Zum Hauptinhalt springen

«Nicht im Traum daran gedacht, dass Firma Konkurs geht»

Mit einem emotionalen Schlusswort des Angeklagten ist der Prozess vor Obergericht gegen Rolf Erb heute zu Ende gegangen. Das Urteil wird in einigen Wochen erwartet.

«Ich bin kein Krimineller», sagte Rolf Erb in seinem Schlusswort. Es war heute der fünfte und letzte Prozesstag vor Obergericht im Fall des wegen Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung angeklagten ehemaligen Konzernchefs Rolf Erb. In seiner rund dreiminütigen Rede bekräftigte er nochmals seinen Standpunkt, dass er unschuldig ist: «Wir haben nicht einen Tag oder auch nur im Traum daran gedacht, dass die Erb-Gruppe, unser Familiengeschäft, Konkurs gehen könnte.» Er habe immer nur das Beste für seine Mitarbeiter und alle Geschäftspartner gewollt.

Verteidiger und Gläubigeranwalt bleiben bei ihren Versionen

Und Erb nahm Bezug auf die Aussage von Staatsanwältin Susanne Leu, die den Fall als «astreinen Kriminalfall» bezeichnete. «Es tut mir weh für meine Mitarbeiter und vor allem auch für meine Familie. Sie musste in den letzten zehn Jahren viel durchmachen», sagte Erb in seinem emotionalen Schlusswort, aber ohne grosse Gefühlsregungen zu zeigen. Die Verteidigung habe inhaltlich alles gesagt, er habe dem nichts hinzuzufügen. «Und es fehlt mir nach fünf Tagen auch die Kraft dazu», sagte der 62-Jährige.Zuvor hatten sowohl Verteidiger Lorenz Erni als auch Gläubigervertreter Matthias Hotz im Schlussplädoyer nochmals die Gelegenheit, ihre Standpunkte zu verdeutlichen. Beide blieben bei ihren jeweiligen Versionen: Erni bekräftigte nochmals, dass Rolf Erb kein Motiv gehabt habe, zu betrügen. Er foderte nochmals einen vollumfänglichen Freispruch sowie eine Genugtuung und eine Entschädigung für das Privatgutachten.

Urteil in einigen Wochen erwartet

Auch Hotz beharrte auf seinen Standpunkten: Er will die Vermögenswerte eintreiben, die Erb laut Anklageschrift kurz vor dem Firmenkonkurs seinen Söhne und seiner Lebenspartnerin verschenkt hatte. Die geforderte Summe beläuft sich laut Hotz' Berechnungen inzwischen auf 6.5 Milliarden Franken. Gläubiger sind unter anderem Banken wie die UBS und die Credit Suisse sowie die Autofirma Mitsubishi.

Erb wird vorgeworfen, er habe jahrelang die Bilanzen der Erb Gruppe frisiert, um so an weitere Bankkredite zu kommen. Zudem habe er sein Vermögen, darunter Schloss Eugensberg im Thurgau, seinen Zwillingssöhnen geschenkt, um es den Gläubigern zu entziehen. Der Sohn des verstorbenen Firmenpatrons Hugo Erb ist deshalb wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung angeklagt. Die Anklage fordert «in diesem krassen Fall von Wirtschaftskriminalität» eine unbedingte Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Erb hingegen bestreitet sämtliche Vorwürfe und schiebt die Schuld seinem Vater zu, der bis zum Tod im Frühling 2003 alle Fäden in der Hand gehabt habe.Erb wurde im März 2012 erstinstanzlich vom Winterthurer Bezirksgericht zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung. Das Urteil des Zürcher Obergerichts wird in einigen Wochen erwartet.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch