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NHL-Arbeitsstreit: Noch immer eine «grosse Differenz»

TORONTO. Bis am 15. September haben die Parteien noch Zeit, einen Lockout in der NHL zu verhindern. Es wird eng.

Es läuft, wie es immer läuft, wenn eine Vereinbarung ausläuft und eine neue getroffen werden muss: Die involvierten Parteien sind am Anfang sehr weit voneinander entfernt. Oder es besteht noch immer eine «grosse Differenz», wie gestern der Vertreter der NHL-Klubbesitzer nach dem Studium eines Gegenvorschlags der Spielergewerkschaft (NHLPA) kommentierte. Gary Bettman vertritt die Interessen der Klubbesitzer, Donald Fehr diejenigen der Eishockeyspieler in Nordamerika.

Bettman betonte gestern erneut, dass die Liga einen Lockout anordnen werde, sollte bis am 15. September der neue Arbeitsvertrag (Collective Bargaining Agreement, CBA) nicht unter Dach und Fach sein. Es geht den Klubbesitzern erneut darum, zu sparen. Vernünftig haushalten ohne Reglemente können sie offenbar nicht. Ein Lockout würde bedeuten, dass über 700 Eishockeyprofis frei wären für Jobs in Europa.

Der Vorschlag der NHL sieht eine sofortige Lohnreduktion der Spieler um 24 Prozent vor, dazu soll der Prozentanteil an den Einnahmen aus dem Eishockey-Business, der an die Spieler ausgerichtet wird, von 57 auf 43% fallen. Alleine die Lohnreduktion würde auf die gesamte Liga hochgerechnet 450 Millionen Dollar Minderausgaben bewirken. Dazu möchten die Besitzer die Länge der Verträge auf maximal fünf Jahre festlegen.

Die Spieler – in der Diskussion mit eingeschlossen waren auch die Schweizer Jonas Hiller und Mark Streit – sind bereit, ihren Teil zur Lösung der finanziellen Probleme der Liga zu leisten. Aber sie wollen nicht alleine den Schaden tragen. Der Gegenvorschlag der NHLPA tangiert nicht die bisherigen Verträge, aber laut den Rechnungen der Gewerkschaft würden 465 Millionen, die den Spielern zuständen, in die Liga fliessen. Das Geld soll so verteilt werden, dass die Klubs in Finanznot mehr erhalten als diejenigen ohne Sorgen.

Ausgerechnet die Besitzer

Dass Bettman einen Gegenvorschlag nach nur 24 Stunden Studium so kommentiert, dass noch immer eine grosse Differenz bestünde, lässt die Vermutung zu, dass er wie schon in den letzten Verhandlungen (Lockout 2004/05 sowie Teil-Lockout im Winter 1994/95) nichts anderes als den Willen der Klubbesitzer durchsetzen will. Sie sind ja auch sein Arbeitgeber.

Dass ausgerechnet die Besitzer eine Einschränkung der Vertragsdauer wollen, stösst der Gewerkschaft ziemlich auf. «Sie sind es ja selber, die solche übermässig langen Verträge abgeschlossen haben mit Spielern, die sie unbedingt wollten», kommentiert Fehr.

Er beklagt sich darüber, dass die NHL den Lockout nicht als letzte Möglichkeit sehe, sondern ihn als Druckmittel missbrauche. «Die Lohnkosten sollen auf den Stand vor dem Lockout 2004 zurückgefahren werden. Es gab damals eine Kürzung um 24 Prozent, machen wir nochmals eine Kürzung um den gleichen Betrag» – das in etwa sei die Haltung der Besitzer, sagt Fehr.

Wie geht es weiter im Streit um den neuen CBA? Diese Woche bespricht sich ein untergeordnetes Komitee. Die beiden mächtigen Männer an der Spitze der beiden Parteien, Gary Bettman und Donald Fehr, werden sich nicht vor dem 22. August treffen. Dann verbleiben noch gut drei Wochen.

Bettman war schon 1994/95 als Vertreter der Besitzer unterwegs, er leitete auch die Verhandlungen, die zum Lockout 2004/05 führten. Dieses Mal scheint die Gewerkschaft mit Donald Fehr allerdings einen starken Gegenspieler aufgestellt zu haben. (jch)

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