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«Muss es nicht an grosse Glocke hängen»

In seinem Atelier in Mar­tha­len stellt Peter Justesen filigrane Skulpturen her und malt Bilder in Öl und Acryl. Zwischendurch puttet er aber auch Golfbälle ein.

Peter Justesen ist gerne in Bewegung. Der bald 65-Jährige spielt Golf, Tennis, wandert, taucht und fliegt. Als Swissair-Pilot bewegte Justesen 25 Jahre lang Flugzeuge jeder Grösse durch die Lüfte. Justesen malt seit vielen Jahren, seit seiner Frühpensionierung – «Schuld war das Grounding» – aber noch intensiver. Für seine Bilder verwendet er Acryl, Öl, Tusche und Tinte.

«Ich lasse mich oft von Fotos in Magazinen und Zeitungen inspirieren», sagt Justesen. So diente ihm zum Beispiel ein Tango tanzendes Paar als Vorlage. Oder aber eine Einkaufstüte. In Kopenhagen, wo Justesen aufgewachsen ist, entstanden Bilder mit Surfern, Seglern und Möwen.

Kopf auslüften mit Golf

Seine künstlerische Ader kommt nicht von ungefähr. Die Mutter war nicht nur ausgebildete Konzertpianistin, sondern bemalte auch königliches dänisches Porzellan. «Während meine Mutter Tassen, Teller und Krüge verzierte, stellte ich kleine, filigrane Figuren aus Ton her.» Am liebsten Eskimos. «Mein Onkel hatte mir viel von Grönland erzählt. Diese Geschichten faszinierten mich.» Die Figuren, die Justesen heute herstellt, sind immer noch elegant und grazil. Und die meisten sind in Bewegung, so wie drei Künstler am Trapez, eine Ballerina beim Tanz oder vier Golfer beim Einlochen.

Justesen, der selber ein passionierter Golfspieler ist, hat sich im Atelier aus Spass ein Putting eingerichtet. Hierzu hat er aus dem Boden ein kreisrundes Loch gesägt. «Während meiner kreativen Arbeit muss ich zwischendurch den Kopf auslüften. Dann mache ich zum Ausgleich ein paar Schläge», sagt Justesen und lacht. Dass er bei seinen Bildern und Figuren nicht nur seine Hände, sondern oft auch seinen Kopf einsetzt, zeigt die Skulptur «Brainstorming». Diverse kleine Figürchen klettern an einem Kopf hoch, um zur Zen­trale, zum Hirn, zu gelangen und dort über Ideen zu brüten. Und bei «Brainwash» wird das mit Isolationsmaterial dargestellte Hirn in der Waschanlage gereinigt. Für seine Skulpturen verwendet Justesen Zement, Gips, Holz, Stahldraht, Klebeband und als Abschluss Acrylfarbe. Diese lässt die Skulptur wie Bronze wirken. «Das ist mein Ziel, nur sind meine Figuren viel günstiger und leichter als jene aus echter Bronze», sagt Justesen und schmunzelt.

Mut sammeln für eigene Schau

Alberto Giacometti ist eines von Justesens grossen Vorbildern. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht in der Tat, und dennoch, der Mar­tha­ler hat seinen ganz persönlichen Stil und eine individuelle Technik. Die zahlreichen Skulpturen stehen respektive bewegen sich nicht nur in Justesens Atelier, sondern auf allen vier Stockwerken seines Reihenhauses. «Langsam ist es an der Zeit, dass mein Mann einige Objekte verkauft, der Platz wird knapp», sagt Lis Justesen und lacht. An der Biennale in Uhwiesen sowie in der ZKB-Fliliale in Mar­tha­len hatte er bereits einmal Gelegenheit, ein paar seiner Bilder und Skulpturen zu zeigen. Für eine eigene, grössere Ausstellung fehlte ihm bisher aber der Mut. «Obwohl ich seit 30 Jahren in Mar­tha­len lebe und in diversen Vereinen aktiv war, wissen nur die wenigsten, dass ich auch Künstler bin.» Das sei auch gut so. «Ich muss das nicht an die grosse Glocke hängen», so Justesen. Bevor er an eine eigene Ausstellung hier denkt, reist er mit seiner Frau nach Dänemark. Dort zeigt er diesen Sommer mit 30 anderen Kunstschaffenden in einer Schiffswerft in Nyköbing nördlich von Kopenhagen eine Auswahl seiner Skulpturen und Bilder.

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