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«Nur» die wichtigste Zahl stimmt nicht

Der FCW könnte mit seiner Meisterschaftsvorrunde vollauf zufrieden sein, hätte er nicht doch noch einen Spitzenplatz verspielt – mit nur einem Punkt aus den letzten drei Matches.DIE VORRUNDENNOTEN DER FCW-SPIELER

Der FCW spielte besser, attraktiver; die Stimmung um den Verein war eindeutig besser; es kamen deutlich mehr Zuschauer als in der vergangenen Saison, über 3000 statt knapp 2000 pro Spiel. Es ist also manches erfreulich am Ende der ersten Halbsaison unter Trainer Jürgen Seeberger. Einer hat – unter dem Eindruck eines der mitreissenden Heimspielen – mal pointiert gesagt, vorbei sei «die bleierne Zeit». Und doch ist enttäuschend, was schliesslich unter dem Strich herauskam. Denn der FCW verspielte in den letzten Wochen, als Topteam und reeller Aufstiegskandidat zu überwintern – mit einem 0:1 in einem trotz Unterzahl klar überlegen geführten Heimspiel gegen Lausanne; einem 2:2 nach 2:0-Führung beim Tabellenletzten Biel; und schliesslich dem 0:1 beim Wintermeister aus Wohlen, der nach dem Verlauf der ersten 83 Minuten mit einem 0:0 zufrieden gewesen wäre. Die Frage der Mentalität Danach ist also zu bilanzieren: Vieles war in der Tat besser, aber noch immer nicht erreicht wurde die gehobene Mentalität eines Siegerteams, einer Mannschaft, die auch unter Resultatdruck besteht. Die auch mal einen engen Match gewinnt wie den in Wohlen, die ohne grösseren Aufwand oder an einem nicht so guten Tag siegt. Beispiel dafür ist dies: Lugano genügten sieben Tore zu 14 Auswärtspunkten, dem FCW verhalfen zwölf Tore zu nur neun. Oder: Aus den acht Spielen gegen die andern vier Teams der oberen Tabellenhälfte holte der FCW nur fünf Punkte, vier gegen Servette, einen gegen Lugano, keinen gegen Lausanne und Wohlen. So war auch nie die für eine Topklassierung erforderliche Konstanz zu erreichen. Zweimal gabs zwei Siege in Folge, zweimal sieben Punkte aus drei Spielen – das war an «Serien» schon das Höchste der Gefühle. Oder wie Seeberger feststellte: «Wir schiessen die schönsten Tore. Wir machen die schwierigen Dinge gut, weniger aber die einfacheren.» Das ist eine Umschreibung des Fakts, dass sein FCW an guten Tagen zu spektakuläreren Taten fähig ist als wohl jede andere Mannschaft der Liga; dass er aber immer wieder zu wenig konsequent und kon­zen­triert dar­um kämpft, sein Tor reinzuhalten. In zehn von 18 Spielen geriet er in Rückstand. In der sehr jungen Defensive hat der FCW eben auch keinen Leader wie es Savvas Exouzidis mal war, wie Patrick Bengondo der einzige im Team ist – und der spielt nun mal im Sturm. Dennoch bleibt als Fazit, der Trainerwechsel sei selbstverständlich richtig gewesen, nicht allerdings der viel zu späte Zeitpunkt nach über zweieinhalb Monaten überflüssigen Zuwartens. Seebergers Arbeit ist positiv zu werten. Er geht mit der Mannschaft fordernd, aber korrekt um und wird gut verstanden. Er hat die Fähigkeit des Sportsmanns, gegnerisches Wirken zu respektieren und – dies vor allem – die Fehler eher bei sich und seiner Mannschaft als bei äusseren Umständen wie dem Schiedsrichter zu suchen. Er hat trotz der enttäuschenden Endphase dieser Vorrunde nichts von seinem Kredit verspielt. Selbst sagt er zu Recht: «Gut ist, dass sich jeder Spieler weiter entwickelt hat – das habe ich der Mannschaft auch gesagt.» Dem wäre beizufügen: Fast jeder Spieler, denn von Amin Tighazoui ist das nicht zu sagen, auch nicht von Altmeister Stefan Iten. Personelle Überlegungen Zumal den jungen Spielern, etwa in der jüngsten Innenverteidigung der Liga, die Gelegenheit geben, in Sachen Konzentrationsfähigkeit, damit auch Effizienz und eben Winnermentalität zuzulegen – das ist nun das eine. Aber natürlich kann man eine Mannschaft auch weiterentwickeln, indem man sie ergänzt. Was also ist zu möglichen Personalien zu sagen? Im Tor bleibts dabei, Matthias Minder soll auch im Frühjahr die Nummer 1 sein. Das Eigengewächs soll sich weiter stabilisieren können. Es ist ja auch zu sagen: So leicht ist ein Besserer nicht zu finden. Im Falle Kristian Nushis, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft, will der Verein die Dinge auf sich zukommen lassen. Es würde ja nicht überraschen, formulierte Nushi höhere Ansprüche. Fragt sich dann allerdings, ob er denen selbst gerecht würde. Weil man ja auch nie genau weiss, was mit talentierten Spielern passiert, wird sich der FCW, so sagt es der nominelle Sportchef Wolfgang Vöge, nach einer Ergänzung für die zentralen Rollen in der Defensive umsehen. Es werde auch, formuliert es Vöge, «der Markt beobachtet», wenn es dar­um geht, «längerfristig im Sturm eine Alternative zu suchen». Das ist allein deshalb passend, weil dort die beiden mit Abstand ältesten Spieler des Kaders stehen. Ganz abgesehen davon wäre mal schön, schösse ein anderer Angreifer als Patrick Bengondo und João Paiva ein Tor. Als Kandidat kann sich da Christian Fassnacht empfehlen, der 21-Jährige vom FC Tuggen, der für anderthalb Jahre unterschrieb. Es ist also manches gut beim FCW. Vieles stimmt unter dem neuen Trainer, nicht allerdings die wichtigste Zahl, jene für die Punkte und die entsprechende Klassierung. Deshalb geht der FCW nicht aus der erhofften Position des Spitzenteams ins Frühjahr – und das in einer Saison, in der es in dieser Liga offensichtlich keinen Überflieger gibt. Nicht wie in den letzten drei Jahren, als der Reihe nach der FC St. Gallen, der FC Aarau und der FC Vaduz ungefährdet aufstiegen.

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