Zum Hauptinhalt springen

Noch einmal vereint Tata Madiba Südafrika

soweto. Bunt wie ihre Kopfbedeckungen war gestern die Trauergemeinde im Stadion von Soweto beim Abschied von Nelson Mandela. Alle wollen den Versöhner feiern – vom US-Präsidenten bis zu Vertretern autoritärer Regierungen, vom Bürger bis zum Prinzen.

Vom unaufhörlich prasselnden Regen fast übertönt, fasst Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon das Werk des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers vor Zehntausenden Gästen, dar­un­ter Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, knapp zusammen: «Heute sind alle vereint.» Mandela habe die Werte der Vereinten Nationen wie kein anderer verkörpert, sagte Ban in dem Fussballstadion bei Johannesburg. Seine Ansprache beendet er im Xhosa-Dialekt mit den Worten «Ruhe in Frieden». Die Menge jubelt.

Stadion nicht ganz besetzt

Die Trauerfeier gleicht einem grossen Happening, auch wenn wegen des Regens nur zwei Drittel der 80 000 Plätze im Stadion besetzt sind. Immer wieder brandet Applaus auf, gellen Pfiffe oder Rufe durch das Rund. Menschen singen und tanzen schon Stunden vor der Zeremonie. Überall sind Transparente mit dem Konterfei des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers zu sehen. Als der indische Präsident Pranab Mukherjee reden will, muss ein Zeremonienmeister einschreiten: Er mahnt eine «enthusiastisch» musizierende Band auf der Gegentribüne zur Ruhe.

«Ich bin sicher, dass Mandela da oben lächelt», sagt der Sprecher der Familie, Thanduxolo Mandela. «Diese Demonstration der universellen Einheit spiegelt genau das wider, wofür er gekämpft hat.» Unter den Trauergästen ist auch Witwe Graça Machel mit schwarzem Turban, die sich erstmals seit dem Tod ihres 95-jährigen Mannes öffentlich zeigt. Der Himmel lächelt an diesem Tag zwar kein einziges Mal, dafür aber US-Präsident Barack Obama, als er in einer viel beachteten Geste seinem kubanischen Kollegen Raúl Cas-tro die Hand schüttelt. Beide halten Reden zu Ehren Mandelas.

Der Jubel ist riesig, als die frühere Vizepräsidentin Baleka Mbele Obama als «Sohn afrikanischen Bodens» ankündigt. Der US-Präsident würdigt den Antiapartheidkämpfer als «Giganten der Geschichte».

In seiner Rede auf den «Befreier» kritisiert Obama mit Blick auf autoritäre Regierungen aber auch, dass es in der Welt weiterhin «zu viele Staatsmänner» gebe, «die sich mit dem Freiheitskampf von Nelson Mandela solidarisch zeigen, aber in ihren eigenen Ländern keine Opposition dulden». Damit könnten auch einige der Staats- und Regierungschefs im Publikum gemeint gewesen sein.

Andere Szenen werfen ein Schlaglicht auf die Lage im heutigen Südafrika: Staatschef Jacob Zuma, der sich 2008 in einem Machtkampf mit Thabo Mbeki durchboxte, wird ausgebuht. Unter den Rivalitäten an der Spitze seines von Korruptionsaffären und Vetternwirtschaft geplagten Afrikanischen Nationalkongresses litt Mandela.

Schweres Vermächtnis

Im Frühjahr wählt Südafrika. Die Trauerfeier spiegelt auch ein Land wider, das trotz seines Images als Regenbogennation noch ein gutes Stück des von Mandela eröffneten Weges zu Einheit und Gleichheit vor sich hat. Das wird auch in Äusserungen auf der Strasse immer wieder deutlich: Das Vermächtnis «Madibas», wie die Südafrikaner Mandela liebevoll nennen, wird als Herausforderung für die Zukunft gesehen. Ein ehemaliger Mithäftling auf Robben Island, Lionel Davis, sagt bei einer kleinen Zeremonie am Anleger der Fähre zu der Gefängnisinsel: Mit seinem Tod habe Mandela die Südafrikaner erneut versöhnt; es sei «unsere Pflicht, dass wir als Südafrika das Erbe Mandelas von heute an weiter verwirklichen».

Bei einer Parlamentssondersitzung in Kapstadt hatte auch Parlaments- Vizepräsident Kgalema Motlanthe am Vortag die Erfüllung des politischen Testaments Tata (Papa) Madibas als «Lackmustest» für die Nation bezeichnet. Antworten dar­auf müssten nach den Trauerfeiern und dem Begräbnis folgen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch