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Nach dem Debakel auf Kurs

Die erste von drei Umbauetappen in der geschlossenen Abteilung des Massnahmenzentrums Uitikon konnte termingerecht abgeschlossen werden. Nach dem Baustopp von Ende 2010 laufe nun im zweiten Anlauf alles plangemäss, betonen die Verantwortlichen.

Für den Umbau wurde die Anzahl Zimmer in der geschlossenen Abteilung von 16 auf 10 reduziert. Nun stehen 10 neue bereit; die bisherigen mussten geräumt werden für die nächste Bauetappe. Dabei konnten die jungen Straftäter nicht einfach von ihrem alten in ein neues Zimmer verlegt werden, wie Michael Rubertus, Direktor des Massnahmenzentrums Uitikon (MZU), gestern vor den Medien ausführte. Die jungen Männer mussten aus Sicherheitsgründen für die Dauer der Bauabnahme sowie des Einrichtens der neuen Bauabschnitte in Gefängnisse ausquartiert werden. Dort wurden sie weiter vom MZU betreut. «Ich höre, dass sich einige freuen, morgen zurückkehren zu dürfen», sagte Rubertus und nannte dies einen schönen therapeutischen Nebeneffekt. Im Übrigen betonte er, dass das MZU nun mehr als früher wie ein Gefängnis aussehe. So haben die Zimmer zwar keine Gitter vor den Fenstern. Diese lassen sich aber nicht öffnen und bestehen aus sichtbar dickem Glas. Die vorherrschenden Farben sind Grau und Weiss. Die Türen sind aus Metall. «Wir sind kein Jugendheim», sagte Rubertus und erinnerte dar­an, dass die hier untergebrachten Jugendlichen und jungen Erwachsenen schwerste Straftaten begangen haben. Die Täter stammen aus Zürich und den weiteren Kantonen des Ostschweizer Strafvollzugskonkordats. Im Endausbau werden im MZU 30 Plätze in der geschlossenen Abteilung zur Verfügung stehen. Hinzu kommen die bestehenden 34 Plätze im halboffenen Vollzug. Klage noch nicht vom Tisch Der Umbau dürfte fristgerecht im Herbst 2014 abgeschlossen sein, sagte David Vogt, Abteilungsleiter im Hochbauamt der kantonalen Baudirektion. Auch seien keine weiteren Kostenüberschreitungen absehbar. Aufgrund der Vorgeschichte des Projektes betonte er dies ganz speziell. Ende 2010 hatte die Baudirektion den betrauten Generalplanern gekündigt und einen Baustopp verfügt. Baudirektor Markus Kägi musste mitteilen, dass das Bauvorhaben 39 statt 29 Millionen Franken kosten werde. Die Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrates erstellte einen Bericht, gemäss dem vor allem das Hochbauamt schuld am Debakel war, weil es schlecht koordiniert und zu wenig kon­trol­liert hatte. Die Baudirektion wiederum beharrte darauf, dass vor allem die Generalplaner versagt hätten, worauf diese offene Forderungen von einer Million Franken anführten und eine Klage androhten. Das war vor mehr als einem Jahr. Seither habe man von den Planern nichts mehr gehört, sagte Vogt gestern. Das bedeute nicht unbedingt Klageverzicht, erklärte später auf Anfrage Danni Härry, Sprecher der damals zur Planungsgruppe gehörenden Firmen. Diese seien noch am Abklären, welches Vorgehen ihnen am dienlichsten sei. Besucherzimmer mit Bett Die erste Bauetappe umfasste vor allem einen Neubau, der die geschlossene mit der offenen Abteilung verbindet. Hier liegt jetzt auch der zentrale und einzige Eingang ins MZU. Bisher gab es drei Eingänge, was von der Sicherheit her nicht optimal war, wie Anstaltsdirektor Rubertus sagte. Der Empfang beziehungsweise «die Loge» ist verglast, der Sicherheitsverantwortliche kann über zehn Monitore Gebäude und Gelände überwachen. Rund 100 Kameras sind möglichst diskret installiert. Wer eintritt, passiert einen Metalldetektor. Die Zimmer der Straftäter reihen sich auf einer Gangseite aneinander, auf der anderen Seite des Gangs liegen die Räume für den gemeinschaftlichen Aufenthalt. Spartanisch eingerichtet sind die Disziplinarzellen. Die bis 18-Jährigen können maximal sieben Tage dorthin verbannt werden, die 18- bis 25-Jährigen 20 Tage; für eine Stunde pro Tag dürfen sie ins Freie – in einen fensterlosen, nach oben vergitterten Hof. Bei den Besuchszimmern gibt es drei verschiedene Arten: solche mit und solche ohne Panzerglas zwischen Inhaftiertem und Besucher, zudem eines mit Bett und Dusche. Auch das sei punkto Sicherheit ein Gewinn, sagte Rubertus. Man könne den jungen Männern sexuelle Kontakte ja nicht völlig untersagen. Bis anhin seien solche Treffen nur in den Zimmern möglich gewesen. Die jungen Straftäter erhalten im MZU Schulunterricht, viele absolvieren in einem der anstaltseigenen Betriebe eine Ausbildung. Dar­über hinaus wird therapiert – dies vor allem in Auseinandersetzung mit den verübten Straftaten. Im Endausbau werden Therapie- und Schulungsräume nebeneinanderliegen. Das werde verdeutlichen, so Rubertus, dass hier wie dort Arbeit angesagt sei.

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