «Schéhérezade». In seiner mitreissenden Interpretation setzte Altinoglu die Partitur förmlich unter Strom, reizte ihre Farbenpracht und ihre Kontraste aus, behielt aber auch im Detail den gestalterischen Überblick. Die vorwärts getriebenen, klanglich geschärften Rhythmen des Schlusssatzes hörte man so plötzlich als Vorboten des «Sacre du printemps» von Rimskys Schüler Igor Strawinsky.Das Orchester spielte mit packender Intensität, mit präzisen, homogenen Streichern und beseelt phrasierenden Holzbläsern. Janke gab den Violin-Soli beredten Ausdruck. «Einfach geil!» kommentierte ein junger Mann beim Schlussapplaus.

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