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Nackte Zahlen sind nicht die Realität

Die Statistik zeigt: Der «rekordhohe» Anteil krimineller Asylsuchender ist weitaus tiefer als in den Neunzigerjahren.

Immer mehr Asylbewerber begehen kriminelle Handlungen – diese Nachricht sorgte in den letzten Wochen für Unruhe. Und tatsächlich: Der Anteil von Tatverdächtigen aus dem Asylbereich hat sich gemäss der polizeilichen Statistik innerhalb von rund zwei Jahren verdoppelt. Während sie 2010 noch 5,1 Prozent ausmachten, sind im ersten Halbjahr 2012 bereits 10,4 Prozent der mutmasslichen Täter Asylsuchende oder abgewiesene Asylbewerber. Doch blättert man in der neueren Geschichte ein paar Jahre zurück, verlieren diese statistischen Werte schnell einmal ihren Schrecken: In einer Antwort auf eine kantonsrätliche Interpellation aus dem Jahr 1998 befasste sich der Zürcher Regierungsrat mit der damals aktuellen Kriminalstatistik: 1996 betrug der Anteil von Asylbewerbern unter den Tatverdächtigen 12,8 Prozent. 1997 waren es bereits 18,5 Prozent. Dann verschwand das Thema relativ zügig aus der Öffentlichkeit und der Anteil Asylsuchender in der Kriminalstatistik purzelte kontinuierlich. 2006 lag er noch bei 6,7 Prozent. Bei den Zahlen handelt es sich bloss um Tatverdächtige. Wie viele von ihnen wegen eines Delikts verurteilt werden, ist nicht bekannt. Zudem ist beim Anstieg vor allem von Diebstählen die Rede – hier beträgt die Aufklärungsquote knapp 20 Prozent. Sprich: In nur einer von vier Taten wird ein Verdächtiger ermittelt. Keine Frage: Die Tendenz, dass heute mehr Asylsuchende Delikte begehen als noch vor zwei Jahren, trifft wohl zu. Von einer tatsächlichen «Verdoppelung» zu sprechen, ist angesichts der statistischen Ungenauigkeiten jedoch heikel. Auf der anderen Seite scheint es laut Statistik kaum noch Drogendealer mit Asylbewerberstatus zu geben. Der Grund ist jedoch ein anderer: Derzeit darf die Polizei nicht verdeckt gegen sie ermitteln, entsprechend wenige Täter werden gefasst. Asylrekord nicht gebrochen Genauso wie die Zahlen in der Kriminalstatistik schwanken auch diejenigen in der Asylstatistik. Ein Blick auf die vergangenen 22 Jahre zeigt zwei deutliche Spitzen: 1991 wurden in der Schweiz über 40 000 Asylgesuche eingereicht – das war nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in Osteuropa, in Kroatien hatte der Bürgerkrieg begonnen. 1993, inmitten des Krieges in Bosnien-Herzegowina, lag der Stand bei knapp 25 000 Asylgesuchen. Danach sank die Zahl, bis sie 1999 wieder auf über 45 000 anstieg – es war das Jahr, als der Kosovo-Konflikt eskalierte und die Nato Serbien bombardierte. Im Jahr 2011 sind beim Bund 22 551 Asylgesuche eingereicht worden. Das ist der höchste Wert seit 2002. Und im laufenden Jahr wird er wohl übertroffen. Als Gründe werden oft der Arabische Frühling und die Wirtschaftskrise genannt. Allerdings macht der Anteil der Flüchtlinge aus Syrien unter den 14 430 Asylsuchenden im ersten Halbjahr 2012 wider Erwarten bloss 3,8 Prozent aus. Die grösste Flüchtlingsgruppe bilden die Eritreer.

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