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Nach gefragt

«Männer nehmen Grenzen wahr»

Immer mehr Söhne pflegen oder betreuen einen Elternteil: Gemäss der Swiss Age Care 2010 sind rund ein Drittel der pflegenden Angehörigen Männer, wovon jeder Dritte die Mutter oder den Vater betreut. Sind das besondere Männer?

Bettina Ugolini*: Das sind zwar keine besonderen Männer, aber die Studie macht sie endlich sichtbar. Denn da, wo keine Frauen respektive Töchter sind, übernehmen die Männer diese Aufgabe.

Und wie machen diese ihre Arbeit? Anders als Frauen?

Die Männer sind gewiss nicht weniger engagiert. Sie packen aber die eine oder andere Aufgabe anders an. Sie sind oftmals organisierter als Frauen, die eher ­intuitiv Aufgaben angehen. Die Männer bringen vermehrt ihre Berufserfahrung in die Pflege ein und folgen dabei den erlernten und bekannten Strategien, also eher lösungsorientiert, um das Problem unter Kontrolle zu halten. Und sie holen sich die nötige Hilfe von aussen.

Wie gehen die Männer mit ­Tabus um, zum Beispiel im Bereich Intimpflege?

Das ist wohl die grösste Herausforderung. Männer sind aber sensibler gegenüber ihren eigenen Grenzen und Möglichkeiten als Frauen. Sie nehmen ihre Grenzen wahr und ziehen schneller als Frauen professionelle Hilfe hinzu. Sie sind auch sensibler gegenüber der Schamgrenze der Eltern.

Welche Hilfsangebote ­beanspruchen die Männer?

Bildung und Information. Nach dem Motto: Wo bekomme ich was? Wie funktioniert was? Der Austausch mit Gleichbetroffenen ist eher untergeordnet.

Wie kann ein Pflegeverhältnis optimal gestaltet werden?

Es sollte absolute Transparenz über Wünsche, Erwartungen und Möglichkeiten hergestellt werden. Offen reden und gemeinsam respektvoll nach Lösungen zu ­suchen, ist dabei wichtig. s mü

* Dr. phil. Bettina Ugolini ist ­Di­plom­psychologin und leitet am Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich die Beratungsstelle LiA – Leben im Alter.

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