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Näher bei Gott trotz Staub und Schimmel

Ein Baugerüst in der barocken Klosterkirche Rhein­au verstellt die Sicht auf die Stuckaturen und die Fresken des Tessiner Malers Francesco Antonio Giorgioli (1655?1725). Ein Blick hinter und zwischen Gerüststangen auf die Renovierungsarbeiten.

«Sie hatten Freude an ihrer Arbeit und waren stolz auf ihr handwerkliches Können», sagt Franz Vodosek. Der aus Österreich stammende Mittfünfziger ist Stuckateur. Er redet mit grossem Respekt von seinen Vorgängern, die als Steinmetz, Maurer, Stuckateure oder Zimmerleute vor über 300 Jahren die neue Rhein­au­er Klosterkirche errichteten. Der kunsthandwerklichen Handschrift ihrer Vorfahren begegnen er und sein Berufskollege Björn Lehmann täglich auf ihrem Arbeitsplatz, 16 Meter über den Kirchenbänken.

Seit mehr als einem Jahr sind sie in der Klosterkirche beschäftigt. Die beiden sanieren die Decken und Wände im Innern des Kirchenschiffs. Kranz für Kranz, Ornament für Ornament und jeden Bogen überprüfen sie. Wenn sie die Stellen abklopfen, verrät sich ihnen jede hohle Stelle, die sich weiter ablösen könnte. Mit farbigen Post-it-Punkten markieren sie die losen Stellen. Entweder wird die schadhafte Stelle ganz abgelöst und mit einem Gemisch aus Kalkmörtel und Gips repariert. Oder eine lose Stelle durch Injektionen von Gips und Leimstoffen mit dem Untergrund verklebt. Dazu bohren sie an der gelösten Stelle zwei Löcher mit dem Akkuschrauber. Mit Druckluft wird der Hohlraum ausgeblasen, bis kein Staub mehr herauskommt, und anschliessend mit Wasser genässt. Nun wird die angemachte Masse mit der Spritze eines Grossviehdoktors in das eine Loch gepresst, bis sie beim andern Loch wieder herausquellen möchte. Die Kranzornamente sichern sie zusätzlich mit Stahlankern, die bis ins Mauerwerk aus Ziegel- oder Tuffstein reichen.

Qualitätsarbeit des Meisters

Ein paar Aluleitern und Gerüstdielen weiter arbeitet Konservator Erich Karrer an einem Deckenfresko. Gemalt wurde das Fresko «Jesus am Ölberg» vom Tessiner Maler Francesco Antonio Giorgioli, der alle Deckenbilder im Innern der Klosterkirche «a fresco» in den frischen, noch feuchten Kalkputz auftrug. «Am handwerklichen Können Giorgiolis liegt es nicht, dass heute die Bilder restauriert werden müssen», meint Karrer. «Sicher, am Rand der Fresken habe es Stellen, wo sich die Farbschicht ablöst. Vielleicht habe Giorgioli hier etwas zu trocken gearbeitet, sodass der Kranz die Feuchtigkeit zu schnell absorbieren konnte», meint er. «Weit mehr Schäden entstanden nach der Klosteraufhebung 1862 durch Vernachlässigung. Wasser konnte eindringen und an einigen Bildern sind grössere Teile ganz zerstört worden», erklärt der Restaurator.

Das für Laien einheitliche Fresko offenbart Karrers Restauratorenauge eine lange Geschichte von Arbeitstechniken, Vergänglichkeit, Reparaturen und Versäumnissen. So erkennt er noch heute die als Anhaltspunkte von Giorgioli in den frischen Kalkputz eingeritzten Hilfslinien. Auch sogenannte Tagwerkgrenzen kann er aus dem Gemälde herauslesen. Sorgfältig reinigt Karrer das Gemälde mit einem trockenen Latexschwamm vom Schimmel, der sich wegen der hohen Luftfeuchte an den Bilder ansammeln konnte.

Genaue Dokumentation

Daneben dokumentiert er seine Arbeit genau. «Für spätere Restauratoren ist es wichtig, zu wissen was genau an den Bildern gemacht wurde», so Karrer. Jeder Eingriff wird auf transparentem Planpapier, welches er auf ein Foto des Freskos legt, eingetragen.

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