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Naturschützer sichern tödliche Wanderroute

Hunderte Frösche und Kröten sind letztes Jahr zwischen Neftenbach und Dorf überfahren worden. Jetzt greift der Kanton ein: Die Strasse ins Flaachtal wird nachts gesperrt, sobald die Amphibienwanderung einsetzt.

Es war für Amphibien eine gefährliche, oft gar tödliche Reise: die Strecke zu ihren Laichplätzen im Lättenacker zwischen Hünikon und Dorf. Denn kurz vor dem Ziel kreuzt sie die Kantonsstrasse ins Flaachtal, was in der Vergangenheit etlichen Kröten, Fröschen und Molchen zum Verhängnis geworden ist. Sie kamen auf ihrer «Hochzeitsreise» buchstäblich unter die Räder und wurden überfahren.

Nach Meldungen von lokalen Naturschützern und nach Medienberichten schaute die kantonale Fachstelle Naturschutz die heikle Stelle genauer an. Sie kam zum Schluss: Die Amphibien haben einen besseren Schutz verdient als die mobilen Warntafeln, die bis jetzt jeweils an den Strassenrändern standen.

Deshalb hat die Kantonspolizei verfügt, dass die Strasse während der Amphibienwanderung erstmals temporär gesperrt wird. Die Sperrung dauert maximal einen Monat bis Mitte April und gilt jeweils von 18 bis 7 Uhr. Sie soll den Tausenden Fröschen und Kröten, die zu dieser Zeit auf Wanderschaft gehen, ein sicheres Überqueren der Strasse ermöglichen.

Es muss wärmer werden

Noch ist allerdings offen, wann die Autofahrer erstmals einen Umweg fahren müssen. Denn die tierische Wandersaison hat noch nicht begonnen, erst müssen die Temperaturen steigen. Gemäss Naturschützern setzt sich der Zug erst in Bewegung, wenn es abends fünf bis sechs Grad warm und feucht oder etwa zehn Grad und trocken ist. Derart mild wirds in den nächsten Tagen wohl nicht. «Aber gemäss Langfristprognose könnte die Witterung auf nächstes Wochenende stimmen und der Amphibienzug beginnen», sagt Jürg Kleeb, Vorstandsmitglied des Naturschutzvereins Neftenbach (NVN).

Kleeb ist der Koordinator der Strassensperrung vor Ort, denn der Kanton muss sich mangels eigener Ressourcen auf Freiwillige stützen. Kleeb kann auf ein Team von rund einem Dutzend Leute zählen: Mitglieder des NVN in Neftenbach, weitere freiwillige Helfer in Dorf. Sie werden abends die Ausziehgitter aufstellen und morgens wieder wegräumen.

Ab und zu werden die Naturschützer aber auch in der Nacht ausrücken. «Wir wollen den Zug gelegentlich nachts beobachten», sagt Kleeb. «Wir möchten genauer wissen, wie viele Tiere und welche Arten die Strasse dort überqueren.» Kleeb erwartet vor allem Erdkröten. Der Verkehr wird während der Sperrzeiten grossräumig umgeleitet.

Die Strasse ist bei Weitem nicht die einzige im Kanton, wo der Mensch zum Schutz der Amphibien eingreift (siehe Kasten). Als grobe Faustregel gilt: Wenn auf 100 Metern rund 100 Tiere überfahren werden, und das über mehrere Tage, dann kann ein Eingriff gerechtfertigt sein. Das wohl bekannteste Amphibienschutzgebiet der Umgebung befindet sich im Eigental zwischen Nürensdorf und Oberembrach. Dort haben die Frösche, Kröten und Molche diese Saison aber ohnehin freie Bahn. Die Strasse ist in einem so desolaten Zustand, dass sie aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde.

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