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«Nicht verrückt machen lassen»

Die Schweizer Eishockeyaner spielen heute im Halbfinal gegen die Amerikaner um die erste Chance auf die erste WM-Medaille seit 1953.

1992 in Prag scheiterten die Schweizer in ihrem ersten WM-Halbfinal am nachmaligen Weltmeister. Sie verloren gegen die von Conny Evensson gecoachten Schweden 1:4. 1998 in der Schweiz stand wieder der Weltmeister im Weg, dieses Mal ging es in zwei Partien gegen Schweden. «Und dann im Spiel um Bronze hatten wir gegen die Tschechen nicht wirklich eine Chance», blickt Martin Plüss zurück. Neben Mathias Seger ist er der einzige, der vor 15 Jahren dabei war. Im Vergleich zu damals ist vor dem dritten Halbfinal sehr vieles anders. «Wir standen seit 1998 schon mehrmals in den Viertelfinals, mehrmals war es auch knapp, aber am Ende hat es doch nicht gereicht. Aber hier spielen wir einfach super.» Grosse Nationen seien während des Turniers stärker geworden, «aber wir auch». Dabei ist sich Plüss nicht einmal sicher, «ob wir gegen die Tschechen unser bestes Spiel gezeigt haben. Wir hatten einfach zu viele Strafen.» Die Null Das Boxplay der Schweizer sei zwar schon gut, «aber man darf das auch nicht überstrapazieren». Plüss weist noch immer eine überragende Statistik auf: Er stand in acht Partien noch bei keinem Gegentor auf dem Eis. «Es wäre schön, wenn am WM-Ende noch immer diese Null stehen würde», hat er sich ein persönliches Ziel vorgenommen, das durchaus im Interesse des Teams ist. Das Spiel gegen die Amerikaner ist die erste Chance der Schweizer auf eine Medaille in Stockholm. Gewinnen sie es, wird es mindestens Silber, verlieren sie es, haben sie am Sonntag die Möglichkeit auf Bronze. Es wäre die erste Auszeichnung seit 1953, seit genau 60 Jahren also. Wer sich dessen bewusst ist, könnte leicht die Fassung oder Kon­zen­tra­tion verlieren. «Wir dürfen uns jetzt nur nicht verrückt machen lassen von diesen speziellen Umständen», sagt Plüss. Und Nationalcoach Sean Simp­son hat die Order an alle Spieler ausgegeben: «Verhaltet euch in der Vorbereitung auf das Spiel wie immer, macht ­exakt das Gleiche. Wenn ihr einkaufen wart, geht einkaufen, wenn ihr geschlafen habt, geht schlafen.» Martin Plüss flüchtet sich nie in Floskeln, wenn er über Eishockey Auskunft gibt. Er überlegt, er analysiert das Spiel auch sehr genau. Dabei hat er eine Erklärung für diese einmalige Erfolgsserie der Mannschaft gefunden: «Jeder spielt im Minimum gut. Es ist bisher sehr selten vorgekommen, dass eine Schweizer Mannschaft in der Breite dermassen gut besetzt war. Wir können hier im Powerplay drei Linien einsetzen, vorher mussten einige wenige Schlüsselspieler sehr viel leisten.» Das solidarische Verhalten jedes Einzelnen und die gute Aufgabenteilung bringe es auch mit sich, dass fehlende Kraft in diesen zwei Wochen nie ein Thema war. Die Reihe ist an Berra Zum Thema Verantwortung verteilen gehört auch dies: Der Schweizer Halb­final-Goalie heisst Reto Berra. Martin Gerber war gegen die Tschechen hervorragend, nun kann Berra, dessen Zukunft in der NHL in Calgary liegen soll, zum vierten Mal seine Qualitäten zeigen. Als Goalieduo belegen die zwei noch immer Rang 1. Die Schweizer haben erste Informationen zum Gegner durch Videozusammenschnitte erhalten. Aber natürlich können auch Roman Josi und Rafael Diaz noch einiges mitgeben. Josi spielt in Nashville mit den Stürmern Bobby Butler und Craig Smith zusammen, Diaz in Montreal mit Alex Galchenyuk. In den letzten WM-Spielen lagen die Vorteile – wenn es um etwas ging – bei den Amerikanern. 2009 in Bern mussten die Schweizer nach 60 Minuten gewinnen, um auf Kosten der Amerikaner die Viertelfinals zu erreichen – die USA holten sich den nötigen Punkt und verloren nach nur 13 Sekunden Over- time. 2012 war die Schweiz ohne Chance (1:5), 2011 siegte sie in einem für beide Teams bedeutungslosen Spiel 5:3. Die letzten Erfolge in wichtigen Momenten liegen zehn und mehr Jahre zurück. 2003 in Tampere erzielte Seger das Tor zum 1:0-Startsieg der Schweiz, 2000 in St. Petersburg gab es ein 3:3.

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