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Nordkoreas «unvorstellbares Unglück»

pjöngjang. In Pjöngjang stürzt ein Hochhaus ein. Ungewöhnlich ist das nicht. Ungewöhnlich ist hingegen, dass das nordkoreanische Regime dar­über spricht.

Nordkoreas Nachrichtenagentur meldet die Neuigkeiten in ihrem abgeschotteten Land stets so: «Kim Jong Un schaut sich einen Wettbewerb im Bogenschiessen an.» Oder auch so: «Die USA sind die Aggressoren.» Alles, was im eigenen Staat passiert, ist schön, hübsch und liebenswert, auch wenn es selten schön, hübsch und liebenswert ist. Alles, was von Südkorea oder den USA ausgeht, ist böse.

«Schlaflos voller Schmerz»

Selten aber ist bisher eine Meldung vom Versagen im Land über den Nachrichtenticker gelaufen – bis in der Hauptstadt Pjöngjang am vergangenen Dienstag ein 23-stöckiges Haus einstürzte und Menschen unter sich begrub. Schon war eine schlechte Nachricht da, in einer Medienwelt, die lediglich die Grosstaten von Jungdiktator Kim preist. Vom «unvorstellbaren Unglück» schrieb die KCNA, wenn auch erst nach sechs Tagen, vom «intensiven Rettungseinsatz». Nordkoreanische Zeitungen veröffentlichten Bilder von Offizieren, die den Hinterbliebenen die Hand reichen.

Der Bau, so schrieb die Agentur, sei «nicht fachgerecht ausgeführt worden, und die Beamten überwachten ihn in einer unverantwortlichen Weise». Mehr schrieb sie nicht. Nannte keine Opferzahl, berichtete auch nicht über den Hergang des Unfalls. Nur so viel: «Nach Überbringung der schrecklichen Nachricht war der Oberste Befehlshaber der Koreanischen Volksarmee, Erster Sekretär der Koreanischen Arbeiterpartei und Erster Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission der Demokratischen Volksrepublik Korea, Kim Jong Un, die ganze Nacht über voller Schmerz wach geblieben.»

Es ist nicht ungewöhnlich, dass im hungergeplagten und ärmlichen Nordkorea Gebäude zusammenbrechen, dass Menschen dabei und nicht nur dabei sterben. Ungewöhnlich ist, dass das diktatorische Regime öffentlich dar­über spricht, dass es den Minister für Volkssicherheit und den Chef des Pjöngjanger Parteikomitees zu den Menschen im Stadtteil Pyongchon schickt, um sich bei den Trauernden zu entschuldigen.

Zurück zu alten Neuigkeiten

92 Familien sollen vor dem Unfall im Rohbau eingezogen sein. Das schreiben südkoreanische Medien, nicht die nordkoreanischen. Auch das Wohnen auf einer Baustelle ist in Nordkorea alltäglich. 100 000 neue Wohnungen hatte die Partei dem Volk vor fünf Jahren versprochen. Wie viele davon im Bau oder gar fertig sind, ist unbekannt.

Nordkoreanische Zeitungen berichten nicht dar­über und dürften auch nach der kurzen Unglücksmeldung vom Wochenende wieder zu Neuigkeiten à la «Kim Jong Un schaut sich ein Fussballspiel zwischen Mangyongbong und Sobaeksu an» zurückkehren.

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