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Neue Fischer suchen Krebse

Wo es in Winterthur noch Edel- und Steinkrebse gibt, ist bekannt. Um die Stadt herum gibt es aber weisse Flecken auf der Verbreitungskarte. Die IG Dä neu Fischer will diese schliessen und herausfinden, wie schnell sich der gefährliche Amerikanische Signalkrebs ausbreitet.

Ohne breites Fundament stürzt die Spitze der Pyramide ab. So lässt sich zusammenfassen, warum sich die IG Dä neu Fischer auch für die kleinen Wasserlebewesen engagiert. Raubfische wie Bachforelle und Hecht könnten in unseren Gewässern nur leben, wenn es Kleinfische, Muscheln und Krebse gebe, sagt Präsident Rolf Schatz. «Der Kreislauf als Ganzes muss erhalten bleiben.» Für die Kleintiere tragfähige Lebensgrundlagen zu schaffen, verlange vielerlei Massnahmen, sagt er. Es sei ein Umdenken nötig bei Fischern, beim Kanton, beim Gewässerunterhalt und in der Landwirtschaft. Ein Projekt der Interessengemeinschaft ist die Kartierung der einheimischen Krebsbestände. «Der Krebs steht stellvertretend für alle Tierarten im Wasser», sagt Schatz. Krebse seien für gesunde Gewässer unverzichtbar, da sie Algen und Wasserpflanzen fressen und die Flussbette vor Verschlammung bewahren. Die Prognosen für Edelkrebs, Steinkrebs und Dohlenkrebs sind jedoch ungünstig. Sie sind vom Aussterben bedroht, aus Limmat, Rhein, Zürich- und Greifensee schon lange verschwunden. An ihrer Stelle ist der Kamberkrebs eingezogen, eine amerikanische Art. «Es steht miserabel um die einheimischen Krebse», sagt Schatz. Gute Bestände gebe es nur noch dort, wo keine intensive Landwirtschaft betrieben wird. Auf dem Gebiet der Stadt sind die Bestände schon einmal erfasst worden, unter anderem aufgrund von Angaben der Fischereiaufseher. Die Walcheweiher und die Zuflüsse des Mattenbachs sind demnach Rückzugsgebiete für den Edelkrebs und einzelne Steinkrebse. Über 1000 Edelkrebse hat Förster Gregor Fiechter vor der Sanierung der unteren Walcheweiher in den obersten gezügelt. «Unterdessen gibt es wieder Krebse in allen Weihern», sagt Fiechter. Zurückgekehrt seien Jungtiere und einzelne ältere Tiere. Keine Krebspest in der Stadt Anders sieht es entlang der Töss bis zur Kempt, an der Eulach bis zum Mattenbach und den Mattenbach hinauf aus. Auch diese Gewässer sind von einem amerikanischen Einwanderer besetzt, dem Signalkrebs. Er ist Träger der tödlichen Krebspest, selber aber immun gegen die Pilzkrankheit. Aktuell grassiere die Krebspest nicht in Winterthur, sagt Andreas Hertig, Fischereiadjunkt des Kantons. «Mehrere im Jahr 2012 untersuchten Signalkrebse waren nicht mit dem Pilz infiziert.» Die IG Dä neu Fischer will bis im Herbst die Kartierung der Krebsbestände abschliessen. Es fehlen nur noch die Daten aus den Bezirken Hinwil, Pfäffikon und Winterthur. Auch in der Stadt will Schatz noch einmal nach Krebsen suchen. Nicht weil er den vorhandenen Daten misstraut, aber weil sich beim Vergleich der neuen mit den alten Beständen feststellen lässt, wie schnell sich der unerwünschte Signalkrebs in Winterthur weiter verbreitet. Für die Suche nach den Krebsen ist die IG auf der Suche nach Freiwilligen, die nach Sonnenuntergang in Stiefeln und mit einer Taschenlampe ins Wasser steigen mögen. Voraussetzung sind gute Gesundheit, gute Augen und Interesse. Das nötige Wissen vermittelt Schatz den Freiwilligen nächste Woche an einem Infotreffen. «Möglich ist eine selbstständige Suche, aber auch eine Suche zusammen mit uns», sagt Schatz. Wichtig sei die Rückmeldung, ob es in einem Gewässer Krebse hat – die Bestimmung der Art übernehmen danach bei Bedarf Fachleute. Krebskartierung Bezirk Winterthur: Infoabend am Mittwoch, 4. Juni, 19 Uhr im Chileträff, am Kirchweg 1a in Neftenbach

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