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Nur nicht verloren

Ein Kopftor Patrik Schulers in der 94. Minute bewahrte den FCW vor einer Niederlage gegen den FC Biel. Viel mehr Positives als dieses 2:2 gab es allerdings nicht.

Drei Punkte des Fünften gegen den Siebten und möglichst gute Unterhaltung für die Zuschauer – das hatte man sich von diesem Mittelfeldduell vom FCW wünschen können. Aber die Mannschaft wurde dem mehrheitlich nicht gerecht, und am Ende war zu bilanzieren: Unter guter Fussballunterhaltung stellt man sich etwas anderes vor, allerdings auch eine bessere Grundlage als dieses sehr holprige Geläuf wie eine winterliche Schützenwiese. Und das Ergebnis hätte ein Sieg sein können, ja müssen, wenn der FCW seine Überlegenheit bis zum 1:1 kurz vor der Pause zu einem sicheren Vorsprung genutzt hätte. Aber es drohte dann gar zur Niederlage zu werden, weil die Bieler in der Endphase in Führung gingen und dann nur noch die Nachspielzeit hätten überstehen müssen. Es sei zwar «hart», in der 94. Minute noch den Ausgleich zu erhalten, sagte Biels Trainer «Bidu» Zaugg, «aber übers ganze Spiel gesehen ist das Resultat gerecht». Seine junge Mannschaft müsse halt noch lernen, in einer solchen Si­tua­tion, «den Ball zu halten. Am Schluss wars dann ein Fehler zu viel.» Hart war diese Entwicklung für die Bieler auch deshalb, weil sie schon eine Woche zuvor daheim gegen Chiasso dessen 2:2 erst in der 94. Minute kassiert hatten. Und mindestens so ärgerlich war ja gewesen, auf der letzten Reise nach Winterthur Anfang Dezember in der Nachspielzeit noch das 1:0 für den FCW hinnehmen zu müssen. Damals wie gestern war Schuler der Torschütze. Zum dritten Mal Schuler Damals wie gestern kam der Flankenball von der linken Seite. Diesmal war es die erste massgebliche Szene, die der neue Jungstürmer Genc Krasniqi für die Mannschaft beitrug. Erst zehn Minuten vorher eingewechselt, setzte er sich sehr entschlossen durch, und sein Flankenball fast von der Grundlinie flog auf den Kopf Schulers, der die Gelegenheit ebenso dezidiert nutzte – zu seinem dritten Saisontor. Alle waren sie spielentscheidend. Dieser Ausgleich fiel, als sich die Winterthurer zwar nochmals energisch bis verzweifelt bemühten. Als aber längst der Eindruck entstanden war, sie wären ein weiteres Mal nicht fähig, den Erwartungen zu entsprechen. Die ersten 30, 40 Minuten waren so vernünftig gewesen, dass der FCW die dominante Mannschaft war, die wenig zuliess und schon nach wenigen Minuten durch einen präzisen 16-m-Schuss Kris Kuzmanovics in Führung ging. Die Bieler waren jedenfalls gut bedient, mit einem 1:1 in die Pause gehen zu können. Nach einem trocken erzielten Treffer Kaua Safaris, nachdem Fabian Ritter und Simon Grether schlecht ausgesehen hatten. Ja die letzte Szene vor Halbzeit war gar ein Kopfball nach einem Corner, den Sascha Studer sehr stark abwehrte. Mit sich selbst beschäftigt Ordentlich waren dann noch die ersten Minuten nachher, mit einem Pfostenschuss Kuzmanovics. Doch fortan verlor das Spiel der Winterthurer auch noch jenen durchschnittlichen Rhythmus, den es zuvor erreicht hatte. Es ging ihnen so ziemlich jede Schnelligkeit im Umschaltspiel abhanden, es unterliefen ihnen zu viele ärgerliche Fehler. Es fehlte zwar mehrheitlich nicht am Bemühen, aber es gab eben einige, die mässig bis schwach spielten wie Grether, Remo Freuler oder Patrick Bengondo. Selbst der gewohnt eifrige Antonio Marchesano liess nach. Und es konnten sich auch Marco Aratore und Kuzmanovic kaum mehr durchsetzen. Es war das Abwehrzentrum nicht mehr sicher genug, bedrohliche Gefahren zu verhindern. Die gingen meist vom hartnäckigen Gaëtan Karlen aus, der mal den Pfosten traf. Das 2:2 war eine Direktabnahme Mathieu Salamands aus spitzestem Winkel, nachdem ein Eckball auf seinen Fuss verlängert worden war. Schuler staunte noch nach Spielschluss, wie gut der Romand diesen Ball getroffen hatte. Studer anerkannte, es sei zu Recht auf Tor entschieden worden, der Ball habe die Linie doch knapp überschritten, ehe er fortgeschlagen wurde. Auch Trainer Boro Kuzmanovic anerkannte, wie viel Mühe seine Mannschaft gezeigt habe, einen gewissen Spielfluss zu erreichen. Es habe ihr – wieder mal – auch die für ein erfolgreiches Kampfspiel erforderliche Aggressivität gefehlt. Man muss beifügen: teilweise auch die letzte Laufbereitschaft. Gerade in dieser Beziehung war «Sechser» Gianluca D’Angelo diesmal wirkungsvollster Mann. Schuler war bester Verteidiger, Studer ein ordentlicher Torhüter. Der FCW ist zurzeit eine Mannschaft, die zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, Form und Stil der besseren Tage zu suchen. Die in dieser zweiten Saisonhälfte auch nicht mehr viel gewinnen kann. Die ihren Zuschauern gestern also nicht viel mehr Freude bereitete, als wenigstens kurz vor Schluss noch auszugleichen. (hjs)

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