Zum Hauptinhalt springen

Nur Basler gegen Hooligan-Konkordat

Am 9. Februar stimmen die Bernerinnen und Berner dar­über ab, ob bei Fussball- und Eishockeyspielen die Regeln des verschärften Hooligan-Konkordats gelten sollen. Bisher haben mehrere Kantone dazu grünes Licht gegeben. Einzig die Basler fahren einen Extrazug.

Kaum je zuvor hat im Kanton Bern ein so bunt zusammengesetztes Komitee ein Referendum zustande gebracht wie jenes gegen das Hooligan-Konkordat. Ihm gehören so unterschiedliche Politgrössen wie der stramm bürgerliche SVP-Grossrat Thomas Fuchs und der Präsident der bernischen Grünen, Blaise Kropf, an. Allerdings handelt es sich beim gegnerischen Komitee nicht bloss um eine unheilige Allianz von Kräften aus dem linken und rechten Spektrum. Die Vorlage entzweit die Berner Parteien grundsätzlich. Fast jede Partei hat in ihren Reihen Gegner und Befürworter der Abstimmungsvorlage. Ungeachtet dessen fiel das Ja des Berner Kantonsparlaments im März letzten Jahres deutlich aus: 108 Mitglieder stimmten damals für die Verschärfung des Konkordats, 39 dagegen. Bisherige Regeln hätten sich bewährt Bern lässt als dritter Kanton über das Konkordat abstimmen. Auch in Zürich und Zug war das Referendum ergriffen worden; in beiden Kantonen stimmten inzwischen aber über 80 Prozent für die Verschärfungen. Nicht zuletzt deshalb ist der Berner Polizei­direktor Hans-Jürg Käser sehr zuversichtlich, dass die «massvolle Vorlage» am 9. Februar eine deutliche Mehrheit finden werde, wie er noch am vergangenen Montag vor den Medien erklärte. Zudem zielten ja die Massnahmen (siehe angehängter Artikel) nur auf gewaltbereite Personen, nicht auf die grosse Masse. Das gegnerische Komitee ist hingegen der Ansicht, dass sich im Kanton Bern die bisherigen Regeln gegen Gewalt im Sport bewährt hätten. So seien etwa bei Auswärtsspielen der Berner Young Boys keine Bahnwagen mehr verwüstet worden, seitdem die Fan- organisationen die Verantwortung für den Zustand der Wagen übernommen hätten. Die Konkordatsverschärfungen sorgten nur für mehr Bürokratie, seien bevormundend und nicht durchdacht, meinen die Gegner der Vorlage. Gegen «präventives Wettrüsten» So ähnlich klang es vor gut einem Monat auch im Grossen Rat der Stadt Basel. FDP-Grossrat David Jenny sagte damals, dass aus seiner Sicht das verschärfte Hooligan-Konkordat «weder notwendig noch rechtsstaatlich verantwortbar» sei. Die Grünliberalen sprachen in diesem Zusammenhang gar von einem «präventiven Wettrüsten», welches man ablehne. Die Mehrheit der Parlamentarier befand, dass das sogenannte «Basler Modell» der bessere Weg sei, Gewalt an Sportanlässen zu unterbinden. Dieses setzt auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Fussballklubs, Stadion und Kanton. Der Beitritt zum Hooligan-Konkordat wurde von den Basler Grossräten schliesslich mit 69 zu 13 Stimmen klar bachab geschickt. Damit ist Basel-Stadt bis heute der einzige Kanton, der sich dem verschärften Konkordat verweigert. Gut möglich jedoch, dass ihm der Baselbieter Landrat heute folgen wird. Heute: Abstimmung in Liestal Auf 60 zu 20 schätzt CVP-Landrat Peter H. Müller das Verhältnis zwischen Gegnern und Befürwortern des Hooligan-Konkordats im 90-köpfigen Baselbieter Parlament. Spätestens seit dem mit 9 zu 3 Stimmen gefällten Beschluss der vorberatenden Justiz- und Sicherheitskommission, dem Landrat Nichteintreten auf die regierungsrätliche Konkordatsvorlage zu empfehlen, besteht deshalb für viele kein Zweifel mehr, dass diese heute im Liestaler Regierungsgebäude Schiffbruch erleiden wird. Die beiden Basler Halbkantone blieben damit aber in der Minderheit. Denn neben Zürich und Zug haben bis jetzt auch die Kantone Aargau, St. Gallen, Freiburg, Waadt, Neuenburg, Jura, Wallis, Tessin, Solothurn, Uri, Luzern, Obwalden und die beiden Appenzell dem verschärften Hooligan-Konkordat zugestimmt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch