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Noch kein Nottelefon auf dem Turm

Der Stadtrat hat die Renovation des Eschenbergturms verschoben – und damit auch die Installation eines Telefons. Vielleicht wird es nun aber trotzdem montiert, um Suizide zu vermeiden.

Alle 40 Sekunden nimmt sich irgendwo auf der Welt ein Mensch das Leben. In der Schweiz sind es 1300 im Jahr. Und in Winterthur haben sich seit dem Jahr 2000 13 Menschen in den Tod gestürzt – indem sie von einem der beiden Aussichtstürme sprangen. Um das künftig zu verhindern, wollte der Stadtrat in diesem Sommer wenigstens auf dem Eschenbergturm ein solarbetriebenes Nottelefon installieren lassen. Suizidgefährdete Personen hätten sich so direkt mit der Nummer 143 der Dargebotenen Hand verbinden lassen können. Doch daraus wird vorerst nichts. Denn der Stadtrat hat die Sanierung des Eschenbergturms aus Spargründen auf 2016 verschoben. Im Rahmen dieser rund 200 000 Franken teuren Restaurierung wäre auch das Telefon angebracht worden. Der 1889 eröffnete Aussichtsturm muss entrostet und neu gestrichen werden. Auch sollen Treppen und Plattformen repariert und das Geländer erhöht werden. «Am falschen Ort gespart» GLP-Gemeinderat Michael Zeugin, der die Montage des Nottelefons in einer schriftlichen Anfrage 2013 angeregt hatte, freut das nicht. «Ich bin zwar der Meinung, dass die Stadt ihre finanziellen Mittel effizient einsetzen soll. Aber hier wäre am falschen Ort gespart», sagt er. Kauf und Montage kämen auf 12 000 Franken zu stehen. «Die Stadt könnte zugunsten des Telefons auf einen Apéro verzichten», findet er. Auch ist er der Meinung, dass der Stadtrat die Installation – losgelöst von der Sanierung – vorziehen könnte. Hier pflichtet Zeno Dähler seinem Gemeinderatskollegen bei. Der EDU-Politiker organisiert in den Weihnachtsnächten jeweils Turmwachen, um zu verhindern, dass sich Menschen das Leben nehmen. «Überall dort, wo es dar­um geht, Menschenleben zu retten, darf nicht gespart werden», sagt er. Er ist davon überzeugt, dass er das notwendige Geld auch ohne Stadt zusammenbrächte. «Mit einem Spendenaufruf.» Doch so weit wird er vielleicht gar nicht gehen müssen. Der Stadtrat klärt derzeit nämlich ab, ob eine Installation des Telefons unabhängig von der Restauration des Eschenbergturms kosteneffizient möglich und sinnvoll wäre, wie Werkvorstand Matthias Gfeller sagt. Offen ist, ob der Kanton einen Teil der Kosten übernimmt. «Telefon ist eine Chance» Dass ein Nottelefon eine wirksame Massnahme gegen Suizid ist, davon ist auch Jörg Weisshaupt überzeugt. Der Leiter Fachstelle Kirche + Jugend der reformierten Kirche Zürich ist auch freier Mitarbeiter des Vereins Refugium, der Angehörige von Suizidenten betreut, und Gründer vom nebelmeer.net. «Aus der Sicht des Suizidgefährdeten ist das Telefon eine Möglichkeit, mit jemandem Kontakt aufzunehmen. Eine Chance also, die er nutzen wird, wenn er noch Hilfe in letzter Minute beanspruchen mag.» Weisshaupt stützt sich auf Aussagen von Menschen, die einen Suizid überlebt haben. Diese bereuten den Sprung von der Brücke in dem Moment, als sie gesprungen seien. Es sei auch nicht so, dass man einen Betroffenen erst recht zum Suizid ermutige, wenn man mit ihm dar­über spreche. «Das Gespräch muss aber authentisch sein», sagt er. «Die Person muss spüren, dass man sich für sie interessiert.» Selbsttötungen können verhindert werden. Das sagt auch die Weltgesundheitsdirektion, die am vergangenen Donnerstag ihren ersten globalen Bericht zur Suizidprävention in Genf veröffentlicht hat (siehe angehängter Nebenartikel).

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