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Noch ganz orange hinter den Ohren

Der Renault Captur ist ein Neuling auf vielen Ebenen: im Segment, für die Marke und auch als Konzept. Der kleine Crossover wirkt daher erfreulich frisch, aber nicht in allen Details.

Schön, haben die Franzosen ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Schön auch, setzt Renault beim Captur auf neue Ideen. Das ist im Segment der kompakten SUVs, das sich gerade erst formiert hat, sicher einfacher möglich als bei seit Jahren eta­blier­ten Modellreihen. So hat der Captur in der Renault-Welt keinen Vorgänger und damit auch kein Vorbild. Die Designer konnten unter diesen Voraussetzungen auf Basis des Clio fast ohne Grenzen loslegen: Sie haben dem Neuling ein Crossover-Design spendiert, das klar auf die Stadt zielt. Auch wenn der Captur optisch durchaus präsent wirkt, ist er mit 4,12 Metern Länge, 1,78 Metern Breite und 1,57 Metern Höhe nicht viel grösser als ein in alle Richtungen ein wenig aufgeblasener Kleinwagen. Die 20 Zentimeter Bodenfreiheit helfen primär, Bodenwellen oder Randsteine ohne Schaden zu überwinden. Allrad ist nicht erhältlich, sodass sich ein Ausflug ins Gelände weniger empfiehlt. Das schicke Design kommt vor allem dann zur Geltung, wenn man sich die Möglichkeiten zur Individualisierung zunutze macht. Bei der Konfiguration sollte man wie in jungen Jahren rumexperimentieren und sich eine knallige Lackierung und ein andersfarbiges Dach gönnen. Auch für den Innenraum lassen sich 200 Varianten bestellen. Das Interieur unseres Testwagens ist passend zur Aussenfarbe in Orange gehalten. Zierelemente, Sitzbezüge, Abdeckungen: alles wunderbar Ton in Ton – und in gefälliger Qualität und Verarbeitung. Dazu passt das gute Touchscreen-System mit dem zuverlässigen TomTom-Navi und modernster Multimediaausstattung samt Internet und Apps. Ein optisches Highlight sind die orangen Kordeln hinten an den Vordersitzen, gleichermassen Zierelement wie Verstaumöglichkeit. Allerdings sollte man dar­auf hoffen, dass der Nachwuchs nicht entdeckt, dass man sie wunderbar wie ein Saiteninstrument zupfen und gegen die Plastikrückseite der Sitze knallen kann. Auch der automobile Jungspund muss sich noch in einigen Bereichen die Hörner abstossen: So ist die knallig lackierte Schublade als Ersatz fürs Handschuhfach zwar eine originelle Idee, aber trotz viel Fassungsvermögen unbrauchbar, sobald jemand auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat und sie mit seinen Beinen blockiert. Insgesamt wirkt der Captur erfreulich frisch und fröhlich – fährt sich aber leider nicht so. Da wagt Renault keine Experimente. Das kleine SUV ist komfortabel abgestimmt, in Kurven allerdings etwas schwammig. Trotz leichtgängiger Handschaltung wirkt der Franzose so nicht wie ein flinker Kleinwagen, sondern etwas behäbig. Was einem bei einem Gewicht von nur 1,2 Tonnen manchmal etwas wundert. Der 1,5-Liter-Diesel mit 90 PS verbessert das Fahrgefühl nur wenig. Er ist zwar sehr laufruhig und im Alltag durchaus ausreichend. Auch der Verbrauch liegt mit im Test gemessenen 5,1 Litern auf 100 Kilometer im sparsamen Kleinwagenbereich. Doch stösst der Selbstzünder bei der Beschleunigung, starker Beladung oder auf der Autobahn schnell an seine Grenzen. Eigentlich eine typische, solide Einstiegsmotorisierung – doch auf der Dieselseite gibt es momentan gar keine andere Alternative. Und auch die Downsizing-Benziner mit 90 oder 120 PS versprechen nicht wirklich viel mehr Dynamik. Steht Motorenpower nicht im Zen­trum, ist der Neuling eine gute und vor allem auffällige Wahl. Auch weil der Preis stimmt. 29?200 Franken kostet der Testwagen mit kompletter Ausstattung. Da sind nicht nur alle Designspielereien samt Spezialfelgen inklusive, sondern auch Sitzheizung, Rückfahrkamera, Klimaautomatik und das Multimediasystem samt Navi. Renault Captur dCi 90 + Frisches Design+ Hohe Alltagstauglichkeit+ Komfortabel und leise – Topmotorisierung fehlt– Schwammig in Kurven– Fehlende Dynamik

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