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Neue Schutzverordnung Sihlwald stösst auf heftigen Widerstand

Reiter und Velofahrer sind mit dem Entwurf zur ­Revision der Schutzverordnung Sihlwald nicht einverstanden. ­An einer Informationsveranstaltung äusserten sie sich kritisch und angriffslustig. Sie kündigten zudem weitere Schritte an.

Der Interessenkonflikt um den Sihl­wald ist noch nicht ausgestanden. Der Entwurf zur revi­dier­ten Ver­ord­nung über den Schutz des Sihl­walds als Natur- und Land­schafts­schutzgebiet stiess Reitern und Velofahrern an der öf­fent­lichen Informationsveran­stal­tung am Montagabend sauer auf. Rolf Gerber, Chef des Kan­to­na­len Amts für Landschaft und Na­tur (ALN), sowie Hans­peter Tschanz, Projektleiter der Fachstelle Na­tur­schutz, präsentierten den Entwurf. Die seit 2008 geltende kantonale Schutzverordnung, welche die Nutzung und den Schutz der Naturlandschaft im Sihlwald regelt, sperrt einige Wege für Rei­ter und Velofahrer. Als Reaktion auf den Unmut der IG Sihlwald für ­alle, der Gemeinden Lang­nau und Hau­sen und einer Gruppe von Peti­tio­nä­ren über­ar­bei­te­te die Baudirektion die Schutzzonen. Dabei galt der Grundsatz, die Schutzziele und besonders den Schutz der Kernzone sowie das Label «Park von nationaler Bedeutung» nicht zu gefährden. Zynisches Gelächter Neu wird der Albis-Gratweg südöstlich des Aussichtsturms Albis-Hochwacht bis zum Beginn des Albismätteli-Wegs aus dem Perimeter des Schutzgebiets entlassen und für Velofahrer und Rei­ter wieder zugänglich gemacht. ­Ohne wichtige Naturwerte zu gefährden, soll auf dem gesamten rechten Sihl­ufer zwischen Sihluferweg und der Sihl der Leinenzwang für Hunde entfallen. Zugunsten regionaler Ver­bin­dun­gen sieht der Entwurf zusätzliche freie Wege für Velofahrer und Pferde vor. Gemäss dem 2008 gefäll­ten Beschluss will der Kanton hingegen die Bachtelen­strasse, die mitten durch die Kern­zone führt, ab 2019 den Fuss­gängern vorbehalten. «Wir sind der Meinung, dass die revi­dierte Schutzverordnung Rei­tern und Velofahrern genügend Al­ter­nativen bietet», sagte Hans­peter Tschanz. Unter den über 80 Anwesenden im Schwerzi-Saal Lang­nau reagierte diese Gruppe mit zynischem Gelächter. «Sollen wir etwa auf Teer reiten?», fragte eine Frau provokativ. Dass die Bachtelenstrasse nur Fuss­gänger zulässt, war den Reitern der grösste Dorn im Auge. Sie er­achten diese als wichtige Verbindung vom Lang­nauer Oberräng quer durch den Sihlwald nach Baar. Rolf Gerber entgeg­nete, dass sich das ALN in der Kernzone hart an der Grenze der Vorschriften bewege und das Entgegenkommen des Bundes ausreize. «Forderungen ignoriert» «Der Schnabelweg wird unser heis­sestes Thema», kündigte Bruno Heinzer, Präsident der IG Sihlwald für alle, die Schritte gegen den Entwurf an. Künftig steht der Schna­bel­weg, der eine Verbindung von Lang­nau nach Hau­sen und Richtung Albispass er­mög­licht, neben Velofahrern und Wan­de­rern auch den Reitern offen. Laut Heinzer ist der steile Weg mit den über 50 Treppenstufen für Pferde ungeeignet. Er forderte den Zugang vom Grat über den Spinnerweg zur Schnabelstrasse. Ernst Huber, ehemaliges Mitglied der Horg­ner Reitwegkommission, meinte, dass «ortsun­kun­dige Schreibtischtäter» den Ent­wurf ausgearbeitet hätten. Er be­dauerte, dass keiner der Peti­tio­näre an den Verhandlungstisch ein­ge­laden wurde. «Unsere Forderungen wurden mehrheitlich ignoriert.» Langfristige Entwicklungen Ein Velofahrer stellte den Sinn der Schutzverordnung infrage. Er for­derte das ALN auf, Resultate zum Nutzen der Verordnung zu lie­fern. Die Leiterin der Fach­stel­le Naturschutz, Ursina Wiedmer, sprach von langfristigen Entwick­lun­gen und wissenschaftlichen Ar­beiten, die im Gang seien. Als Bei­spiel für den Nutzen verwies sie auf die Greifensee-Schutzverordnung. «Bei den Vögeln zeigten sich grössere Bruterfolge.» Jürg Schäd­ler, Präsident der GLP Lang­nau, äusserte sich im Namen sei­ner Partei mit der neuen Auslegung als vollständig einverstanden. «Wächst die Bevölkerung wei­ter­hin so stark, werden die Men­schen in 50 Jahren über die grü­ne Lunge von Zürich froh sein», sagte Schädler. Sein Argument stimmte die Gegner nicht min­der angriffslustig. «Das ist kein grünes Denken», wendete ein Mitglied der IG ein. Der Gegner warf dem Kanton vor, das Gebiet für jede Menge Besucher mit Au­tos zu öffnen. Rolf Gerber pochte auf die Schutzverordnung. «Sollte die Entwicklung tatsächlich aus dem Ruder laufen, könnten wir ohne Schutzverordnung nichts dagegen machen», sagte er. Bis Ende Monat liegt der Entwurf in den sechs an den Sihl­wald grenzenden Gemeinden und beim ALN öffentlich auf. Bis Ende Oktober befindet sich der Entwurf in den Gemeinden, Planungsgruppen, Ämtern und Schutzorganisationen in der Vernehmlassung. Nach der Publikation der Änderung im Amtsblatt startet das formelle Rekursverfahren.

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