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Nach gefragt

«Fusionen führen in der Regel nicht zu Einsparungen»

Die Beratungsfirma BDO AG hat neben Bertschikon-Wiesendangen schon fast 50 Gemeinde­fusionen in diversen Kantonen begleitet. Wie gross ist aus Ihrer Erfahrung der Spareffekt bei Fusionen?

Patrick Deicher: In der Regel führen Zusammenschlüsse nicht zu Einsparungen. Allerdings muss dies nicht per se so sein. Unter bestimmten Voraussetzungen wäre es absolut möglich, dass Spareffekte erzielt werden.

Wo liegt das Problem?

Das Dilemma ist, dass bei einer Fusion jeweils der tiefste Steuerfuss der beteiligten Gemeinden, aber gleichzeitig auch die beste Dienstleistungsqualität angestrebt wird. Diese Rechnung kann einfach nicht aufgehen. Häufig wird im Fusionsprozess der Fehler gemacht, dass in Sachen Qualität und Syner­gie­nutzen gar keine Vorgaben definiert werden. Letztlich ist es halt immer eine politische Frage.

Wie ist es im konkreten Fall von Bertschikon und Wiesendangen gelaufen? Hat die Fusion zu Stellenaufstockungen und Mehrkosten auf der Verwaltung geführt?

Die Wiesendanger Verwaltung ist teilweise ergänzt worden. Das Gesamtpensum liegt aber tiefer als zuvor bei beiden Gemeindeverwaltungen zusammengerechnet. Wie sich die ganze Sache finanziell ausgewirkt hat, kann ich noch nicht sagen. Dies wird sich ein erstes Mal in der Rechnung 2014 zeigen. Es müssen aber auch die Folgejahre betrachtet werden. Allerdings wird es mit der Zeit auch schwierig zu unterscheiden, ob ein finanzieller Effekt durch die Fusion oder durch andere Faktoren ausgelöst wurde.

Haben finanzschwache Gemeinden überhaupt noch andere Möglichkeiten als Fusionen?

Ein Zusammenschluss ist nicht immer das Allheilmittel. In gewissen Si­tua­tio­nen kann es durchaus gute Gründe gegen eine Fusion geben. Finanzschwachen Gemeinden bleibt immer noch der Ausweg hin zu regionalen Kooperationslösungen. Daneben besteht auch Sparpotenzial durch Reorganisationen und Effizienzsteigerungen. Kürzungen von Dienstleistungen sind allerdings halt unpopuläre Massnahmen.

Hat eine Fusion auch mit einer Steuererhöhung eine Chance?

Nein, das ist nicht realistisch. Steuererhöhungen gehen eigentlich nur, wenn der Leidensdruck hoch ist oder man vor einem finanziellen Scherbenhaufen steht.

Ist Ihnen eine Gemeinde bekannt, die eine Fusion bereut und rückgängig gemacht hat?

Meines Wissens ist dies in der jüngeren Vergangenheit in der Schweiz nie vorgekommen. Eine Fusion rechnet sich ja auch nicht nur finanziell. Professionalisierung, bessere Dienstleistungen und mehr politisches Gewicht im Kanton sind genauso entscheidend. Kritische Stimmen wird es immer geben. Allerdings werden Probleme häufig auch auf Fusionen zurückgeführt, obwohl sie damit gar nichts zu tun haben.

Interview: Fabio Mauerhofer

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