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Muslimin aus der Oper geworfen

Das Burkaverbot bewegt Frankreich weiter: Eine Touristin mit einem Ganzkörperschleier wurde aus der Pariser Oper gewiesen. Die Sänger weigerten sich, vor ihr aufzutreten.

Die Soiree an der Pariser Oper hatte festlich begonnen, da folgte schon das dramatische Momentum: Während einer Pause sprach ein Sitzanweiser im Publikum diskret eine völlig verhüllte Frau in der ersten Reihe an, worauf sich ihr Begleiter erhob und den Saal zusammen mit der Frau verliess. Verdis Dreiakter ging ohne Unterbrüche weiter. In Paris setzte die Aufregung aber erst jetzt ein. Erstmals war eine Frau, die den Nikab trug, der bis auf die Augenpartie den gesamten Körper verhüllt, der Oper verwiesen worden. Die Frau soll eine Touristin aus einem Golfstaat gewesen sein. Am Eingang der Oper hatte sie niemand aufgehalten, obwohl ein französisches Gesetz die Gesichtsverhüllung in der Öffentlichkeit seit 2011 ausdrücklich untersagt. Die Mitglieder des Chors weigerten sich jedoch, vor der verschleierten Person zu singen. Der Sitzanweiser bat sie darauf, wie vom Gesetz vorgeschrieben, das Gesicht zu entblössen oder aber den Raum zu verlassen. Die Burkadebatte dreht sich in Paris seit einiger Zeit um die Frage, wie die Behörden mit arabischen Touristinnen im Nikab umgehen sollen. In Taxis und Hotellobbys wird der Nikab geduldet, aber auf dem Gehsteig gilt das Verbot. Es wird aber unterschiedlich angewendet. Sogar die Angestellten der Oper verfolgen keine einheitliche Linie. Vor wenigen Tagen machte ein weiterer Fall Schlagzeilen. Nadine Morano, eine frühere Ministerin unter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, hatte auf einem Perron vergeblich eine Frau im Nikab anzuhalten versucht und nach der Polizei gerufen. Diese verlangte aber zuerst die Identitätskarte der landesweit bekannten Politikerin, ohne die verhüllte Frau anzuhalten – worauf Morano die Nerven verlor.

Bisher über 800 Bussen

Solche Zwischenfälle machen klar, dass die Burkafrage in Frankreich drei Jahre nach Einführung des Verbots keineswegs geklärt ist. Seit Inkrafttreten des Gesetzes sind in Frankreich über 800 Burkaträgerinnen mit je 150 Euro gebüsst worden. In einigen Pariser Vorstädten wie Trappes kommt es dabei immer wieder zu Zusammenstössen mit der Polizei, wenn diese versucht, Widerstand leistende Frauen oder Paare zu büssen. Gegner des Burkaverbots weisen darauf hin, dass Islamisten solche Kontrollen provozieren, um sie zu «islamfeindlichen Akten» zu stilisieren. Das Gesetz vermeidet Hinweise auf die Religion und untersagt die Gesichtsverschleierung wegen mangelnder Identifizierbarkeit. Der Europäische Menschengerichtshof in Strassburg hatte das Burkaverbot im Juni grundsätzlich zugelassen.

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