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Noch kein Aufstiegsteam

FCW – Servette ist heute das Duell zweier Teams, die in der Challenge League den Erwartungen noch nicht gerecht wurden. Auch nicht den eigenen.

Servette ist der grosse Name in der Liga, für manche wohl auch deshalb der Favorit Nummer 1 für den Aufstieg. Aber auch die Mannschaft dafür zu haben – das konnten die Genfer noch nicht nachweisen. Die direkte Rückkehr in die Super League ist auch nicht zwingend das Ziel des Präsidenten Hugh Quennec. Ihm liegt mehr an nachhaltiger Arbeit. Lieber steigt er später auf mit einer Mannschaft, die sich auf Dauer in der Super League eta­blie­ren kann, als schon in dieser Saison mit einer, welche die Voraussetzungen dafür nicht mitbringt. So wie die Dinge bisher liefen, war aber niemand zufrieden im Verein. Nach fünf Runden erst fünf Punkte auf dem Konto zu haben, war das eine. Leistungen wie jene bei der 0:3-Niederlage Mitte August in Schaffhausen waren das andere. Vor allem aber missfiel, dass sich Trainer Sébastien Fournier nicht wirklich mit seiner Mannschaft identifizieren konnte, obwohl er nach dem Abstieg geblieben war. Zu oft war von ihm zu hören, was er über die Limiten seiner Spieler sagte, wie weit sie von der Super League entfernt seien. Es war wohl so, dass die Art zu kommunizieren dem Präsidenten nicht passte. Und mutmasslich auch jenen, die das Ohr Quennecs haben, Loïc Favre, der Sportchef, und Pascal Zuberbühler, in offizieller Mission neuer Torhütertrainer und «Botschafter» des Vereins. «Zubi» – der starke Mann? Also musste er zeitnah zum Match in Schaffhausen gehen, obwohl er danach noch im Cup in La Chaux-de-Fonds gewonnen hatte. Einen Nachfolger verpflichtete der Verein (noch) nicht. Einstweilen führt Jean-Michel Aeby (48), lange Jahre Spieler, von 2005 bis 2008 schon mal Trainer Servettes, zuletzt Fourniers Assistent, die Mannschaft. Er tut dies zusammen mit Zuberbühler, den manche als neuen starken Mann sehen. Zu bemerken ist beispielsweise: Als Fournier noch Trainer war, leitete «Zubi» das Einlaufen der Torhüter, kletterte dann auf die Tribüne, ehe er zur Pause wieder herabstieg, um seinem Goalie mitzuteilen, was er sich notiert hatte. Jetzt bleibt er auf der Bank; ja, er unterweist Spieler, die eingewechselt werden. Und sicher ist eben von Gewicht, was er und Lucien Favres Sohn Loïc dem Präsidenten mitteilen. Beispielsweise in der Torhüterfrage. Servette hatte mit dem Portugiesen Barroca und David Gonzalez auch nach dem Abstieg zwei gute Goalies. Aber mittlerweile ist Gonzalez nicht mehr im Kader und Barroca nicht mehr die Nummer 1. Denn Zuberbühler hat praktisch mit Saisonbeginn vom MSV Duisburg dessen bisherige Nummer 2 geholt, einen in Köln aufgewachsenen Sohn eines Deutschen und einer Filippina. Den 25-jährigen Roland Müller kennt Zuberbühler, seit er im vergangenen Jahr zeitweise Torhütertrainer des philippinischen Nationalteams war. Dort spielte Müller als Ersatz für Neil Etheridge, einen alten Bekannten «Zubis» vom FC Fulham. Die letzten vier Spiele stand Müller nun im Tor Servettes – «und er spielt, wie ich mir es vorstelle», lobt Zuberbühler. Von diesen vier Matches wurden drei gewonnen, im Cup in La Chaux-de-Fonds, in der Meisterschaft daheim gegen Chiasso (2:0) und Lugano (4:1). Erst den Cup-Sechzehntelfinal gegen Lausanne (0:1) am vergangenen Samstag verloren die Genfer mit Müller im Tor. In der Liga sind sie dank den zwei Heimsiegen am FCW vorbei auf Platz 5 geklettert. Aber auch sie wissen noch nicht, ob sie sich wirklich auf Dauer der Spitze zurechnen dürfen. Der bessere «Geist» «Der Geist in der Mannschaft» sei nun «besser» als unter Fournier, sagt Zuberbühler. Was sie nun täten: «Wir wollen schauen, auf wen wir beim Aufbau unserer Mannschaft wirklich zählen können.» Auf einen, der erst im Sommer gekommen war, traf das offensichtlich nicht zu: Der serbische Linksfuss Nenad Marinkovic (24) hat den Verein bereits wieder verlassen. Er habe den Ansprüchen nicht entsprochen, sagt Zuberbühler. Die andern Neuen sind noch da. Innenverteidiger Niklas Dams (23) aus Borussia Mönchengladbachs «Zwei» ist sicher eine Verstärkung. Bei andern traf das bisher noch nicht zu, auch nicht bei Linksverteidiger Neven Markovic (26), der bisher eigentlich nur damit auffiel, ein Belgrader Jugendfreund Novak Djokovics zu sein. Noch nicht den Erwartungen entsprach aber auch, was Igor Tadic als Sturmspitze bot. Der Krienser kam vom FC St. Gallen, Goran Karanovic ging – erfolgreicher – den umgekehrten Weg. Die Fahrt nach Winterthur treten die Genfer erst heute Morgen an. Es ist ihre erste Meisterschaftsreise seit dem Debakel von Schaffhausen. Und es ist auch die erste mit Mario Cantaluppi. Ihn, seinen alten Weggefährten, hat «Zubi» kurzfristig als Assistenztrainer verpflichtet. Es musste doch, nach Aebys Aufstieg, den administrativen Vorgaben der Liga Genüge getan werden. Gewonnen haben die Genfer auf der «Schützi» übrigens noch nie, seit sie 2006 aus der 1. Liga in den bezahlten Fussball zurückkehrten. (hjs)

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